Jänner: Hilfe nach Gewaltausbrüchen in Kenia
In den letzten Tagen des Jahres 2007 kommt es in Folge der Präsidentschaftswahlen zu schweren Gewaltausbrüchen in Kenia. Zehntausende Menschen werden im Zuge der Ausschreitungen vertrieben, Tausende Häuser niedergebrannt. Ärzte ohne Grenzen setzt vorhandene Hilfsprogramme fort und leistet zusätzlich Hilfe in zahlreichen Vertriebenenlagern in mehreren Landesteilen. Notfall-Teams verteilen Zelte und Hilfsgüter, leisten medizinische Basisversorgung und operieren Opfer der Gewalt. Die chirurgischen Teams sind mit dramatischen, durch Machetenhiebe verursachten Verletzungen konfrontiert.Foto: © Brandon Bannon
Februar: Nothilfe nach Kämpfen in der tschadischen Hauptstadt N’Djamena
Anfang Februar brechen in der tschadischen Hauptstadt N’Djamena heftige Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen aus. Ärzte ohne Grenzen behandelt Verletzte in einem Krankenhaus und leistet Nothilfe in provisorischen Lagern in Kamerun, in denen Zehntausende Menschen Zuflucht finden, die aus N’Djamena über die Grenze in das Nachbarland geflohen sind.Foto: © Benedicte Kurzen
März: Masern-Epidemien in Äthiopien und Niger
Nach einem Anstieg von Masern-Fällen startet Ärzte ohne Grenzen große Impfkampagnen in mehreren Region Äthiopiens und Niger. Hunderttausende Kinder im Alter von 6 Monaten bis 15 Jahren werden gegen die hoch ansteckende Infektionskrankheit geimpft. Masern kann zu schweren Komplikationen wie Lungenentzündung, Durchfallerkrankungen, Unterernährung oder Bindehautentzündung und daraus folgend zu Erblindung führen. Kinder unter einem Jahr weisen die höchste Sterblichkeitsrate auf: Bei Masern-Epidemien stirbt bis zu eines von fünf Kindern. Dank billiger und effizienter Impfstoffe kann der Krankheit relativ einfach vorgebeugt werden kann.Foto: © Nico Heijenberg/MSF
April: Nach Mord an Mitarbeitern muss Ärzte ohne Grenzen Projekt in Somalia schließen
Ein dramatischer Vorfall Anfang des Jahres zwingt Ärzte ohne Grenzen im April zu der schwierigen Entscheidung, das medizinische Hilfsprojekt in der somalischen Stadt Kismayo zu schließen: Bei einem Anschlag waren drei Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen getötet worden. Somalia erlebt 2008 eine beispiellose Krise mit eskalierender Gewalt, massiven Vertreibungen und enormen medizinischen Engpässen. Die extrem schwierige Sicherheitslage lässt humanitäre Hilfe nur eingeschränkt zu, dennoch leistet Ärzte ohne Grenzen in mehreren Projekten Hilfe für die unter der Gewalt leidende Bevölkerung.Foto: © Oscar Sanchez-Rey
Mai: Zyklon "Nargis" verwüstet Teile Myanmars
Anfang Mai zieht der Zyklon „Nargis“ eine Spur der Verwüstung durch Myanmar und fordert Zehntausende Menschenleben. Besonders stark betroffen ist das im Süden des Landes gelegene Gebiet des Irrawaddy Deltas. Ärzte ohne Grenzen, als eine von wenigen Hilfsorganisationen mit medizinischen Projekten im Land präsent, gehört zu den ersten Organisationen, die den Überlebenden des Zyklons in großem Ausmaß Hilfe leisten. Mehr als 250 Mitarbeiter sind im Irrawaddy Delta im Einsatz, hunderte Tonnen Hilfsgüter und Nahrungsmittel werden zu den Überlebenden gebracht. Auch Wochen nach der Naturkatastrophe bleibt der Hilfsbedarf enorm. Mit Booten durchkämmen Teams von Ärzte ohne Grenzen die betroffenen Gebiete, um Überlebende mit medizinischer und logistischer Hilfe, sowie bei der Wasseraufbereitung, zu unterstützen.Foto: © Eyal Warshaw
Juni: Tödliche Überfahrt über den Golf von Aden
Tausende Flüchtlinge und Migranten aus Somalia und Äthiopien riskieren jedes Jahr bei der gefährlichen Überquerung des Golfs von Aden in überfüllten Schlepper-Booten ihr Leben, auf der Suche nach einem Ausweg aus Krieg und extremer Armut. Mehrmals finden Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen, die an den Stränden im Süden Jemens medizinische Erstversorgung für ankommende Bootsflüchtlinge leisten, Leichen von Menschen, die die Überfahrt nicht überlebt haben. Im Juni 2008 veröffentlicht Ärzte ohne Grenzen einen Bericht, in dem die Umstände der gefährlichen Reise dokumentiert sind, und ruft zu verstärkter Hilfe für die Tausenden Flüchtlinge, Asylwerber und Migranten auf, die aus ihren Heimatländern geflohen sind.Foto: © MSF
Juli: Ernährungskrise in Äthiopien
Ausbleibende Regenfälle, hohe Nahrungsmittelpreise, niedrige Kaufkraft, schlechter Zugang zu Gesundheitsversorgung und andere Faktoren führen zu einer schweren Ernährungskrise in zwei Regionen Äthiopiens. Mehr als 16.000 schwer unterernährte Patienten, größtenteils Kinder, werden in den Ernährungsprogrammen von Ärzte ohne Grenzen behandelt. Gegen Ende des Jahres entspannt sich die Situation, die Neuaufnahmen in den Ernährungsprogrammen gehen konstant zurück, einige Ernährungszentren können geschlossen werden.Foto: © Alice Davies/MSF
