Sicherheit von 60.000 Vertriebenen bedroht
Kämpfe in der Region Bong County, nordöstlich von Monrovia, bedrohen laut Ärzte ohne Grenzen die Sicherheit von rund 60.000 Vertriebenen. Sie leben in Vertriebenenlagern, die nur 45 Kilometer von der Frontlinie entfernt sind. Die Organisation kümmert sich um die medizinische Versorgung in den Lagern. In Monrovia ist die Sicherheitslage inzwischen besser, aber die humanitäre Lage ist noch immer Besorgnis erregend. Ein Hoffnungsschimmer: Das Redemption-Krankenhaus konnte nach zwei Monaten wieder seinen Betrieb aufnehmen.
Katastrophale Lebensbedingungen
"Die Menschen in Bong County waren allein in den vergangenen zwei Jahren mindestens viermal gezwungen, vor Kämpfen in der Region zu fliehen. Sie sind aus Mangel an Nahrungsmitteln geschwächt und müssen jetzt erneut um ihre Sicherheit bangen", sagt Pierre Mendiharat, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Liberia. "Wenn die Kämpfe näher kommen, fürchten wir, dass es zu einer massiven Flucht von Zivilisten kommen wird." Seit Mitte Mai hat es aus Sicherheitsgründen keine Nahrungsmittelverteilungen mehr in den Lagern gegeben. Die Menschen leben von Kassawa-Wurzeln, die sie im umliegenden Buschland suchen.
Neues Ernährungszentrum
Am 2. August hat Ärzte ohne Grenzen ein Ernährungszentrum im Lager Sasala eröffnet, in dem 150 schwer unterernährte Kinder versorgt werden. Jeden Tag kommen fünf bis zehn weitere hinzu. Außerdem hat die Organisation zwei Mal Nahrungsmittelrationen an etwa 4.000 Kinder ausgegeben. Nachdem es zu einem Choleraausbruch gekommen war, wurden in den letzten zwei Wochen mehr als 150 Patienten behandelt.
Erste Hilfe im Umland
In der vergangenen Woche hat Ärzte ohne Grenzen vier Erkundungstouren nach Tubmanburg in Bomi County, Bo Waterside in Grand Cape Mount County, Zwedru in Grand Gedeh County und Buchanan in Grand Bassa County durchgeführt. Diese Regionen sind seit Monaten von jeglicher humanitärer Hilfe abgeschnitten, und die Menschen haben weder Zugang zu medizinischer Versorgung noch ausreichend Nahrungsmitteln und Wasser. Ab heute wird Ärzte ohne Grenzen mit einer mobilen Klinik die medizinische Betreuung von etwa 14.000 Menschen in Tubmanburg sicherstellen. In Buchanan brauchen etwa 30.000 Vertriebene dringend Unterstützung. Doch die Sicherheitslage ist zu angespannt, um dort umfassende Hilfe leisten zu können.
Redemption-Krankenhaus wieder eröffnet
Am 20. August konnte das Redemption-Krankenhaus wieder seinen Betrieb aufnehmen, nachdem es wegen der Kämpfe für zwei Monate geschlossen war. Es ist das einzige öffentliche Spital und für die Versorgung von über 1 Millon Einwohner in Monrovia zuständig. Seit 1999 unterstützt Ärzte ohne Grenzen das Krankenhaus und evakuierte die Patienten am 24. Juni in zwei provisorische Notkliniken, die auf dem Gelände der Organisation eingerichtet wurden. Gemeinsam arbeitete man dort mit dem Personal des Krankenhauses rund um die Uhr unter sehr schwierigen und gefährlichen Bedingungen, um die Patienten zu versorgen, die unter anderem unter Kriegsverletzungen, Unterernährung und Cholera litten. Ärzte ohne Grenzen hilft nun dabei, das von den Kämpfen in Mitleidenschaft gezogene und geplünderte Gebäude wieder in Stand zu setzen.
Weitere Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen
Zur Zeit arbeiten 23 internationale und 300 liberianische Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in Liberia. In Monrovia unterhält die Organisation zwei Notkliniken, neun Gesundheitszentren und drei Cholerastationen. Täglich werden 200 bis 400 Kinder gegen Masern geimpft, und Tanklastwagen versorgen die Vertriebenenlager in der Stadt mit 100.000 Liter Wasser täglich. Darüber hinaus leistet Ärzte ohne Grenzen Hilfe in drei Vertriebenenlagern in Bong County. Ein Gesundheitszentrum im Vertriebenenlager Plumcor im Norden Monrovias konnte wieder eröffnet werden.
Spendenkonto für Liberia: PSK 930.40.950, Kennwort Liberia

