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Samstag, 23. August 2014 | 05:32 CEST
Pauktaw, Myanmar (Burma), 03.02.2013: Eine Ärztin behandelt ein Kind im Vertriebenenlager in Pauktaw Township.Foto: Kaung Htet
Veröffentlicht am 07.02.2013
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Myanmar: Humanitäre Notlage im Bundesstaat Rakhine

Yangon/Wien, 7. Februar 2013. Auch acht Monate nach dem Ausbruch tödlicher kommunaler Auseinandersetzungen im Bundesstaat Rakhine in Myanmar haben zehntausende Menschen immer noch keinen Zugang zu dringend benötigter medizinischer Versorgung, berichtet heute die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF). Die Organisation fordert die Behörden und die Gemeinde-Verantwortlichen auf, sicherzustellen, dass alle Menschen in Rakhine ohne Angst vor Gewalt, Missbrauch und Drangsalierung leben können und humanitäre Organisationen jenen helfen dürfen, die am meisten auf Hilfe angewiesen sind.

Gemeinden und Dorfgemeinschaften, die früher Seite an Seite lebten, sind seit den Gewalt-Ausbrüchen im vergangenen Juni und Oktober tief gespalten. Tausende haben ihr Dach über dem Kopf verloren und leben nun in behelfsmäßigen Unterkünften, abgeschnitten von Gesundheitsversorgung und ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser. Nach offiziellen Schätzungen gehört die überwiegende Mehrheit der Vertriebenen einer muslimischen Minderheit an, die häufig als Rohingya bezeichnet werden.

Menschen werden bedroht und eingeschüchtert

„Die dringendsten medizinischen Bedürfnisse haben wir bei den Menschen festgestellt, die in den provisorischen Lagern in Reisfeldern oder an anderen überfüllten Orten leben“, sagt Arjan Hehenkamp, Geschäftsführer der Ärzte ohne Grenzen-Einsatzzentrale in Amsterdam. „Die anhaltende Unsicherheit und wiederholte Drohungen und Einschüchterungen durch eine kleine, doch lautstarke Gruppe in Rakhine haben unsere Fähigkeit, lebensrettende medizinische Versorgung zu liefern, ernsthaft beeinflusst.“

Vertriebene berichten gegenüber Ärzte ohne Grenzen, wie hart das Leben in den Lagern ist: „Wir machen uns große Sorgen um unsere Frauen; wir haben mehr als 200 schwangere Frauen in unserem Lager. Für die Geburt können sie nicht in ein Gesundheitszentrum gehen, sie müssen hier entbinden-  im Schlamm und ohne Arzt! “, berichtet ein Mann in einem Vertriebenenlager in Pauktaw Township in Rakhine.

Schwieriger Zugang zu Trinkwasser

Die häufigsten Beschwerden, die bei den mehr als 10.000 medizinischen Behandlungen in den Lagern seit Oktober festgestellt wurden, sind Hautinfektionen, Würmer, chronischer Husten und Durchfallerkrankungen. Die Mangelernährungsraten schwanken, doch in mehreren Lagern haben Schnellerhebungen durch Ärzte ohne Grenzen alarmierende Zahlen akut mangelernährter Kinder gezeigt. Sauberes Wasser ist zwar oft vorhanden, doch wird den Vertriebenen mitunter der Zugang dazu verweigert. „Die einzige Trinkwasserstelle die wir haben, müssen wir mit dem Vieh eines nahegelegenen Dorfes teilen. Fünf Minuten von hier liegt ein Teich mit kristallklarem Wasser. Doch wir wagen es nicht dorthin zu gehen“, berichtet ein Mann in einem Vertriebenenlager in Pauktaw Township.

Medizinische Teams werden angefeindet

Währenddessen sehen sich die medizinischen Teams von Ärzte ohne Grenzen anhaltenden Drohungen und Anfeindungen ausgesetzt. In Flugblättern, Briefen und in Facebook-Postings haben einige Personen in Rakhine Ärzte ohne Grenzen und Anderen wiederholt vorgeworfen, pro-Rohingya zu sein. Diese Einschüchterungsversuche – und nicht die formelle Genehmigung, tätig zu sein – stellen für Ärzte ohne Grenzen die größte Herausforderung dar. Allerdings können die Behörden mehr tun, um klarzustellen, dass die Androhung von Gewalt gegenüber Gesundheitspersonal inakzeptabel ist.

„Unsere wiederholten Erklärungen, dass Ärzte ohne Grenzen nur versucht, jenen Menschen medizinische Hilfe zu bieten, die diese am dringendsten brauchen, sind nicht ausreichend, um den Anschuldigungen zuvorzukommen“, so Hehenkamp. „Wir fordern die Verantwortlichen der Gemeinden und die Behörden auf, mehr zu tun, um den Drohungen und Einschüchterungen entgegenzuwirken, so dass die humanitäre Hilfe jene erreichen kann, die dringend darauf angewiesen sind.“

Ärzte ohne Grenzen in Myanmar

Ärzte ohne Grenzen hat in den vergangenen Jahrzehnten Millionen Menschen weltweit eine medizinische Versorgung geboten, ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft – auch in Myanmar. In Myanmar bietet Ärzte ohne Grenzen mehr als 26.000 Menschen lebensrettende antiretrovirale Therapien gegen HIV/Aids und gehörte zu den ersten Hilfsorganisationen, die nach den Zyklonen Nargis und Giri medizinische Nothilfe bot, Hilfsgüter verteilte und Wasserquellen für Zehntausende Menschen reinigte. In Rakhine ist Ärzte ohne Grenzen seit zwanzig Jahren tätig und bietet neben Basis-Gesundheitsversorgung die Behandlung von HIV/Aids und Tuberkulose. Vor Juni 2012 führte Ärzte ohne Grenzen rund 500.000 medizinische Konsultationen jährlich durch. Seit 2005 hat die Organisation mehr als 1,2 Millionen Menschen aus allen ethnischen Gruppen in Rakhine gegen Malaria behandelt.

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