Wednesday, 23. May 2012 | 14:49 CEST

Veröffentlicht am 31.07.2007
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Kamerun: Kritische Ernährungslage bei Flüchtlingen aus der Zentralafrikanischen Republik

Seit über einem Jahr treffen Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik in Kamerun ein. Sterblichkeits- und Unterernährungsraten übersteigen das statistische Kriterium einer Notlage bei weitem. Médecins Sans Frontières / Ärzte ohne Grenzen (MSF) verteilt deshalb gezielt therapeutische Nahrung an die gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Der rasche Einsatz weiterer humanitärer Organisationen ist dringend notwendig.

Yaoundé/Wien, 31. Juli 2007. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR befinden sich rund 78.000 Personen aus der Zentralafrikanischen Republik auf der Flucht vor Bürgerkrieg und Gewalt. Diese Menschen sind in die Nachbarländer Tschad, Sudan und Kamerun geflüchtet. Seit dem Vorjahr haben mehr als 26.000 Menschen, die dem Nomadenstamm Bororo angehören, an 59 verschiedenen Orten entlang der Ostgrenze Kameruns Zuflucht gefunden. Nach einem Jahr ohne nennenswerte Unterstützung hat sich in den vergangenen Monaten der Gesundheitszustand dieser Flüchtlinge drastisch verschlechtert.

Die Resultate einer anthropometrischen Untersuchung in Gbiti in der Ost-Provinz zeigen ein erschütterndes Bild: Von 771 Kindern im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren sind 3,9 Prozent schwer unterernährt, 7,4 Prozent leiden an einer moderaten Unterernährung. Noch schlimmer sind die Resultate bei den Fünf- bis Zehnjährigen: 7,5 Prozent sind schwer unterernährt, weitere 16,3 Prozent moderat. Diese Zahlen spiegeln die schlechte Ernährungslage und die mangelnde Sicherheit dieser Bevölkerungsgruppen wider. Die hohe Sterblichkeitsrate verdeutlicht dieses Bild: In den Flüchtlingslagern rund um Ngaoui, Ndokayo und Gbiti werden täglich zwischen drei und sieben Todesfälle auf 10.000 Personen registriert. Damit wird das statistische Kriterium einer Notlage um das drei- bis siebenfache übertroffen. Dies verdeutlicht die alarmierende Lage und die große Not dieser Menschen.

"Die Ernährungslage dieser Bevölkerungsgruppen, die zu lange nicht wahrgenommen worden ist, hat nun sehr kritische Ausmaße erreicht", so Christian Captier, Generaldirektor von MSF Schweiz, anlässlich eines Besuchs.

Ärzte ohne Grenzenhat nun mit einer gezielten Nahrungsmittelverteilung auf diesen Missstand geantwortet. So wurden im östlichen Landesteil mehr als 12 Tonnen Nahrungsmittel an 2398 Empfängerinnen und Empfänger verteilt (Kinder unter zehn Jahren und ihre Mütter). MSF übernimmt in Zusammenarbeit mit dem kamerunischen Gesundheitsministerium die medizinische Betreuung der dringendsten Fälle. Gleichzeitig wartet Ärzte ohne Grenzen auf eine flächendeckende Nahrungsmittelverteilung, welche die Vereinten Nationen organisieren.

Ärzte ohne Grenzen ist über die Situation sehr beunruhigt und fordert die humanitären Organisationen dazu auf, den allzu lange vernachlässigten Bevölkerungsgruppen möglichst schnell medizinische Unterstützung und Nahrungsmittelhilfe zukommen zu lassen.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1984 in Kamerun tätig und arbeitet mit dem Gesundheitsministerium in zwei HIV-/Aids-Projekten in Yaoundé und Douala. Im Spital von Akonolinga arbeitet MSF zudem an der Behandlung der vernachlässigten Krankheit Buruli-Ulkus.

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