Tuesday, 22. May 2012 | 22:22 CEST

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Kousseri/Kamerun, Februar 2008: Zehntausende Menschen sind vor den Kämpfen in der tschadischen Hauptstadt N`Djamena ins benachbarte Kamerun geflohen. Viele Familien haben sich mit den wenigen Habseligkeiten, die sie mitnehmen konnten, unter Bäumen niedergelassen.Foto: © Alois Hug/MSF
Veröffentlicht am 11.02.2008
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Kamerun - Nothilfe für Flüchtlinge aus dem Tschad

"Am Morgen des 7. Februars traf ich mit einem medizinischen Team, bestehend aus 2 Ärzten, 2 Krankenschwestern und 5 Logistikern, in Kousseri ein. Die Anreise per Auto von Garoua, der nächstgelegenen Stadt in Kamerun, die über eine geeignete Landepiste für Frachtflugzeuge verfügt, dauerte mehr als einen Tag. Kousseri liegt genau gegenüber von N’Djamena, am südlichen Ufer des Flusses Logone..

Zehntausende Menschen aus dem Tschad – genaue Zahlen lassen sich schwer feststellen – sind in den Tagen zuvor aus N’Djamena hierher geflüchtet und haben die Bevölkerung von Kousseri, einer Stadt mit ungefähr 100.000 Einwohnern, stark anschwellen lassen. Die kamerunischen Behörden wie auch die Bevölkerung reagierten mit großer Hilfsbereitschaft und erleichterten dadurch unseren Hilfseinsatz, was ich an dieser Stelle besonders unterstreichen möchte. Vertreter des kamerunischen Gesundheitsministeriums sind außerdem heute hier eingetroffen, um eine Evaluation der Situation vorzunehmen.

 

Schutzlose Flüchtlinge

 

Als wir hier ankamen, waren die Flüchtlinge hauptsächlich an zwei Orten versammelt: Eine Gruppe von ca 7.000 Menschen fand an der Peripherie der Stadt in Schulen, Kirchen und Tempeln Zuflucht, während sich eine zweite, größere Gruppe von ca. 30.000 Menschen nahe der Brücke, die nach N’Djamena führt, niedergelassen hatte. An dieser Stelle, in Madana, waren die Menschen ohne jeden Schutz der prallen Sonne ausgeliefert und hatten keinerlei Zugang zu Hilfe.

Nach einer schnellen Evaluierung hat unser Team noch am selben Tag eine Anlaufstelle für medizinische Notfälle eingerichtet. Nach kurzer Zeit empfingen wir mehrere Malaria-Patienten, wovon einige an einer schweren Form der Krankheit litten, sowie Kinder und Erwachsene mit Dehydrierungserscheinungen und Durchfallerkrankungen, andere mit Atemwegsinfektionen. Die Nächte im Norden Kameruns sind um diese Jahreszeit sehr kalt und die Menschen hatten nichts, um sich vor der Kälte zu schützen. Am darauf folgenden Tag, Freitag, haben wir eine zweite Gesundheitsstation in einem Lokal der Stadtverwaltung in Cetic installiert, um auch für die Flüchtlinge im anderen Teil der Stadt medizinische Hilfe zu leisten.

Da noch keine Registrierung der Flüchtlinge durch das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) stattfand, können wir die Zahl der durchgeführten Behandlungen nicht in Verhältnis zu der Gesamtzahl der Flüchtlinge setzen. Die medizinischen Konsultation -  derzeit ca. bei 70 pro Tag in jeder der beiden Gesundheitsstationen - nehmen jedoch zu.

Parallel zur Arbeit des medizinischen Teams arbeiteten unsere Logistiker an der Herstellung einer Trinkwasserversorgung an zwei Stellen, was bereits dringend notwendig war.

 

Unsicherheit über die Entwicklung der nächsten Tage

 

Während bereits vergangenen Donnerstagmorgen beruhigende Nachrichten über die Sicherheitslage in der tschadischen Hauptstadt zirkulierten, herrschte unter den Flüchtlingen Misstrauen gegenüber der weiteren Entwicklung der Situation. Die Rückkehrbewegungen nach N’Djamena waren noch gering (nach dem zu schließen, was ich am Donnerstag auf der Brücke beobachtet habe), obwohl sich die Flüchtlinge in einer prekären Lage befanden: Sie hatten bis zu dem Zeitpunkt keinerlei Unterstützung erhalten, befanden sich aber bereits seit vergangenem Wochenende in Madana.

Später haben wir eine leichte Rückkehrbewegung in den Tschad beobachtet, die den Flüchtlingen zufolge teilweise auf fehlende Nahrungsmittelhilfe in Kamerun zurückzuführen war. Derzeit sind die Flüchtlingsströme in beiden Richtungen schwächer, und die Anzahl der Flüchtlinge ohne Unterkunft liegt nun konstant bei etwa 30.000. Andere Flüchtlinge, die bei Familien und in Hotels untergekommen sind, machen etwa 20.000 aus. Diese Zahl muss erst vom UNHCR bestätigt werden, das derzeit vor Ort mit der Vorbereitung einer Verlegung der Flüchtlinge in ein oder zwei, etwa 30 km entfernte Flüchtlingslager beschäftigt ist.

 

Verstärkung der MSF-Teams

 

Für uns sind unsere ersten Prioritäten -  die Errichtung medizinischer Anlaufstellen und die Wasserversorgung - nun gedeckt, und wir planen, rasch weitere Aktivitäten durchzuführen: Anfang dieser Woche werden wir Hilfsgüter des täglichen Bedarfs, Decken, Moskitonetze und Wasserkrüge verteilen und mit einer Masern-Impfkampagne für die Flüchtlinge in Madana beginnen. Wir verstärken unsere medizinischen Teams und bereiten uns darauf vor, bis zu 30.000 Kinder und Jugendliche zu impfen. Da die Flüchtlinge noch nicht registriert sind, rechnen wir auch damit, junge Kameruner zu impfen. Zwei MSF-Krankenschwestern werden uns demnächst verstärken, und so werden wir insgesamt acht Impfteams sein und diese Impfkampagne so schnell wie möglich durchführen. Unicef wird sich um den anderen Teil der Flüchtlinge in der Stadt kümmern.

Es ist wichtig, die Impfungen so schnell wie möglich durchzuführen, da das UNHCR in wenigen Tagen mit der Verlegung der Flüchtlinge in zwei Camps außerhalb der Stadt, in Maltam, beginnen wird.

Derzeit ist es uns unmöglich vorauszusagen, wie viele der Flüchtlinge in diese Camps übersiedeln werden. Wie sich in den nächsten Tagen die Situation auf der anderen Seite der Grenze entwickeln wird, wird mit Sicherheit großen Einfluss auf die Entscheidung der Flüchtlinge haben."

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