Wednesday, 23. May 2012 | 14:01 CEST

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Die Wiener Krankenschwester Ingrid Strasser, langjährige Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen, ist derzeit auf Einsatz im Südlibanon
Veröffentlicht am 22.08.2006
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"Von der Früh bis am Abend unterwegs"

Telefoninterview mit Ingrid Strasser in Jezzine, Libanon

Wo ist das Hauptgebiet Ihres Einsatzes?

Ich bin in Jezzine stationiert, 80 km südöstlich von Beirut. Von dort aus fahren wir jeden Tag in den Süden. Wir müssen viele Umwege machen, denn viele Orte sind total zerstört, die Brücken zerbombt.



Wir fahren mit drei Fahrzeugen im Konvoi, denn mit einem alleine wäre es zu gefährlich. Wenn wir losfahren, müssen wir Bleiwesten anziehen und den Helm aufsetzen, denn es geht direkt an der israelischen Grenze entlang. Gestern waren wir in Blida und Meis el Jaball, von dort gehen wir dann in die kleineren Dörfer und fragen, was die Spitäler brauchen. Oft sind es Decken, Medikamente und Treibstoff. Außerdem verteilen wir Waschbeutel, Seife und Zahnbürsten. Einige der Krankenhäuser die wir gesehen haben, sind zerstört, teilweise fehlt es an Wasser und Treibstoff. Sie können dann keine Menschen stationär aufnehmen und müssen sie wegschicken.

Wie sieht so ein Hilfskonvoi aus?

Wir haben die Autos voll mit Hilfsmaterial und sind damit von der Früh bis am Abend unterwegs. Wir haben auch eine mobile Klinik dabei, und unsere Ärztin macht Konsultationen wenn wir in ein Gebiet kommen wo sonst keine Versorgung ist. Normalerweise fahren wir aber von Ambulanz zu Ambulanz, von Klinik zu Klinik und sehen, was gebraucht wird. Man darf nicht vergessen, dass die Menschen im Libanon gut ausgebildet sind, das medizinische Niveau ist hier relativ hoch.

Gab es gefährliche Situationen?

Einmal haben meine Kollegen eine Explosion erlebt, allerdings nicht in nächster Nähe. In der Nacht habe ich auch einmal Explosionen gehört, aber im Großen und Ganzen ist es ruhig. Auf der Straße muss man sehr aufpassen, wo man hintritt. Man darf die Straße nicht verlassen, man sieht auch alles mögliche herumliegen und kann nie wissen, ob nicht etwas explodiert.

Wie sieht es insgesamt aus?

Die Aufräumarbeiten haben schon begonnen, es fahren bereits Lastwägen mit Schutt, sie sind zügig dabei, aufzuräumen.



Die Menschen kehren zurück. Viele der Zurückgekehrten rufen bei den Gastfamilien an und bedanken sich bei denen, die sie aufgenommen hatten, das finde ich ganz berührend. Wir reden viel mit den Menschen, wir verteilen auch unsere Hilfsgüter immer direkt an die Ärzte und die Personen, wo wir wissen, dass sie sie auch kostenlos an die richtigen Leute weitergeben.

Wie geht es Ihnen persönlich, warum arbeiten Sie in einem derartigen Krisengebiet?

Es geht mit gut, die Arbeit geht gut voran.


Warum ich das tue? Es ist für mich einfach ein Bedürfnis. Wenn ich zu hause in Österreich sitze und alles habe was ich brauche, gleichzeitig aber die Möglichkeit habe, hier zu helfen, dann muss ich es ganz einfach tun. Es ist sozusagen eine persönliche Notwendigkeit für mich, ich kann nicht wie die Made im Speck sitzen und anderswo könnte ich helfen. Darum habe ich mir auch Ärzte ohne Grenzen ausgesucht, denn die Organisation versucht immer, rasch in die Gebiete zu kommen, wo es wirklich notwendig ist.

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