Tuesday, 22. May 2012 | 22:29 CEST

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© MSF/Espen Rasmussen
Weil die öffentliche Gesundheitsversorgung im Land so unzureichend ist, suchen Kranke häufig teure Privatärzte oder traditionelle Heiler auf. Diese junge Frau (20) wurde bei einem Heiler gefunden. Bei ihr ist die Krankheit schon weit fortgeschritten. Ohne sofortige ärztliche Behandlung hätte sie nur mehr ein paar Tage zu leben. Ein Video von dem Einsatz gibt es unter "Downloads" und eine Fotogalerie unter "Links".
Veröffentlicht am 14.09.2004
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Leben mit AIDS in Kambodscha

Unter den südostasiatischen Ländern ist Kambodscha am stärksten von HIV/Aids betroffen. Ärzte ohne Grenzen behandelt Patienten dort mit lebensverlängernden antiretroviralen Medikamenten – doch noch erhalten nicht alle Betroffenen Hilfe. Lars Schwed Nygård schildert in seinem Bericht die aktuelle Situation aus der Sicht von Ärzte ohne Grenzen.

Antiretrovirale Medikamente verlängern das Leben von HIV-Infizierten und geben ihnen eine Chance, wieder auf die Beine zu kommen. Sie können arbeiten, für ihre Familien sorgen und sich um ihre Kinder kümmern. Die Behandlung ist einfach - die Patienten müssen zweimal täglich eine Pille einnehmen. Ärzte ohne Grenzen hat in diversen Pilotprojekten den Beweis erbracht, dass eine Therapie mit antiretroviralen Medikamente auch dort erfolgreich durchgeführt werden kann, wo die Menschen arm und ihre Lebensbedingungen schwierig sind, so zum Beispiel im südafrikanischen Township Khayelitsha bei Kapstadt (siehe "Effiziente HIV-Behandlung auch mit unzureichender medizinischer Infrastruktur"). Wie viele ärmere Länder benötigt auch Kambodscha dringend Hilfe bei der wirkungsvollen Behandlung von HIV/Aids. 2,6 Prozent der Erwachsenen in diesem Land sind HIV-positiv - in Südostasien ist dies die höchste Rate.

Medikamente und Beratung

Die Provinz Siem Reap liegt im Nordwesten Kambodschas. Vielen ist sie bekannt, weil sich dort die Touristenattraktion Nummer Eins befindet - die berühmten Ruinen von Angkor. Was hingegen nur wenige wissen: Die Provinz liegt mit 6,6 Prozent HIV-Infizierten an der Spitze des Landes. Aus diesem Grund arbeitet Ärzte ohne Grenzen dort in zwei Krankenhäusern, dem Referenzkrankenhaus der Stadt Siem Reap und dem Bezirkskrankenhaus von Sotnikum. Hauptziel ist es, Leben und Gesundheit derer zu verbessern, die an HIV/Aids leiden. "Hier in der Klinik behandeln wir aber nicht nur Aidskranke, sondern auch Patienten mit Diabetes oder Bluthochdruck. Unser Ansatz ist es, Menschen, die an HIV/Aids leiden, so zu behandeln wie andere Menschen mit chronischen Erkrankungen. Auf diese Weise vermitteln wir der Öffentlichkeit, dass sie nicht stigmatisiert werden dürfen," erläutert Deres H. Brook, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen.

Aufklärung gegen Stigmatisierung

Aidskranke werden in Kambodscha vor allem deswegen ausgegrenzt, weil viele Menschen nicht wissen, was HIV/Aids ist oder wie man die Krankheit behandeln kann. Sengtouch ist 26 Jahre alt, und ihr Mann ist bereits an Aids gestorben. Sie ist wegen ihrer eigenen Aidserkrankung im Programm von Ärzte ohne Grenzen und lebt in einem Dorf, das 25 Kilometer von der Stadt Siem Reap entfernt ist. Sie berichtet von der Stigmatisierung, der sie ausgesetzt ist. "Die Dorfbewohner verstehen nicht, was HIV/Aids ist, sie glauben, es werde durch Mücken übertragen und haben Angst," so die junge Frau. Aufklärungsarbeit ist daher ein wichtiger Teil des Projekts von Ärzte ohne Grenzen. Die schlechte Gesundheitsversorgung ist eine der Hauptursachen für Armut im heutigen Kambodscha. Denn die Menschen lassen sich bei ihren verzweifelten Versuchen, ihr Leben zu retten, nicht selten um alle Ersparnisse bringen. Zudem verkaufen auf den ländlichen Märkten fliegende Händler Medikamente wie Bonbons - oftmals sind sie gefälscht.

Erfolgsquote: 95 Prozent

In dem Programm von Ärzte ohne Grenzen erhalten die HIV/Aidspatienten kostenlos antiretrovirale Medikamente. Seit Ärzte ohne Grenzen im Oktober 2002 mit der lebensverlängernden HIV/Aidsbehandlung begonnen hat, wurden allein im Referenzkrankenhaus von Siem Reap Medikamente an etwa 478 Patienten ausgegeben. Ende 2004 werden es etwa 700 sein. "Doch obwohl wir immer mehr Leute behandeln, sind unsere Mittel beschränkt. Sie reichen nicht aus, um alle Kambodschaner, die Hilfe brauchen, mit antiretroviralen Medikamenten zu versorgen. Unser HIV/Aidsprogramm ist ein Modellprojekt, und wir hoffen darauf, dass es bald vom Gesundheitsministerium umgesetzt wird," meint Brook. Bevor HIV/Aidspatienten mit der Behandlung beginnen können, werden sie zunächst beraten. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen achten darauf, dass die Betroffenen verstehen, wie wichtig es ist, sich streng an die Medikamenteneinnahme zu halten und diese ein Leben lang fortzuführen. Die Beratung zeigt Erfolg. "95 Prozent unserer Patienten nehmen ihre Therapie mittlerweile kontinuierlich wahr. Sie haben verstanden, dass sie nur so überleben können," sagt Loy Diep, die als Beraterin arbeitet. Zudem gibt es ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die selbst betroffen sind. Eine von ihnen ist Siep Plsita. Sie bekommt seit 15 Monaten antiretrovirale Medikamente, die ihren Gesundheitszustand deutlich verbessert haben. Siep Plsita berät nun selbst Patienten im Krankenhaus und besucht sie Zuhause.

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