Wednesday, 23. May 2012 | 13:33 CEST

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© MSFVor allem in der Demokratischen Republik Kongo sind Frauen sexueller Gewalt in unglaublichem Maße ausgeliefert. Ärzte ohne Grenzen veröffentlicht dazu einen neuen Bericht und dokumentiert die jüngsten Untersuchungsberichte, sowie Vergewaltigungsfolgen und den sich daraus ableitenden Handlungsbedarf (abzurufen unter "Downloads").
Veröffentlicht am 01.04.2004
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Sexuelle Gewalt in der Dem. Rep. Kongo: Worte allein helfen nicht

Am 7. April 2004 jährt sich der Völkermord von Ruanda zum zehnten Mal. Doch bis heute kommt die Region nicht zur Ruhe. Es ist kein Ende der Gewalt in Sicht: Im besonderen ist Ärzte ohne Grenzen über die anhaltende sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen in der Demokratischen Republik Kongo besorgt. In einem neuen Bericht werden anlässlich einer Pressekonferenz in Nairobi Vergewaltigungsfolgen und den sich daraus ableitenden Handlungsbedarf dokumentiert. Straffreiheit und schlechte Sicherheitslage führen auch ein Jahr nach dem Friedensabkommen noch immer dazu, dass Tausende Vergewaltigungsopfer in den Gesundheitszentren von Ärzte ohne Grenzen behandelt werden müssen.

Sexuelle Gewalt nimmt kein Ende

Ärzte ohne Grenzen kümmert sich um die Opfer, sowohl in Ruanda, wo die Organisation sogenannte "mental health programs" zur psychischen Aufarbeitung des Traumas betreibt wie auch in Uganda, dessen Norden von der "Lord Resistance Army" in nie da gewesener Dimension heimgesucht wird und wo täglich Tausende Kinder aus Angst bei Ärzte ohne Grenzen über Nacht Schutz suchen.

 

In der Demokratischen Republik Kongo haben allein seit August 2003 die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Baraka, Provinz Süd-Kivu, mehr als 600 Opfer sexueller Gewalt behandelt. Im Norden, in der Stadt Bunia waren es im gleichen Zeitraum 1.200. Vergewaltigung wurde zwar mittlerweile öffentlich verurteilt, doch die Verantwortlichen haben den Worten bisher keine Taten folgen lassen. Diese wären aber dringend notwendig, um die Häufung der Verbrechen zu verhindern und die Straffreiheit der Täter zu beenden.

Detaillierter Bericht veröffentlicht

In einem am 31. März veröffentlichten Bericht mit dem Titel ?I have no joy, no peace of mind? beschreibt Ärzte ohne Grenzen die medizinischen, psychosozialen und sozioökonomischen Auswirkungen sexueller Gewalt im Kongo und zeigt auf, wie Vergewaltigung gegen Frauen und Männer als Kriegswaffe eingesetzt wird. Der Bericht basiert auf medizinischen Fakten und Beispielen von Vergewaltigungsopfern, die in einem Gesundheitszentrum in Baraka von Ärzte ohne Grenzen behandelt wurden. Vergewaltigung ist jedoch auch in anderen Teilen des Kongo weit verbreitet.

Jüngstes Opfer erst vier Jahre alt

Ein vierjähriges Mädchen ist die jüngste Patientin, die Ärzte ohne Grenzen nach einer Vergewaltigung behandelte, das älteste Beispiel eine 70jährige Frau, die vor den Augen ihrer Kinder von drei Männern vergewaltigt wurde. Zu den medizinischen Folgen sexueller Gewalt gehört ein erhöhtes Risiko von HIV/Aids, körperliche Verletzungen und schwerwiegende gynäkologische Komplikationen. Die Frauen leiden unter Ängsten und Albträumen, werden in ihren Dorfgemeinschaften häufig ausgegrenzt und von ihren Ehemännern verstoßen.

Internationaler Handlungsbedarf

Nachdem das Thema sexuelle Gewalt jahrelang vernachlässigt wurde, ist es nun endlich auf der politischen Tagesordnung. In Anbetracht der überwältigenden Vergewaltigungszahlen wird jedoch bei weitem nicht genug getan. Für die zahllosen Opfer ist mehr Hilfe notwendig. Höchste Dringlichkeit hat ein nationales Protokoll für sexuelle Gewalt, und die medizinische Behandlung von Opfern muss in den Wiederaufbau der Gesundheitsstrukturen integriert werden.

Bis dato nur Lippenbekenntnisse

"Die Straffreiheit der Täter ist inakzeptabel und ein Hauptgrund, warum die sexuelle Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo bis heute anhält," sagte Maria Jose Mora von Ärzte ohne Grenzen. "Die politischen Akteure haben erste Erklärungen abgegeben, in denen sie Vergewaltigung verurteilen und sich verpflichten, die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. Bisher ist es jedoch bei schönen Worten geblieben, die wenig mit der Realität der Opfer zu tun haben, denen wir täglich bei unserer Arbeit begegnen."

Straffreiheit der Täter muss beendet werden

Die bewaffneten Gruppen im Land weisen sich gegenseitig die Schuld für die Vergewaltigungen zu. Nach Erkenntnissen von Ärzte ohne Grenzen sind jedoch alle von ihnen verantwortlich. Die Organisation ruft daher alle Anführer auf, die Worte in Taten umzusetzen, um die Straffreiheit zu beenden. Dies wird nur unter größerem Druck und mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft geschehen.

 

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1981 in der Demokratischen Republik Kongo tätig. Das Programm gehört mit medizinischen Projekten in acht der zehn Provinzen des Landes und in der Hauptstadt Kinshasa zu den größten der Organisation. Arbeitsschwerpunkte sind u.a. Basisgesundheitsversorgung und Bekämpfung von Epidemien.

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