Libanon: Nothilfeeinsatz im Rückblick
Der Tribut, den der einmonatige Krieg zwischen israelischer Armee und der Hisbollah forderte, ist hoch. Die Bombardements haben weder die Zivilbevölkerung, noch die zum Überleben notwendige Infrastruktur verschont. Während der einmonatigen Kampfhandlungen leistete Ärzte ohne Grenzen Hilfe für zehntausende Vertriebene in verschiedenen Teilen des Libanons, nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes kümmerten sich die Teams vor allem um die Bedürfnisse der Rückkehrer.
Am 12. Juli 2006 begannen schwere Kämpfe zwischen der Hisbollah und Israel, in deren Verlauf es zu großen Zerstörungen im Libanon kam: rund eine Millionen Libanesen wurde zu Vertriebenen im eigenen Land. Das erste Team von Ärzte ohne Grenzen traf am 20. Juli im Libanon ein, gegen Ende der Kämpfe waren 100 Mitarbeiter der Hilfsorganisation vor Ort. Insgesamt konnten durch die Hilfe von Ärzte ohne Grenzen über 60.000 Vertriebene mit Hilfsgütern versorgt werden. Nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes am 14. August 2006 kümmerten sich die Teams vor allem um die Bedürfnisse der Rückkehrer. Gut zwei Wochen nach Beginn der Waffenruhe endete der aktuelle Nothilfeeinsatz von Ärzte ohne Grenzen. Mitarbeiter werden die Situation im Libanon jedoch weiter beobachten.
Der Nothilfeeinsatz im Libanon lässt sich in zwei Phasen unterteilen: die erste Phase war durch heftige Kämpfe und Bombardierungen und die damit verbundenen Vertreibungen von Menschen geprägt. Die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen hatte drei Schwerpunkte:
- Vertriebene wurden mit Hilfsgütern wie Matratzen, Kochsets und Hygiene-Artikeln versorgt und erhielten Unterstützung bei der Sicherstellung der Wasserver- und Abwasserentsorgung
- Gesundheitseinrichtungen vor Ort wurden Medikamente und anderes medizinisches Material zur Verfügung gestellt
- Teams der Organisation suchten Kontakt zu den Menschen, die im Süden des Landes und im östlich von Beirut gelegenen Bekaa-Tal – Regionen, die besonders von den Kämpfen betroffen waren – von der Außenwelt abgeschnitten waren.
Teams von Ärzte ohne Grenzen arbeiteten unter anderem in Beirut, Sidon, Tyrus, Jezzine und in Baalbek.
Die zweite Phase des Einsatzes begann am 14. August 2006 mit dem Waffenstillstand und der darauf einsetzenden sofortigen Rückkehr vieler Vertriebenen in ihre Heimatorte. Schon zwei Tage nach Inkrafttreten der Waffenruhe waren viele der Sammelunterkünfte, in denen die Vertriebenen Zuflucht gesucht hatten, leer. In dieser Phase hatte die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen folgende Schwerpunkte:
- Unterstützung der Menschen in Gegenden des Landes, zu denen der Zugang bislang nicht möglich war - vor allem im Süden des Libanon und im Bekaa-Tal
- Versorgung von regionalen Gesundheitseinrichtungen, die während der Kämpfe geschlossen werden mussten, mit medizinischem Material, um ihre Wiedereröffnung zu ermöglichen
- Unterstützung von Gemeinden, in denen es durch die Aufnahme von Vertriebenen zu Engpässen in der Versorgung gekommen war.
Sowohl vor als auch nach dem Waffenstillstand spielten bei der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung libanesische Hilfsorganisationen die zentrale Rolle. Die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen bestand in großen Teilen darin, diese zu unterstützen. Nach Ende der Kämpfe und dem Eintreffen anderer Organisationen, die sich beim Wiederaufbau des Landes engagieren, hat Ärzte ohne Grenzen damit begonnen, die Aktivitäten im Libanon deutlich zu reduzieren.

