Wednesday, 23. May 2012 | 13:22 CEST

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Teurere Medikamente bedeuten, dass weniger Patienten behandelt werden können und dementsprechend mehr Aidskranke sterben müssen. Ärzte ohne Grenzen verschreibt hauptsächlich Generika, während das staatliche Gesundheitssystem von Guatemala für bestimmte Originalpräparate zwanzigmal mehr ausgibt.
Veröffentlicht am 14.03.2005
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Neue Einschränkungen für Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten

Ärzte Ohne Grenzen ist äußerst besorgt über die negativen Auswirkungen, die neue Handelsabkommen auf den Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten in Guatemala und der ganzen Region haben werden. Am 9. März hat das Parlament von Guatemala den Erlass 31-88 verabschiedet und somit das Zentralamerikanische Freihandelsabkommen unter zentralamerikanischen Staaten, der Dominikanischen Republik und den Vereinigten Staaten angenommen.

?Diese Abkommen erschweren unsere Bemühungen, einen nachhaltigen Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten für unsere Patienten sicherzustellen?, sagt Dr. Karim Laouabdia, Direktor der Kampagne für den Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten von Ärzte ohne Grenzen (Access-Campaign).

 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO und UNAIDS geben an, dass in Guatemala etwa 13.500 Menschen dringend eine Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten (ARV, auch Tritherapie genannt) benötigen, aber nur 3.600 Guatemalteken eine solche Behandlung auch erhalten. 1.600 davon werden von Ärzte ohne Grenzen in Kliniken und Spitälern in Guatemala City, Coatepeque und Puerto Barrios behandelt.

Höhere Kosten bedeuten mehr Tote

Ärzte ohne Grenzen gehandelt seit 2001 Aidskranke mit ARV-Medikamenten in Guatemala. Die meisten ARV-Medikamente stehen in Guatemala nicht unter Patentschutz. Die Konkurrenz durch Generika hat dazu geführt, dass der Preis der Aidsmedikamente in Guatemala gesunken ist. Deshalb können immer mehr Patienten damit behandelt werden. Ärzte ohne Grenzen verschreibt hauptsächlich Generika, während das staatliche Gesundheitssystem von Guatemala für bestimmte Originalpräparate zwanzigmal mehr ausgibt. Ein Beispiel: Ärzte ohne Grenzen bezahlt 216 US$ pro Patient und Jahr für eine Generikaversion von ACT+3TC (ein wichtiger Teil der Tritherapie), während das offizielle Guatemala für dieselbe Wirkstoffkombination von GlaxoSmithKline 4.814 Dollar pro Patient und Jahr ausgibt.



"Teurere Medikamente bedeuten, dass weniger Patienten behandelt werden können und dementsprechend mehr Aidskranke sterben müssen", sagt Dr. Louabdia. "Wir befürchten vor allem, dass Erlass 31-88 und die Regeln über geistiges Eigentum im zentralamerikanischen Freihandelsabkommen neuere Medikamente unerschwinglich machen - aber manche unserer Patienten sind auf neue Medikamente angewiesen, wenn sie auf die Behandlung mit Medikamenten der ersten Linie nicht mehr ansprechen."

Druck seitens der USA

Der Erlass 31-88 sieht mindestens fünf Jahre Verwertungssperre (?data exclusivity?) für Daten zu Medikamententests vor, was in der Praxis einem Monopol für Ursprungspräparate bedeutet, und das sogar dann, wenn diese Ursprungspräparate in Guatemala nicht vermarktet werden. Ärzte ohne Grenzen fürchtet, dass diese Medikamente dadurch für die meisten Guatemalteken unerschwinglich werden. Nachdem die Regierung Guatemalas im Dezember 2004 eine ähnliche Verordnung ausser Kraft setzte, wurde sie von Vertretern der Vereinigten Staaten unter Druck gesetzt und sah sich mit der Drohung konfrontiert, die Ratifizierung des zentralamerikanischen Freihandelsabkommens durch die USA würde verzögert.

 

Das zentralamerikanische Freihandelsabkommen enthält ebenfalls Bestimmungen, die eine Verwertungssperre vorsehen sowie andere für die Volksgesundheit schädliche Massnahmen, die weit über das hinausgehen, was die Regeln der Welthandelsorganisation WTO über die handelsbezogenen Rechte an geistigem Eigentum (TRIPS) verlangen und der Erklärung von Doha der Minister der WTO-Mitgliedsstaaten zum? TRIPS-Abkommen und der öffentlichen Gesundheit (Erklärung von Doha) klar widersprechen.

Interessen multinationaler Pharmaunternehmen im Vordergrund

?Guatemala wäre in der Lage, allen Patienten, die sie benötigen, Behandlung mit ARV-Medikamenten anzubieten: Das Land erhält 41 Millionen US$ vom Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria?, erklärt Ellen ?t Hoen, Sprecherin der Kampagne für den Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten von Ärzte ohne Grenzen. ?Aber die Bestimmungen im Erlass 31-88 und die Regeln über geistiges Eigentum im zentralamerikanischen Freihandelsabkommen bedeuten wahrscheinlich, dass nur ein Teil der Patienten mit den Medikamenten behandelt werden kann. Offenbar hat der Kongress die Interessen multinationaler Pharmaunternehmen höher gewichtet als den Zugang aller Guatemalteken zu unentbehrlichen Medikamenten. Das können wir nicht akzeptieren.?

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