Wednesday, 23. May 2012 | 13:38 CEST

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Simbabwe, November 2008: Da nicht ausreichend Krankenbetten zur Verfügung stehen, müssen Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen Cholera-Patienten teilweise im Freien versorgenFoto: © Joanna Stavropoulou / MSF
Veröffentlicht am 12.12.2008
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Simbabwe: Bereits über 11.000 Cholera-Patienten in Behandlung

Ärzte ohne Grenzen hat seit August in Simbabwe in der seit Jahren schlimmsten Cholera-Epidemie über 11.000 Patienten behandelt und im ganzen Land Dutzende Cholera-Behandlungszentren eröffnet. In fast allen Provinzen des Landes wurden Cholera-Fälle identifiziert. Über 500 nationale und internationale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen arbeiten daran, neue Fälle zu identifizieren und erkrankte Patienten zu behandeln.

Die Hauptstadt Harare war das Zentrum des aktuellen Ausbruchs: Ärzte ohne Grenzen hat in der dicht besiedelten Hauptstadt bereits über 6.000 Menschen behandelt. Beitbridge, eine Stadt an der Grenze zu Südafrika, ist ebenfalls stark betroffen: Über 3.000 Menschen mit Verdacht auf Cholera wurden hier bereits von Ärzte ohne Grenzen behandelt.

Simbabwe erlebte bereits in der Vergangenheit größere Choleraausbrüche – Cholera ist in einigen ländlichen Regionen endemisch – aber bis vor einigen Jahren war sie in städtischen Gebieten relativ selten.

"Ein solches Ausmaß und eine so extrem hohe Infektionsrate vor allem in Harare ist noch nie da gewesen," so ein Epidemiologe von Ärzte ohne Grenzen, der in den letzten sieben Jahre regelmäßig in Simbabwe tätig war. Er erklärt, dass die Hauptursachen für den Ausbruch der fehlende Zugang zu sauberem Wasser, kaputte und blockierte Abwasserleitungen und mit Müll überfüllte Straßen sind. "Die Tatsache, dass der Ausbruch so groß werden konnte, ist ein Indikator dafür, dass das Gesundheitssystem des Landes mit einem Choleraausbruch nicht fertig werden kann."

Ärzte ohne Grenzen arbeitet in Harare in zwei Cholera-Behandlungszentren, die in vorhandenen Gesundheitseinrichtungen integriert sind. In die zwei Haupt-Behandlungszentren kamen in der ersten Dezemberwoche über 2.000 Menschen mit Verdacht auf Cholera.

Ein Nothilfekoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Harare beschreibt die Situation so: "Stellen Sie sich eine Cholera-Behandlungsstation mit Dutzenden Patienten unter den einfachsten Bedingungen vor. Zum Beispiel gibt es nur ganz wenig Strom, so dass kaum Licht vorhanden ist. Für die Ärzte und Schwestern ist es daher schwierig, die Patienten, die sie behandeln, überhaupt zu sehen. Und die Schwestern müssen große Mengen an Infusionsbeuteln überwachen und sicherstellen, dass sie nicht ausgehen, was im Dunkeln bei einer so großen Anzahl von Patienten auch schwer durchzuführen ist."

Da Ärzte ohne Grenzen seit dem Jahr 2000 im Land ist und HIV/Aids-Programme betreibt, konnte die Organisation von dort aus reagieren und schnell Notbehandlungszentren für Cholera errichten.

Gefahr durch Regen

Der aktuelle Ausbruch ist auch deswegen besonders besorgniserregend, da er bereits einige Zeit vor der Regenzeit begann. Eine Hauptsorge ist, dass mit Beginn des starken Regens ungeschützte Wasserquellen verseucht werden und sich die Cholera dadurch noch weiter ausbreitet. Die Regenzeit beginnt normalerweise im November und dauert bis März, allerdings hat der starke Regen in manchen Regionen noch nicht eingesetzt.

Eine zusätzliche Herausforderung, besonders in Harare, war der Streik des staatlichen Gesundheitspersonals. Dadurch musste Ärzte ohne Grenzen rasch Hunderte von Krankenschwestern und anderes Personal rekrutieren, um den Ansturm der Cholerapatienten bewältigen zu können. Das Training von neuem Personal nimmt viel Zeit und Energie in Anspruch und erhöhte somit die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter erheblich.

Ärzte ohne Grenzen führte auch Erkundungseinsätze in ländlichen Gegenden durch und reagierte auf vereinzelte Berichte von Cholerafällen. Eine geringe Anzahl an Patienten wurde in einigen kleinen Dörfern gefunden. Ärzte ohne Grenzen errichtete kleine Cholerabehandlungszentren, wo es notwendig war. MSF betreibt in fünf Bezirken in den Provinzen Manicaland und Mashvingo im Osten von Simbabwe acht Cholerabehandlungszentren und behandelte dort über 700 Patienten.

Nyamapanda, eine Stadt an der Grenze zu Mosambik, ist ebenfalls betroffen. Als Ärzte ohne Grenzen Anfang November ankam, fand das Team etwa 150 Cholerapatienten vor und half, ein Cholerazentrum mitten in der Stadt zu errichten, sowie vier weitere zusammen mit dem Gesundheitsministerium in den umliegenden Gebieten. Insgesamt wurden im Distrikt Mudzi 1.600 Patienten behandelt.

Ärzte ohne Grenzen wird die Lage weiterhin beobachten und die Menschen in den am stärksten betroffenen Gebieten behandeln, sowie Nothilfepersonal und Hilfsgüter in die verschiedenen Orte in Simbabwe, wo neue Cholerafälle auftreten, entsenden.

"Ein Choleraausbruch von diesem Ausmaß hält normalerweise mehrere Monate an," sagt der Epidemiologe von Ärzte ohne Grenzen. "Wir gehen daher davon aus, dass sich die Teams noch einige Zeit um die Cholerapatienten in Simbabwe kümmern werden."

 

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