RSS

Facebook

Twitter

Donnerstag, 24. April 2014 | 09:12 CEST
Syrische Flüchtlinge im Libanon
Libanon, 07.02.2013: Ein syrischer Flüchtling trägt seine 2 Jahre alte Tochter durch ein behelfsmäßiges Flüchtlingslager bei Baalbek. Unhygienischen Bedingungen im Lager haben zu verschiedenen übertragbaren Erkrankungen geführt, insbesondere bei Kindern. Das Camp ist die Heimat von etwa 300 Menschen, die vor den Kampfhandlungen in Syrien geflohen sind.Foto: Michael Goldfarb/MSF
Veröffentlicht am 07.02.2013
A A
A A

Libanon: Hilfeleistungen decken die Bedürfnisse der wachsenden Zahl syrischer Flüchtlinge nicht ab

Eine neue Studie zeigt, dass die Hälfte der Flüchtlinge die benötigte medizinische Hilfe nicht erhält. Es müssen dringend Massnahmen getroffen werden, um die Unterkünfte zu verbessern und Neuankömmlingen Hilfe liefern zu können.

Wien/Beirut, 7. Februar 2013 – Die Syrer, die vor den heftigen Konflikten in ihrem Heimatland geflohen sind, um im Libanon Sicherheit zu finden, erhalten keine angemessene humanitäre Hilfe und leben unter prekären Bedingungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die heute von der medizinischen humanitären Organisation Médecins Sans Frontières / Ärzte ohne Grenzen (MSF) veröffentlicht wurde.

Der MSF-Bericht „Misery beyond the war zone“ (Elend jenseits des Kriegsgebietes) zeigt unter anderem auf, dass von den 220.000 Syrern, die bis jetzt im Libanon Zuflucht gesucht haben, viele nicht die nötige Gesundheitsversorgung erhalten. Die Studie enthüllt eine markante Verschlechterung der humanitären Situation im Libanon, grösstenteils wegen der Verzögerungen bei der Registrierung. Denn im Libanon, wo die Mehrheit der Flüchtlinge Zuflucht suchen, hängt der Anspruch auf formale Hilfe von der Registrierung ab.

Schwierigkeiten bei Registrierung behindern Zugang zu Hilfe

„Die Registrierung sollte keine Bedingung sein, um in einer Notsituation Hilfe zu erhalten“, warnt Bruno Jochum, Geschäftsführer der Schweizer Sektion von Ärzte ohne Grenzen. „Dennoch ist es so, dass der Zugang zu humanitärer Hilfe durch die Schwierigkeiten bei der Registrierung ernsthaft behindert wird. Die Lieferung der Hilfe muss beschleunigt und ausgedehnt werden“, betont er.

Syrische Flüchtlinge und andere Vertriebene im Libanon haben keinen Zugang zu freier Gesundheitsversorgung und angemessenen Unterkünften. Die Lebensbedingungen für die Mehrheit der Flüchtlinge und die libanesischen Heimkehrer bleiben prekär. Mehr als 50 Prozent der Menschen, die befragt wurden, sind in mangelhaften Einrichtungen wie Kollektivunterkünften, Bauernhöfen, Garagen, unfertigen Rohbauten oder alten Schulen untergebracht, ob sie nun registriert sind oder nicht. Die meisten dieser Unterkünfte bieten kaum oder gar keinen Schutz vor Kälte und Nässe. Diese unzumutbaren Lebensbedingungen tragen zur Verschlechterung der gesundheitlichen Situation bei.

Die Studie wurde im Dezember 2012 beendet und umfasste 2.100 syrische Flüchtlingsfamilien. 75 Prozent der Befragten leben unter Bedingungen, die der Härte des Winters nicht angepasst sind. Die Menschen, die vom Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR ) registriert wurden, haben ein Anrecht auf Gutscheine für Nahrung und Brennmaterialien und auf die Übernahme eines Teils ihrer Gesundheitskosten. Mehr als 40 Prozent der Befragten waren jedoch nicht offiziell registriert.

