Verhältnis zwischen Bernard Kouchner und Ärzte ohne Grenzen: Eine notwenige Klärung
Wenige Tage nach der Bestellung von Bernard Kouchner zum französischen Außenminister muss Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) feststellen, dass weitgehend Verwirrung herrscht über seinen derzeitigen Verantwortungsbereich und die Rolle, die er in humanitären Organisationen, darunter auch MSF, gespielt hat.
Diese Unklarheit, durch die politische und humanitäre Aktion vermischt werden, ist äußerst schädlich für unsere unparteiliche und unabhängige Hilfeleistung in den Krisengebieten, in manchen Konflikten kann sie sogar ausgesprochen gefährlich sein. Daher scheint es uns notwendig, Klarheit über die Beziehung zwischen Bernard Kouchner und Ärzte ohne Grenzen zu schaffen und unsere Unabhängigkeit gegenüber der französischen Regierung wie auch gegenüber allen anderen Machthabern zu betonen. Dazu einige Fakten:
- B. Kouchner zählte zu einer Gruppe von zwölf Ärzten und Journalisten, die 1971 Ärzte ohne Grenzen gegründet haben;
- B. Kouchner verließ Ärzte ohne Grenzen 1979 nach einem Richtungsstreit über die weitere Entwicklung und stärkere Professionalisierung der Organisation;
- Seit dieser Zeit hat Kouchner keinerlei Funktion oder Verantwortung innerhalb von Ärzte ohne Grenzen inne;
- Seit fast 30 Jahren hatten Ärzte ohne Grenzen und Bernard Kouchner wiederholt öffentliche Auseinandersetzungen über ihre Vorstellungen von humanitärer Hilfe, besonders über die Frage nach dem Recht von Staaten auf Einmischung und auf bewaffnete Interventionen für humanitäre Zwecke, für die Kouchner eintritt. Im Gegensatz dazu verteidigt Ärzte ohne Grenzen eine humanitäre Arbeit, die unparteilich und unabhängig von jeglicher politischen, wirtschaftlichen oder religiösen Macht ist.
- Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières ist keine französische sondern eine internationale Organisation, die aus 19 Sektionen besteht. Die Aktivitäten der französischen Sektion von Médecins Sans Frontières sind zu 99% aus privaten Quellen finanziert. Ärzte ohne Grenzen erhält keinerlei Mittel von der französischen Regierung.
Es könnte die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen schwer beeinträchtigen, würde sie fälschlicherweise als Teil der Außenpolitik der französischen Regierung wahrgenommen, vor allem in Konflikten, in denen Frankreich militärisch involviert ist, wie etwa in der Zentralafrikanischen Republik oder im Tschad.. Es liegt heute in der Verantwortung aller, insbesondere von Bernard Kouchner, die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen nicht mit jenen einer Regierung oder eines Regierungsvertreters in Zusammenhang zu bringen. Die Arbeit der Freiwilligen von Ärzte ohne Grenzen hat nur ein Ziel: Die Hilfe für Menschen in Not, ohne jegliche Diskriminierung.
