Wednesday, 23. May 2012 | 14:27 CEST

Veröffentlicht am 13.02.2007
Share |
A A

Ausgangssperre und Schließung des Flughafens erschweren Nothilfe in Guinea

Wien/Conakry, 13. Februar 2007. Seit Samstag, den 10. Februar, hat die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzenrund 355 Menschen behandelt, die während Protestkundgebungen und Kämpfen in Conakry und Gueckedou verletzt wurden. Die meisten Verletzten wurden durch Querschläger verwundet.

Nachdem vergangene Woche Pläne für neuerliche Protestkundgebungen bekannt geworden waren, bereitete sich Ärzte ohne Grenzen darauf vor, im Bedarfsfall medizinische Nothilfe zu leisten. Das Team traf im Matam Gesundheitszentrum in Conakry sowie im Gueckedou-Spital, wo Ärzte ohne Grenzenzwei HIV/Aids Programme betreibt, entsprechende Vorbereitungen.

Im Matam Gesundheitszentrum waren bereits zuvor Maßnahmen für den Notfall getroffen worden. Ärzte ohne Grenzen errichtete zwei zusätzliche Zelte, um mehr Verletzte behandeln zu können. Fünf medizinische Mitarbeiter unterstützten das Team zusätzlich. In diesem Gesundheitszentrum werden derzeit Menschen mit relativ leichten Verletzungen behandelt; schwer Verletzte werden an das Donka-Spital weitergeleitet, das aufgrund seiner Ausstattung auch komplexere chirurgische Eingriffe ermöglicht.

Im Donka-Spital in Conakry wurden seit Samstag, dem 10. Februar, über 275 Verwundete eingeliefert und behandelt. Außerdem sind hier bisher 37 auf die Unruhen zurückzuführende Todesfälle zu beklagen. Am Dienstagnachmittag befanden sich noch 60 der 111 Patienten im Spital. Das guinesische Personal wird von Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen unterstützt. Der Nachschub an Medikamenten und medizinischem Material für die Behandlung von Verwundeten ist sichergestellt, außerdem erhält das Spitals jetzt regelmäßig sauberes Trinkwasser. Ärzte ohne Grenzen unterstützt auch die Essensversorgung der Spitalspatienten. Doch Ambulanzen und andere Einsatzfahrzeuge können nur beschränkt eingesetzt werden, da die Behörden Spezialbewilligungen verlangen, für die ein langwieriges Verfahren durchlaufen werden muss. Ohne diese Spezialbewilligungen darf keine Nothilfe an Verwundete geleistet werden.

"Innerhalb von 24 Stunden wurden über 47 Verwundete mit Schussverletzungen in das Matam Gesundheitszentrum eingeliefert", sagt Sergion Martin, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen in Guinea. "Besonders beunruhigt uns das kürzlich ausgerufene Kriegsrecht,  mit dem auch eine Ausgangssperre verhängt wurde – ausgenommen davon ist nur die Zeit zwischen 16 und 20 Uhr. Wie sollen wir Patienten, die besondere Behandlungen benötigen, in andere Gesundheitseinrichtungen transportieren? Wir versuchen, eine Sondergenehmigung zu  erhalten, haben aber bis jetzt keine Zusage bekommen."

Auch in der Stadt Gueckedou nahe der liberianischen Grenze kam es gestern zu Protestkundgebungen und Gewaltausbrüchen. Sieben Verletzte wurden am Nachmittag in das lokale Krankenhaus eingeliefert.

Es ist nicht der erste medizinische Noteinsatz von Ärzte ohne Grenzen in Conakry. Vor weniger als einem Monat, während einer ersten Welle von Protestkundgebungen, versorgte  Ärzte ohne Grenzen das Matam Gesundheitszentrum mit chirurgischem Notfall-Material, ausreichend für die Behandlung von 300 Verletzungen, 320 Verbrennungen und Verbänden für 400 Wunden.

"Wir sorgen uns um die 1200 regulären Patienten in unserem HIV-Aids Projekt", fügt Martin hinzu. "Sie kommen regelmäßig zu unseren Gesundheitszentren, wo sie medizinisch betreut werden und gratis antiretrovirale Medikamente erhalten. Durch die momentane Unsicherheit und die Ausgangssperre werden sie nun daran gehindert zu uns zu kommen und können ihre Behandlung nicht fortsetzen. Die gesundheitliche Folgen könnten schwerwiegend sein."

Die Schließung des Flughafens in Concary macht es humanitären Hilfsorganisationen seit dem Wochenende nahezu unmöglich Notfallpersonal und Material nach Guinea zu bringen.

Presse