August: Krieg in Georgien
Nach dem Gewaltausbruch in der abtrünnigen georgischen Region Südossetien und den anschließenden Bombardements georgischer Städte befinden sich Tausende Menschen auf der Flucht. Ärzte ohne Grenzen entsendet Hilfsteams nach Nordossetien und verteilt Hilfsgüter in Georgien. Auch ein Programm zur psychologischen Betreuung Vertriebener wird eingerichtet.Foto: © Clement Saccomani
September: Beendigung des medizinischen Hilfsprogramms in Auffanglager für Migranten auf der griechischen Insel Lesbos – Versorgung ungewiss
Ende September beendet Ärzte ohne Grenzen den Einsatz in einem Auffanglager für Migranten auf Lesbos und appelliert an die griechischen Behörden, ihre Verantwortung wahrzunehmen und die medizinische Versorgung sowie menschenwürdige Lebensbedingungen für internierte Migranten sicherzustellen. Der Mangel an Unterstützung und Kooperationsbereitschaft der Behörden erschwerte die Bemühungen von Ärzte ohne Grenzen, die medizinische Versorgung und die Lebensbedingungen der Internierten zu verbessern, die Weiterführung des Hilfsprojekts war aus Sicht der Organisation nicht mehr sinnvoll möglich. Einen Monat später muss Ärzte ohne Grenzen auch ein langjähriges medizinisches Hilfsprogramm für Bootsflüchtlinge auf der italienischen Insel Lampedusa schließen, nachdem sich das italienische Innenministerium weigert, eine für die Arbeit notwendige Vereinbarung zu unterzeichnen.Foto: © MSF
Oktober: Hilfe nach Tropenstürmen auf Haiti
Ein Monat nachdem drei Tropenstürme über Haiti hinweggefegt sind und enorme Schäden verursacht haben, stoßen Teams von Ärzte ohne Grenzen Anfang Oktober auf ein komplett überschwemmtes Dorf, in dem 2.400 Überlebende bis dahin keinerlei Hilfe erhalten hatten. Ärzte ohne Grenzen leistet den Betroffenen Hilfe und ruft andere Organisationen auf, so schnell wie möglich Hilfsmaßnahmen zu starten. Sofort nach der Naturkatastrophe hatten Teams von Ärzte ohne Grenzen in mehreren Orten, vor allem in der besonders stark betroffenen Stadt Gonaives, medizinische Hilfe geleistet und Hilfsgüter verteilt, sowie Erkundungsmissionen in abgelegene Gebiete gestartet.Foto: © Francois Servranckx/MSF
November: Intensivierung der Gewalt im Nord-Osten der Demokratischen Republik Kongo
Gegen Ende des Jahres eskalieren die Kämpfe zwischen verschiedenen bewaffneten Gruppen in der Region Nord-Kivu im Nord-Osten der Demokratischen Republik Kongo. Leidtragend ist allen voran die Zivilbevölkerung: Tausende Menschen werden bereits zum wiederholten Male vertrieben, sind krank, erschöpft und verängstigt, viele sterben. Zusätzlich zur direkten Hilfe vor Ort lanciert Ärzte ohne Grenzen Anfang November die Website www.lage-dramatisch.org, um auf das Leid der Menschen in Nord-Kivu aufmerksam zu machen: In Videos, Fotoreportagen und Berichten kommen Betroffene zu Wort und kämpfen gegen das Vergessen des Konflikts, der seit Jahren in ihrer Heimat tobt.Foto: © Dominic Nahr / Oeil Public
Dezember: Massiver Cholera-Ausbruch in Zimbabwe
Ärzte ohne Grenzen hat in Simbabwe zwischen August und Mitte Dezember über 11.000 Cholera-Patienten behandelt und im ganzen Land Dutzende Cholera-Behandlungszentren eröffnet. In fast allen Provinzen des Landes wurden Cholera-Fälle identifiziert. Über 500 nationale und internationale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen arbeiten daran, neue Fälle zu identifizieren und erkrankte Patienten zu behandeln. Welt-Aids-Tag: Neun von zehn Kindern wird eine HIV/Aids-Behandlung vorenthaltenAnlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember macht Ärzte ohne Grenzen darauf aufmerksam, dass weltweit neun von zehn Kindern, die eine HIV/Aids-Behandlung benötigen, eine solche nicht bekommen. Ärzte ohne Grenzen behandelt derzeit 140.000 Menschen mit lebensnotwendigen antiretroviralen HIV/Aids-Medikamenten, darunter 10.000 Kinder.Foto: © Joanna Stavropoulou
Veröffentlicht am 19.12.2008
Jahresrückblick 2008 in Bildern
Schwere Naturkatastrophen in Myanmar und Haiti, Ernährungskrisen in Äthiopien und Niger, gewaltsame Konflikte in Somalia, dem Tschad und der Demokratischen Republik Kongo, massive Ausbrüche von Masern und Cholera in verschiedenen afrikanischen Ländern, sowie der weltweite Kampf gegen Krankheiten wie Malaria und HIV/Aids - dies ist ein kleiner Auszug aus den humanitären Krisen, die die Teams von Ärzte ohne Grenzen im Jahr 2008 beschäftigten. Eine Fotoreportage mit 12 Bildern, die stellvertretend für die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in den vergangenen 12 Monaten stehen.