Eine Mutter mit ihrem schwer unterernährten Kind im Ernährungszentrum von Ärzte ohne Grenzen in Biu in der Region Borno im Norden Nigerias.Foto: Alle Fotos © MSF/Ton Koene
Die deutsche Ärztin Eva Rempis untersucht ein schwer unterernährtes Kind im Ernährungszentrum des Krankenhauses von Biu. Bis das Kleine wieder zu Kräften gekommen ist, werden mehrere Wochen stationärer Behandlung vergehen. Wenn die Kinder die kritischste Phase hinter sich haben, können die Mütter sie mit nach Hause nehmen. Ärzte ohne Grenzen bietet in einigen zentralen Dörfern der Region eine Nachsorge für die kleinen Patienten an und gibt dabei auch Nahrungsmittelrationen aus.
So lange die kleinen Patienten stationär im Ernährungszentrum bleiben müssen, werden sie bis zu acht Mal täglich von ihren Müttern mit einer Spezialmilch gefüttert, die viele Kalorien und wenig Fett enthält und deshalb für den Körper besonders verträglich ist. Doch trotz der medizinischen Arbeit von Ärzte ohne Grenzen starb am Anfang des Einsatzes in Borno noch fast täglich ein Kind, da die Kleinen oftmals bereits in sehr kritischem Zustand waren, als sie in das Ernährungszentrum gebracht wurden.
Selbst jetzt, wo die Mitarbeiter versuchen, gefährdete Kinder früh einzuliefern, gibt es noch sehr schwere Fälle: Manches Zweijährige wiegt kaum drei Kilo - das ist weniger als ein europäisches Kind bei der Geburt. Um zu sehen, ob die Kinder im Ernährungszentrum "planmäßig" zunehmen, werden sie dort regelmäßig gewogen und gemessen.
Der Ernährungszustand eines Kindes kann auch durch die Messung seines Oberarmumfangs ermittelt werden, denn dieser ändert sich im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren nur wenig. Diesen einfachen und schnellen Test wenden die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen an, wenn in kurzer Zeit viele geschwächte Kinder untersucht werden müssen. Im Bild ist der Krankenpfleger Adrian Staam zu sehen, der gerade in einem Dorf den Ernährungszustand der Kinder überprüft.
Dass die Bevölkerung in Borno von Unterernährung betroffen ist, hat viele Ursachen: Neben einer mehrjährigen Dürre und einer Heuschreckenplage im vergangenen Jahr gibt es viele chronische Faktoren. Dazu zählen die alljährliche saisonale Nahrungsmittelknappheit, eine unausgewogene Ernährung und die oftmals zu kurze Zeit, die die Mütter ihre Kinder stillen. Zudem sind manche Kinder aufgrund der Masernepidemie zu Jahresbeginn zusätzlich geschwächt.
Für die Menschen in Borno wie auch für die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen ist die Zeit im Ernährungszentrum ein Wechselbad der Gefühle: ?Es gibt hier viel Trauer, denn nicht jedes Kind überlebt?, sagt Ton Koene. ?Doch zugleich herrscht große Erleichterung und Freude, sobald eines der Kleinen außer Lebensgefahr ist und kräftig zunimmt.?