Wednesday, 8. February 2012 | 16:40 CET

Veröffentlicht am 29.09.2005
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Afrikanische Einwanderer an der Spanisch-Marokkanischen Grenze: Jeder vierte Patient von Ärzte ohne Grenzen ist Gewaltopfer

Madrid / Rabat, 29. September 2005. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, die seit Anfang 2003 Einwanderer aus dem subsaharischen Afrika in Marokko betreut, stellt in einem soeben fertiggestellten Untersuchungsbericht fest, dass mit der Zahl der Neuankömmlinge auch das Maß an Gewalt steigt, das bei der Kontrolle der Immigration angewandt wird.

Medizinische Daten und Zeugenaussaugen der letzten 27 Monate belegen, dass etwa 25 Prozent der ärztlichen Behandlungen zwischen April 2003 und August 2005 auf direkte oder indirekte Gewaltanwendung zurückzuführen sind und nicht mit Krankheiten zusammenhängen, die durch die schwierigen Lebensumstände der Immigranten verursacht werden. Von insgesamt 10.232 Konsultationen, die Ärzte ohne Grenzen durchgeführt hat, waren 2.544 auf Gewalt zurückzuführen.

Den Aussagen der von Ärzte ohne Grenzen behandelten Gewaltopfer zufolge waren in 44 Prozent der Fälle marokkanische Polizeikräfte die Urheber, in 17 Prozent der Fälle Verbrecherbanden, in 18 Prozent der Fälle spanische Ordnungskräfte, in 12 Prozent der Fälle Schlepperbanden, in 2 Prozent der Fälle waren die Verletzungen durch Schlägereien unter den Einwanderern und in 7 Prozent der Fälle durch Unfälle verursacht. Die Verletzungen der Betroffenen reichen von schweren Knochenbrüchen, die sie sich beim Fall vom Grenzzaun zuziehen, über typische Spuren von Schlägen und Hundebissen bis hin zu Schussverletzungen. Es kam auch zu Todesfällen.

Ärzte ohne Grenzen ist bestürzt über diese Situation und unterstreicht, dass Gewaltanwendung und entwürdigende Behandlung das Leid und die Ausgrenzung von Menschen vergrößern, die sich auf der Suche nach einem besseren Leben ohnehin extremer Mittellosigkeit und nicht selten inhumanen Bedingungen aussetzen.

Ärzte ohne Grenzen versucht, durch medizinische und humanitäre Hilfe gemeinsam mit den spanischen Gesundheitsbehörden die Lebensbedingungen der Einwanderer zu verbessern. Derzeit konzentrieren sich die Aktivitäten der Organisation auf die Regionen Tanger, Nador und Oujda im Norden Marokkos.

Der ausführliche Untersuchungsbericht mit dem Titel "Violence et immigration - Rapport sur l'immigration d'origine subsaharienne (ISS) en situation irregulière au Maroc" steht auf Französisch zum Download bereit.

Presse