Tuesday, 22. May 2012 | 22:31 CEST

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Der aus Bratislava stammende Zivilingenieur Branislav Strecansky befindet sich seit Mai 2005 auf Einsatz als Logistiker in einem HIV/Aids-Projekt von Ärzte ohne Grenzen in Mosambik.
Veröffentlicht am 05.09.2005
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Logistiker Branislav Strecansky schreibt aus Mosambik

Branislav Strecansky gibt in seinem E-Mail an das Büro von Ärzte ohne Grenzen in Wien Einblick in die Arbeit in einem HIV/Aids-Projekt in Mosambik.

Liebe Kollegen von Ärzte ohne Grenzen,



Zunächst möchte ich mich für das gute Training im Vorbereitungskurs bedanken. Ich war wirklich für alles gewappnet – glücklicherweise ist die Situation hier besser als erwartet. Ich bin in einem sehr interessanten Projekt an einem sehr schönen Ort, mit einem wunderbaren Team – das gilt für alle internationalen und nationalen Mitarbeiter hier.



Unser Projekt selbst ist sehr komplex. Unser Team hat seinen Sitz in Angonia, dem nördlichsten Bezirk der Region Tete in der Nähe der Grenze zu Malawi. Angonia ist ein Plateau auf einer Seehöhe von ungefähr 1.200 Metern mit einer Vegetation aus Busch/Wald/Savanne. Es ist eine sehr ländliche Region von einer Größe von zirka 60 mal 60 Kilometern, ungefähr 300.000 Menschen leben hier in weit verstreuten kleinen Dörfern (manche bestehen nur aus fünf bis sechs Häusern), die nur über ein Netzwerk von engen Fußwegen verbunden sind, vollkommen unzugänglich mit anderen Fahrzeugen als Fahrrädern. Die Menschen hier müssen mit dem Fahrrad ein bis sieben Stunden fahren, um zum nächsten Gesundheitszentrum zu gelangen, was für Kranke sehr schwierig sein kann, besonders während der Regenzeit. Das Klima hier ist besonders zur Trockenzeit (von März bis November) sehr kalt. Zum Beispiel schreibe ich dieses E-Mail eingewickelt in eine Wolldecke...In der Nacht hat es hier oft nur 5 Grad plus.



Die einzige Asphaltstraße hier verbindet Tete und Malawi. Es gibt noch einige andere Straßen zwischen größeren Orten, diese sind jedoch nicht asphaltiert. Ich erwähne das, um einen Einblick zu geben, unter welchen Umständen wir hier arbeiten. Unser Büro liegt in der Hauptstadt (wobei ?Stadt? übertrieben ist) von Angonia, in Ulongue. Es ist ein einigermaßen ausgestatteter Ort mit Elektrizität und Trinkwasserversorgung, die jedoch häufig ausfallen. (Es gibt sogar Internetzugang....unglaublich laaaaaaaangsam, aber ausreichend um euch diese Nachricht zu schicken.)



Außer in Ulongue sind wir in drei weiteren Orten im Einsatz: Domue (ungefähr 45 km von Ulongue), Lifidzi (25 km) und Fonte Boa (15 km). Unsere Projekte werden in Zusammenarbeit mit nationaler Gesundheitsinfrastruktur und lokalem Personal durchgeführt und bestehen aus verschiedenen Abteilungen: Das IEC-department (Information, Education, Communication) versucht, das riskante (Sexual)Verhalten verschiedener Zielgruppen zu ändern. Dafür arbeiten wir mit lokalen Lehrern und Theatergruppen zusammen. Wir veranstalten Theateraufführungen, an die Aktionen angeschlossen sind, bei denen richtiges Verhalten und Fakten über HIV/Aids usw. kommuniziert werden. Die Veranstaltungen finden in der lokalen Sprache statt, da die offizielle Landessprache Portugiesisch hier nur von wenigen Menschen gesprochen wird. Das Hauptziel des TB/HBS-Departments (Tuberkulose, home base care) ist, aktiv nach Menschen zu suchen, die mit TB infiziert sind, und diese in Krankenhäuser zu schicken. Dabei werden sie von 50 Freiwilligen aus den lokalen Gemeinschaften unterstützt. Außerdem soll HIV-positiven Menschen geholfen werden, mit HIV zu leben. Das PTV-Department (Prevention of Mother-Child Transmission, also die Verhinderung der Übertragung des HI-Virus von Müttern auf ihre Kinder) arbeitet in erster Linie mit schwangeren Frauen. Das Hauptaufgabengebiet besteht hierbei in der Beratung in den Zentren. Eine weitere Abteilung führt HIV/Aids-Tests auf freiwilliger Basis durch und betreut Menschen, nachdem sie getestet wurden (positiv: was kann man tun, negativ: wie kann man sich schützen). Außerdem haben unsere Ärzte mit antiretroviraler Behandlung von Aids-Kranken begonnen.



Unser Team besteht aus vier internationalen Mitarbeitern: Ein medizinischer Koordinator, ein Arzt, eine Krankenschwester und ein Logistiker (das bin ich). Außerdem haben wir mehr als 70 nationale Mitarbeiter sowie 50 Freiwillige. Wir internationale Mitarbeiter leben in dem Haus in dem sich auch unser Büro befindet, so dass sich Freizeit und Arbeitszeit oft vermischen. Und ja, wir haben auch Freizeit. Das Leben hier ist so interessant, dass einem kaum langweilig werden kann. Natürlich sind wir hier im ländlichen Afrika, nicht in einer Großstadt: Hier gibt es keine Kinos, Supermärkte oder Nachtleben. Es wird hier früh dunkel. Aber ich habe hier Menschen getroffen, die wie ich die Natur genießen und es schätzen, Teil der lokalen Gemeinschaft zu sein. Es ist ein bisschen schwierig, seine Wäsche in einem Kübel zu waschen und manchmal nervt der ständige Lärm des Stromgenerators – aber ja, das ist Afrika! Kein Problem...



Sehr motivierend ist die Tatsache, dass hier wirklich etwas bewegt wird – jeden Tag kann man die kleinen Verbesserungen sehen. Die Anzahl der Patienten steigt, Menschen beginnen ihre riskanten Gewohnheiten zu ändern – langsam, aber unser Ziel ist es, ein Beispiel zu geben, wie eine Struktur funktionieren kann. Und ich habe das Gefühl, wir kommen voran...



Persönlich bin ich sehr glücklich, in einer Organisation wie Ärzte ohne Grenzen und mit einem Team wie diesem hier zu arbeiten. Ich habe von meiner Arbeit hier in allen Aspekten profitiert, und habe auch das Gefühl, dass diese Erfahrung mein persönliches Leben nach Ende meines Einsatzes prägen wird.

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