Verschlechterung der medizinischen Situation

„Wir sind in einer kritischen Situation: Wir haben nicht genug zu essen, und wissen nicht, an wen wir uns wenden können. Die einzige Nahrung, die wir erhalten, kommt von solidarischen libanesischen Nachbarn. Als Erwachsene können wir uns mit einer Mahlzeit pro Tag begnügen, aber von unseren Kindern können wir das nicht verlangen“, sagt ein Flüchtlingsvater. „Wenn wir nicht Angst vor den Bombardements in Homs hätten, würden wir sofort zurückkehren.“

Die medizinische Situation hat sich in den letzten sechs Monaten deutlich verschlechtert. Mehr als die Hälfte aller Interviewten (52 Prozent) kann sich die Behandlung chronischer Krankheiten nicht leisten, und nahezu ein Drittel musste eine Behandlung unterbrechen, weil die Weiterführung zu teuer war. Kinderimpfungen, rezeptpflichtige Medikamente, Betreuung von Frauen während der Schwangerschaft und Geburtshilfe sowie medizinische Grundversorgung sind oft ausser Reichweite.

Dringender Handlungsbedarf

Der Zugang zu medizinischer Versorgung für die verletzlichsten Bevölkerungsschichten erfordert allerhöchste Priorität und unverzügliches Handeln. Alle Flüchtlinge müssen bei ihrer Ankunft im Libanon umgehend Hilfe erhalten und Zugang zur Gesundheitsversorgung haben.

„Die Geldgeber müssen sich dazu verpflichten, das Notwendige zu tun, um den wachsenden Bedürfnissen der Flüchtlingsbevölkerung im Libanon zu begegnen. Nationale und internationale Akteure müssen die Methoden und das Ausmass der geleisteten Hilfe evaluieren“, so Jochum. „Ärzte ohne Grenzen ruft alle Behörden und Organisationen dazu auf, die Errichtung von Aufnahmezentren für Neuankömmlinge zu beschleunigen und umgehend zugängliche Kollektivunterkünfte zu schaffen, die den winterlichen Bedingungen standhalten können. Nur so kann dem zunehmenden Flüchtlingsstrom begegnet werden.“

Seit der Ankunft tausender syrischer Flüchtlinge, die seit November 2011 vor dem Konflikt in ihrem Land flüchten, hat Ärzte ohne Grenzen seine Aktivitäten ausgeweitet. Im Jahr 2012 hat MSF in der Bekaa-Ebene und in Tripolis mehr als 23.000 Behandlungen durchgeführt. Seit November 2012 hat MSF an die syrischen Flüchtlinge in der Bekaa-Ebene 25.580 lebensnotwendige Hilfsgüter verteilt. Mitte Januar 2013 hat MSF damit begonnen, an die Flüchtlinge Gutscheine für Brennmaterial zu verteilen. Ärzte ohne Grenzen hat seine Mitarbeiter von 50 auf 112 verdoppelt und baut seine Aktivitäten weiter aus.

Im Norden Syriens arbeitet MSF in drei Spitälern in Gebieten, die von bewaffneten Oppositionsgruppen kontrolliert werden. Medizinische Teams bieten Nothilfe und chirurgische Versorgung an. Zwischen Juni 2012 und Anfang Januar 2013 haben MSF-Teams über 10.000 Behandlungen und über 900 chirurgische Eingriffe durchgeführt. In angrenzenden Ländern wie Jordanien, dem Libanon und Irak unterstützt MSF zudem Flüchtlinge aus Syrien, Palästina und dem Irak mit medizinischer und chirurgischer Hilfe.

Bericht zum Download

Themen

Links & Dokumente

Schlagworte

Einsätze unterstützen

Jetzt spenden und Leben retten!

Presse