Wednesday, 8. February 2012 | 16:13 CET

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© MSFMaria Lindenbauer (3. von rechts) mit ihrem Team in Sambia, wo sie von 12. Juni bis 16. September 2003 im Flüchtlingslager Meheba arbeitete.
Veröffentlicht am 20.01.2004
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Maria Lindenbauers Rückblick auf ihren Einsatz in Sambia

Mein Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen führte mich nach Sambia, wo ich von 12. Juni bis 16. September 2003 im Flüchtlingslager Meheba arbeitete. Dort betreut Ärzte ohne Grenzen an die 40.000 Flüchtlinge, großteils aus Angola, aber auch aus der Demokratischen Republik Kongo, Ruanda und Burundi. Ich war für Gesundheits-Screenings der angolanischen Flüchtlinge verantwortlich. Dies war notwendig um sicher zu gehen, dass die Menschen in einem guten gesundheitlichen Zustand waren, wenn Sie den weiten Heimweg antraten.

Mitarbeiterportrait
LINDENBAUER Maria Krankenschwester
Foto  LINDENBAUER Maria
Letzter Einsatz:
Malawi
Mar 2009 - Sep 2009

Zu Beginn führten wir eine Datenermittlung aller Angolaner in sogenannten Registrierungsstellen durch. Ein Team von medizinischen Helfern füllte Fragebögen aus.

Diese Daten umfassten: Impfstatus von schwangeren Frauen, sowie Schwangerschaftsuntersuchung, Ernährungszustand von Kindern unter 5 Jahren.

Kranke Menschen wurden in unsere Klinik geschickt, um vom Arzt durchgecheckt zu werden. Meine Aufgabe war, diese Fragebögen in meine Datenbank zu übertragen.

Ich erhielt also eine Liste mit ca. 1.000 bis 1.500 Namen von Personen, bei denen eine Rückführung mit dem Konvoi nach Angola geplant war. Ich teilte diese dann in Gruppen von Personen die nicht reisen können, und Personen, die nachspeziellen Vorkehrungen die Reise antreten können.

Wir hatten eine internationale Bestimmung, dass Babys unter 40 Tagen, Schwangere im 8 und 9 Monat, Tuberkulosekranke in Phase 1, Akutkranke und chronisch Kranke, die nicht vom Arzt vorher untersucht wurden, nicht reisen durften. Alle anderen sollten dann an den Sammelstellen eingesammelt und ins Abreisezentrum gebracht werden, wo sie die letzten zwei Nächte noch verbrachten, bevor der Konvoi losging. Dies war meistens an Dienstagen. Am Montag wurden deshalb von einem Team von Krankenschwestern und -pflegern noch einmal alle Personen genauestens befragt und durchgecheckt.

Ein Bespiel: Ein unterernährtes Kind sollte eigentlich schon seit Tagen in unserem Ernährungszentrum sein, aber der Vater war strikt dagegen und somit stand die ganze Familie im Abreisezentrum, ich konnte sie leider nicht schicken, da wir unterernährte Kinder nicht gehen lassen durften. Somit musste die Mutter da bleiben und der Rest der Familie fuhr mit nach Angola. Mehrere Schwangere wurden von ihren Männern verlassen, es kam zu sehr vielen Dramen. Niemand konnte es glauben, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis jemand reisefähig war. Diese Situationen gingen mir schon sehr nahe. Ich hatte dann in meinem letzten Konvoi die Möglichkeit, mit nach Angola zu fahren und ich sah selbst, welchen Strapazen die Leute da ausgesetzt waren. Die Straßen waren sehr schlecht und die Busse ebenfalls. Ständig brach ein Bus oder ein Truck zusammen, es war eine sehr lange Reise. Wir übernachteten an der Grenze, wo es sehr kalt war.

Am nächsten Tag ging es weiter in Richtung Cazombo. Den ganzen Weg hindurch sangen die Leute, und winkten, es war sehr beeindruckend, wie groß die Freude war, wieder in ihrem Land angekommen zu sein. Auch in Cazombo selbst wurde ein Willkommensfest gefeiert. Menschen, hatten ihre Verwandten und Freunde teilweise jahrelang nicht gesehen.

Manche der Menschen kamen auch in sehr schlechten Allgemeinzustand an und wurden von Ärzte ohne Grenzen gut betreut.

Ich traf sehr viele Leute, die ich aus Meheba kannte, und es war für mich ein ganz besonderes Erlebnis, diese glücklichen Gesichter zu sehen.

Als ich wieder retour fuhr, begegnete uns ein Lastwagen mit vielen Angolanern, die auf eigene Verantwortung retour gingen. Sie erzählten mir, dass ein 17-jähriges Mädchen am Weg über die Grenze gestorben sei. Ich war sehr betroffen. Gleichzeitig fühlte ich mich aber doch in meiner Arbeit bestätigt. Denn auch wenn unser Gesundheits-Screening für viele als sehr hart empfunden wurde, kam es nie zu Zwischenfällen während der Konvoi-Transporte, dank unser Kriterien.

Abschließend möchte ich noch betonen wie gut mir der Einsatz gefallen hat und wie viel ich auch für mein Leben gelernt habe. Ich habe so viele liebe Menschen kennen gelernt und Meheba ist sicher ein ganz besonders friedlicher Ort.

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