Wednesday, 23. May 2012 | 13:39 CEST

Veröffentlicht am 18.12.2008
Share |
A A

Simbabwe: Chaos nach schwerem Cholera-Ausbruch in Chegutu

Ein schwerer Cholera-Ausbruch erschüttert die 100 Kilometer westlich von Harare gelegene Stadt Chegutu, wo seit dem Auftreten erster Fälle am 24. November bereits 100 Menschen an der Krankheit gestorben sind. Ärzte ohne Grenzen erreichte die 55.000-Einwohner Stadt am 12. Dezember, nachdem die Organisation am selben Tag von dem Ausbruch erfahren hatte.

Die Szenen, die sich den Teams von Ärzte ohne Grenzen bei ihrer Ankunft in dem kleinen, von der Regierung betriebenen Cholera-Behandlungszentrum von Chegutu boten, waren düster. Die Zahl registrierter Fälle lag über 650, 74 Menschen waren bereits verstorben. Patienten lagen am Boden, einige von ihnen Seite an Seite mit Verstorbenen, es gab keine sanitären Anlagen, kein Wasser und keine Nahrung.

"Die Situation glich einem absoluten Chaos," sagt Luis Maria Tello, medizinischer Koordinator des Notfallteams von Ärzte ohne Grenzen. "Es gab keine Betten und überall lagen Patienten. Menschen verdursteten, da es kein Wasser gab."

"Überall lagen Tote"

Die Entsorgung von Leichen war eine der ersten Prioritäten des Notfallteams. "Überall lagen Tote," sagt Tello. Innerhalb eines Tages konnte Ärzte ohne Grenzen Desinfektionsmaßnahmen sowie die Entsorgung der Toten bewerkstelligen.

Das Team brachte mehr als 150 Cholera-Betten, fast 3.500 Liter Ringer-Lösung zur Cholera-Behandlung, sowie sechs Zelte nach Chegutu. Aufgrund der hohen Kontamination mit Cholera-Bakterien rund um das Behandlungszentrum begann Ärzte ohne Grenzen sofort mit dem Bau eines neuen, isolierten Zentrum mit Zelten und Latrinen in einem abgetrennten Bereich. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen führen außerdem bessere Abläufe zur Registrierung der Patienten sowie zum Screening ein, um Cholera-Fälle effizient identifizieren zu können.

"Viele blieben zu Hause, da in der Klinik so viele Menschen starben. Die Menschen hatten Angst davor, hierher zu kommen," sagt Grant Anthony, als Wasser- und Sanitärexperte Teil des Notfall-Teams von Ärzte ohne Grenzen.

Eine weitere Herausforderung ist es, die Patienten in der Klinik mit Nahrung zu versorgen. Viele sind seit Tagen im Cholera-Behandlungszentrum und haben seither nichts gegessen. Ein älterer Mann versuchte, seinen Infusionsbeutel zu entfernen und das Behandlungszentrum zu verlassen. "Ich habe Hunger, ich habe seit neun Tagen nichts gegessen," sagte er. Er fügte hinzu, dass die Menschen wüssten dass er Cholera hätte, wenn sie den Infusionsbeutel sehen würden, und er stigmatisiert werden würde. Viele Gesundheitszentren im ganzen Land haben keine Nahrung für ihre Patienten. Ärzte ohne Grenzen und andere Organisationen versuchen Wege zu finden, die Grundversorgung der Patienten mit Lebensmitteln sicherzustellen.

Regierungsstellen fanden heraus, dass viele der Kranken Wasser aus geborstenen Rohren verwendet hatten, die absichtlich zerstört wurden, um Zugang zu Wasser zu bekommen. Chegutu war in den vergangenen sieben Monaten nach Aussagen von Bewohnern immer wieder von Ausfällen in der Wasserversorgung betroffen. Da es in der Stadt auch zahlreiche kaputte Abwasserrohre gibt, wird angenommen, dass die Trinkwasserquellen durch Abwässer verunreinigt wurden.

Auch auf Farms außerhalb der Stadt wurden Cholera-Fälle entdeckt. Heftige Regenfälle haben mittlerweile eingesetzt, was bedeutet, dass Cholera-Bakterien über die Stadt hinaus in ländliche Gebiete gelangen könnten. Ärzte ohne Grenzen wird demnächst  Erkundungsmissionen in die benachbarten Gebiete durchführen und nach weiteren Ausbrüchen Ausschau halten.

Währenddessen gehen die Cholera-Fälle in der Hauptstadt Harare zurück, ebenso in Gweru. In Epworth und Chitungwiza steigen die Zahlen hingegen leicht an. Im Distrikt Mudzi, nahe der Grenze zu Mosambik, gingen die Fälle zunächst zurück, Mitte Dezember wurden zwei neue Herde mit je 40 Fällen gefunden. In den östlichen Provinzen Masvingo und Manicaland findet Ärzte ohne Grenzen nach wie vor neue Fälle.

Ärzte ohne Grenzen wird Cholera-Patienten behandeln solange der Ausbruch andauert. Der Streik des staatlichen Gesundheitspersonals erschwert die Arbeit weiterhin, doch gelang es Ärzte ohne Grenzen, rasch Hunderte von Krankenschwestern und anderes Personal zu rekrutieren, um den Ansturm der Cholerapatienten bewältigen zu können. Zusätzliche humanitäre Hilfe wird im ganzen Land benötigt.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 2000 in Simbabwe, vorwiegend im Bereich der Bekämpfung von HIV/Aids.

Themen

Schlagworte

Mediathek und Archiv