Wednesday, 23. May 2012 | 13:55 CEST

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Foto: Jemen 2008, © MSF
Veröffentlicht am 19.06.2008
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Unter brutalen Umständen überqueren Tausende Somalier und Äthiopier den Golf von Aden

Jedes Jahr riskieren Tausende Somalier und Äthiopier ihr Leben und überqueren auf der Flucht vor Konflikt und extremer Armut den Golf von Aden. Die Reise erfolgt unter brutalen Bedingungen, die Menschen sind der Gewalt von Schleppern ausgesetzt und erhalten bei ihrer Ankunft im Jemen kaum Hilfe. Mit der Veröffentlichung des Berichts "No choice" dokumentiert Ärzte ohne Grenzen die Umstände der gefährlichen Reise und ruft zu verstärkter Hilfe für die Tausenden Flüchtlinge, Asylwerber und Migranten auf, die aus ihren Heimatländern geflohen sind.

Aufgrund der Eskalation des Konflikts in Somalia und der Dürre am Horn von Afrika, nimmt die Zahl der Flüchtlinge zu: 2007 riskierten laut UNO 30.000 Menschen die gefährliche Reise nach Jemen, in den ersten fünf Monaten dieses Jahres waren es bereits über 20.000 Menschen. Viele von ihnen kamen nie an: 2007 wurden 1.400 Tote und Vermisste registriert, heuer haben bereits 400 Menschen die Küste des Jemen nicht mehr lebend erreicht.

Ärzte ohne Grenzen veröffentlicht den Bericht (siehe rechts unter "Downloads") einen Tag vor dem Welt-Flüchtlingstag am 20. Juni. Er beruht auf über 250 Zeugenaussagen, die von den MSF-Teams im Jemen seit 2007 zusammengetragen wurden. Die Flüchtlinge kommen erschöpft an, viele von ihnen auch krank und nervlich zerrüttet. In Boote von acht bis zehn Metern Länge, die für maximal 30 bis 40 Menschen gebaut wurden, sind über 100 Passagiere gezwängt. Die Menschen müssen die zwei oder drei Tage der Reise in derselben Position verharren, ohne sich zu bewegen, meist ohne Wasser oder Essen.

Die Schlepper verhalten sich extrem brutal und schlagen Passagiere, die sich bewegen. Besonders schlimm sind die Bedingungen für jene Menschen, die sich in den kleinen, fensterlosen Laderäumen der Boote befinden. Hier drängen sich zwanzig oder mehr Menschen, die oft aufeinander sitzen müssen. Die Bedingungen sind so dramatisch, dass bei einem Drittel der Boote Todesfälle während der Reise auftreten. Die Hauptursachen dafür sind brutale Schläge, fehlendes Wasser oder Essen und Tod durch Erstickung. Einige der befragten Betroffenen berichteten auch über Fälle, in denen die Schlepper die Passagiere, einschließlich Kinder, über Bord warfen.

Keine andere Wahl

Das Anlegen an der jemenitischen Küste ist sehr gefährlich: Um nicht vom Militär geschnappt zu werden, kommen viele Boote in der Nacht an und halten ein Stück vom Ufer entfernt an. Die Schlepper zwingen die Passagiere ins tiefe Wasser zu springen. Viele Menschen ertrinken: Sie können nicht schwimmen, können sich wegen Benommenheit nicht mehr bewegen oder sind orientierungslos und können daher das Ufer nicht finden.

Die meisten der Befragten sind sich der Risiken bewusst, erklärten gegenüber MSF aber, dass sie keine andere Wahl hätten und dies ihre einzige Überlebensmöglichkeit sei, um vor Gewalt und Armut zu flüchten. Für jene, die nach der gefährlichen Reise letztendlich an der Küste des Jemen ankommen, ist die Not jedoch nicht vorüber: Der Jemen ist ein ressourcenknappes Land, und die geleistete Hilfe ist spärlich: "Bis zum jetzigen Zeitpunkt war die humanitäre Hilfe unzureichend. Es ist dringend mehr internationale Hilfe notwendig, und die Geberländer sollten sich politisch und finanziell engagieren. Die Kapazitäten der Helfer müssen verstärkt werden, und zusätzliche Hilfsorganisationen sollten einschreiten", erklärt Alfonso Verdú, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Jemen.

Ärzte ohne Grenzen hat im September 2007 an der Südküste des Jemen ein Hilfsprojekt eröffnet, um den neu ankommenden Flüchtlingen medizinische, psychologische und humanitäre Hilfe zu leisten. Ein mobiles Team leistet erste Hilfe am Strand, und MSF betreibt im Ahwar Aufnahmezentrum (ARC) auch ein Gesundheitszentrum für Notfälle. Innerhalb von acht Monaten hat Ärzte ohne Grenzen über 6.000 Menschen betreut - sowohl am Strand als auch im Gesundheitszentrum.

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