Wednesday, 23. May 2012 | 13:47 CEST

Veröffentlicht am 29.07.2008
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Tarnung von militärischer Aktion als humanitärer Einsatz erschwert Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Kolumbien

Seit das kolumbianische Militär Anfang Juli eine falsche humanitäre Identität bei einer Geiselbefreiungen einsetzte, wurde Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) dazu gezwungen, den Einsatz mobiler Kliniken in vielen ländlichen Gegenden zu unterbrechen. Dies hat direkte negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung in den Konfliktzonen, vor allem in den Distrikten Nariño, Tolima, Guaviare und Cauca. Ärzte ohne Grenzen hat den Zugang zu 35 Prozent der Gebiete verloren, in denen die Organisation arbeitet. Dadurch werden ungefähr 300 medizinische Behandlungen pro Tag weniger durchgeführt.

Ärzte ohne Grenzen ist zutiefst beunruhigt über den Missbrauch einer humanitären Identität in einer militärischen Operation. Der Missbrauch durch das Militär sorgt mit großer Wahrscheinlichkeit für Irritation unter der Zivilbevölkerung und den bewaffneten Gruppierungen.  Dies führt zu einem Verlust an Vertrauen in humanitäre Organisationen, da an deren unabhängigem, unvoreingenommenem und neutralem Status gezweifelt wird. Dadurch ist die Sicherheit humanitärer Helfer gefährdet.

"Wir sind sehr besorgt über die Konsequenzen, die diese Art Irritation auf die Sicherheit unserer Teams im Feld und auf unsere Fähigkeit haben könnte, vom Konflikt isolierte Menschen zu erreichen." erklären Grant Leaity und David Cantero, zwei von vier Koordinatoren von MSF-Hilfsprogrammen in Kolumbien. "Angesichts dieser Situation möchten wir klarstellen, dass unser Einsatz absolut unabhängig von jeder Art Regierung, Militär sowie bewaffneter Gruppierungen und von deren Interessen und Aktivitäten ist. Ärzte ohne Grenzen verlangt den ungehinderten Zugang zur Zivilbevölkerung, die unsere medizinische Unterstützung braucht. Ärzte ohne Grenzen nahm weder an der Geiselbefreiung vom 2. Juli in Kolumbien teil, noch hatten wir Kenntnis davon."

Menschen aus ländlichen Gegenden Kolumbiens sind besonders ungeschützt und leiden unter den Folgen des bewaffneten Konflikts: ihnen fehlt der ausreichende Zugang zu Basisgesundheitsversorgung, sie leiden an Nahrungsmittelknappheit und leben in Isolation. Um die Folgen dieser humanitären Krise zu lindern, unterstützen Teams von Ärzte ohne Grenzen in 14 Distrikten Kolumbiens die Bevölkerung mit medizinischer Versorgung. Im Jahr 2007 hat Ärzte ohne Grenzen 101.000 medizinische und 17.000 psychologische Behandlungen durchgeführt. 

Ärzte ohne Grenzen fordert, dass die Unabhängigkeit humanitärer Einsätze respektiert und die Identität humanitärer Organisationen nicht zweckentfremdet wird.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1985 in Kolumbien und führt medizinische und psychologische Behandlungen, soziale Orientierungshilfe und Nothilfe für tausende vom Konflikt betroffene Menschen durch. Die Organisation leistet auch bei Epidemien und Naturkatastrophen Hilfe. Gegenwärtig arbeiten in 14 Distrikten Kolumbiens über 280 Menschen in Hilfsprogrammen von Ärzte ohne Grenzen.

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