Tuesday, 7. February 2012 | 20:17 CET

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Der Bericht von Ariane Bauernfeind ist Teil der wöchentlichen STANDARD-Serie über die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen.
Veröffentlicht am 04.09.2001
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Kein Überleben ohne Geld

Die Krankenschwester Ariane Bauernfeind arbeitete für "Ärzte ohne Grenzen" in Sierra Leone, dem westafrikanischen Kleinstaat, der seit Jahren unter dem Bürgerkrieg leidet.

Lager für Amputierte

"How di body", das ist Kreo und die Begrüßung hier in Sierra Leone. Ich inspiziere ein Lager für Amputierte und Kriegsverletzte. Es beherbergt rund 400 Verletzte und 600 Angehörige. Hier werden Prothesen angefertigt, und es wird an einem Programm zur Integration gearbeitet. Als ich dem Lagermanager vorgestellt werde, reicht er mir seinen Armstumpf zur Begrüßung. Ich versuche ungezwungen zu wirken, weiß aber trotzdem nicht genau, wohin ich schauen soll.

Stadt der Diamanten

Die Westcoast Airline bringt mich nach Kenema, in die Stadt der Diamanten. In den Geschäften werden Fahrräder, Decken und Batterien verkauft. Aber jeder weiß, dass dahinter dei wahren Geschäfte ablaufen. Auf Tüchern werden Diamanten ausgebreitet und daraufgespuckt, damit sie besser glänzen. Nahe der Stadt ist eine Diamantenmine. Unspektakulär, im Sand wird geschürft. "Man braucht gar nicht tief zu graben", erklärt unser Fahrer.

Keine Medikamente

Wir kommen zum Dauda Camp. Es ist eine Isolationsstation von Ärzte ohne Grenzen zur Behandlung von Durchfallerkrankungen. Eine Patientin leidet unter einem akuten Lungenödem. Ich bringe sie zum Bezirkskrankenhaus. "Kann sie zahlen?", ist die erste Frage, die mir die Krankenschwester am Tor stellt. Als sie die armselige Patientin auf unserer Trage sieht, meint sie nur: "Es ist kein Bett frei." Der einheimische Pfleger, der mich begleitet, sucht nach einem Arzt. Er hat Erfolg. Ein Arzt schreibt etwas auf einen Zettel und drückt ihn mir in die Hand. Ich schaue ihn verwundert an. Wie selbstverständlich meint er: "Der Ehemann muß jetzt Geld holen gehen, mit dem Rezept in die Apotheke und wieder zurück." "Aber sie wird sterben", sage ich. Ganz ruhig antwortet der Arzt: "Aber ich habe keine Medikamente."

Behandlung nur gegen Bezahlung

Dank des roten Kreuzes, das hier die Chirurgie für Bedürftige betreut, komme ich doch noch zur rettenden Therapie. Es ist mein erstes Erlebnis mit dem Gesundheitssystem Sierra Leones, das einfach zusammenzufassen ist: Behandlung nur gegen Bezahlung. Entweder man hat Bargeld, oder man stirbt auf den Stufen des Krankenhauses. Ich habe noch nie zuvor ein so unbarmherziges Gesundheitssystem gesehen. Dabei ist dieses Land doch so reich an Naturschätzen, Wasser und Diamanten. Aber zu arm zum täglichen Überleben.

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