"Masern sind hier ungleich gefährlicher als in Europa"
Abéché, Tschad, März 2009. Mit vom Wüstensturm zerzausten Haaren und einem von den unter der tschadischen Sonne verbrachten Tagen gebräunten Gesicht nimmt Raphael Ulreich auf einem Sessel im MSF-Mitarbeiterhaus in Abéché platz. Dehydriert nach einem langen Tag im Busch, erzählt er uns von der Impfkampagne, die Ärzte ohne Grenzen derzeit im Osten des Tschad durchführt. Heute haben seine vier Teams dutzende Kinder in sechs Orten südlich von Abéché geimpft. „Alles lief wie am Schnürchen,“ erklärt er. „Wir wurden von den Orts-Chefs und der Bevölkerung freundlich empfangen und fanden vor Ort Freiwillige, die uns beim schnellen Aufbau der Impfstationen unterstützt haben. Da unsere Sensibilisierungs-Teams bereits zwei Tage zuvor unser Kommen angekündigt hatten, waren die meisten Kinder bereits versammelt.“
Seit Anfang des Jahres wurden zahlreiche Masernfälle im Distrikt Abéché bekannt, woraufhin das tschadische Gesundheitsministerium MSF um die Durchführung einer Massenimpfung gebeten hat, um die Epidemie einzudämmen. Seit 7. Februar impfen MSF-Teams Kinder zwischen 6 Monaten und 15 Jahren. Bis Ende Februar wurden bereits 80.000 Kinder geimpft, 80.000 weitere sollen noch folgen.
Supervision der Impf-Teams und Behandlung von Masernpatienten
Die zwölf internationalen medizinischen Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen führen die Impfungen nicht selbst durch, sondern bilden von den lokalen Gesundheitsbehörden bereitgestellte Teams aus und überwachen den Ablauf der Impfungen. Außerdem stellen sie die Behandlung von an Masern Erkrankten sicher. „Jeden Tag stellen wir bei ungefähr 20 Kindern Maserninfektionen fest. Die meisten von ihnen sind einfache Fälle, die wir vor Ort behandeln können. Die schwierigen Fälle überweisen wir in das Krankenhaus von Abéche,“ erklärt der dreißigjährige Arzt. „In Europa kommt es bei Kinder mit Masern nur selten zu Komplikationen. Hier hingegen ist die Impfabdeckung sehr gering, und aufgrund der schwierigen Lebensbedingungen ist die Krankheit viel gefährlicher – besonders für Kinder unter fünf Jahren. Die Mortalität ist aufgrund von Lungenkomplikationen oder in Verbindung mit Unterernährung viel höher. Augenkomplikationen können außerdem zu Erblindung führen.“
Raphael Ulreich ist seit einigen Monaten auf Einsatz im nördlich von Abéché gelegenen Guéréda, wo MSF vier Gesundheitszentren betreut und Gesundheitspersonal ausbildet. Nun ist er für einige Wochen in Abéché, um das Notfallteam zu unterstützen, das eigens zur Durchführung der Impfkampagne hierher gekommen ist. „In Guéréda haben wir 500 Kinder gegen Keuchhusten geimpft, doch das ist nicht mit dieser Impfkampagne hier zu vergleichen: Das Impfen Zehntausender Kinder, eine enorme Kühlkette zur Konservierung der Impfstoffe, mehr als 10 Teams gleichzeitig an verschiedenen Orten… Ich bin wirklich beeindruckt von dem, was hier auf die Beine gestellt wird!“


