Wednesday, 23. May 2012 | 14:35 CEST

Veröffentlicht am 15.01.2009
Share |
A A

Gaza-Streifen: Medizinisches Personal kann nicht einreisen

Jerusalem/Gaza/Wien, 15. Jänner 2009. Trotz Erklärungen und Zusicherungen der israelischen Behörden hat sich die Sicherheitslage im Gazastreifen verschlechtert. Gravierende Hindernisse schränken eine Hilfeleistung der internationalen humanitären Organisationen, die die palästinensischen medizinischen Noteinrichtungen unterstützen wollen, massiv ein. Tausende Verletzte müssen versorgt werden. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) ruft die Konfliktparteien dazu auf, medizinisches Personal in den Gazastreifen einreisen zu lassen und ihnen die Arbeit dort zu ermöglichen, um der festsitzenden Zivilbevölkerung Hilfe leisten zu können.

Die Kampfhandlungen und Bombardierungen durch die israelische Armee im Gazastreifen machen es den Teams von Ärzte ohne Grenzen unmöglich, ein- oder auszureisen, auch wenn Genehmigungen von israelischen Behörden ausgestellt wurden. Die tägliche dreistündige Waffenruhe, die Israel angekündigt hat, wird nicht zur Gänze eingehalten. Da die Waffenpause außerdem nur Gaza City betrifft, besteht für humanitäre Helfer keine Möglichkeit, den Check point Erez im Norden des Gazastreifens sicher zu überqueren, den einzigen Übergang, der von den israelischen Behörden genehmigt wurde. MSF hat keine Genehmigung erhalten, den Kerem Shalom Check Point zu überqueren, der normalerweise verwendet wird, um Hilfsgüter über die Grenze zu bringen. MSF verurteilt diese Blockade und die Tatsache, dass die Organisation, wenn sie die Hilfe fortsetzen will, nur die Wahl hat, die Teams zu gefährden.

„Die Menschen im Gazastreifen können nicht flüchten und sitzen hier fest“ erklärt Franck Joncret, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen in den Palästinensischen Gebieten. „Es ist extrem wichtig, dass sie Hilfe von außen erreicht. Aber bis zum jetzigen Zeitpunkt sind die Risken sowohl für internationale als auch für palästinensische Hilfsorganisationen zu hoch, weshalb die Hilfe nicht entsprechend durchgeführt werden kann. Israel und die Hamas müssen ihre Verantwortung übernehmen und die Arbeit für humanitäre Organisationen erleichtern“ so Joncret weiter.

Während es in den Notaufnahmen der Krankenhäuser in Gaza an Chirurgen mangelt, steht ein chirurgisches Team von fünf MSF-Mitarbeitern seit einer Woche auf Stand-By in Jerusalem. Das Shifa Hospital in Gaza Stadt hatte die Unterstützung von MSF Personal und medizinische Materialien angefordert und verlässt sich seit mehr als zwei Wochen darauf.

„Wir stehen in ständigem Kontakt mit den Krankenhäusern in Gaza“, erklärt Cécile Barbou, der medizinische Koordinator von Ärzte ohne Grenzen im Gaza-Streifen. „Die Notaufnahmen und Intensivstationen sind vom Zustrom der Kranken und Verwundeten überfordert, besonders in der Nacht. Chirurgische Abteilungen arbeiten rund um die Uhr. Manchmal werden zwei Operationen in einem Operationssaal gleichzeitig durchgeführt. Das Personal ist erschöpft.“

Seit dem Beginn der israelischen Militäroperation am 27. Dezember, ist es sehr schwierig, Nothilfe zu leisten. Die Klinik von Ärzte ohne Grenzen in Gaza Stadt bleibt zwar geöffnet, es ist aber für die Menschen äußerst gefährlich, sich auf der Straße zu bewegen. Nur wenige können die medizinischen Einrichtungen erreichen. Einige der palästinensischen Teams von Ärzte ohne Grenzen sind mit Notfalls-Ausrüstungen ausgestattet. Damit können in den Wohngegenden der Teams Patienten zu Hause behandelt werden. Diese Teams haben in den letzten zwei Wochen bisher mehr als 270 Menschen behandelt. Aus MSF-Beständen wurden Medikamente und Materialien verteilt, um den Engpass in den Gesundheitseinrichtungen in Gaza zu mindern.
 
Zusätzlich ist eine Lieferung von 21 Tonnen medizinischen Hilfsgütern von Ärzte ohne Grenzen auf dem Weg. Die Lieferung beinhaltet Medikamente (Schmerzmittel, Betäubungsmittel und Antibiotika), medizinische und chirurgische Materialien und logistische Ausrüstung, darunter ein mobiles Krankenhaus mit zwei Operationssälen und einer 10-Bett-Intensivstation.

Die Konfliktparteien müssen humanitäre Helfer respektieren und sicheren Zugang zum Gaza-Streifen garantieren.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1989 im Gazastreifen tätig. Das Team besteht gegenwärtig aus drei internationalen und 70 palästinensischen Mitarbeitern. Davon sind 35 Mitarbeiter im medizinischen Bereich. Die regulären Hilfsprogrammen von Ärzte ohne Grenzen beinhalten post-operative Behandlung, Physiotherapie, Kinderheilkunde und psychosoziale sowie medizinische Unterstützung.

Weitere Informationen:Ärzte ohne Grenzen, Irene Jancsy, Tina Wolf, 01/409 72 76 - 28 bzw. - 59

 

Themen

Schlagworte

Presse