Nach dem gestrigen Großbrand im Auffanglager von Patras weitet Ärzte ohne Grenzen Hilfe aus
Athen/Patras, 22. Jänner 2009. Ein Feuer, das gestern in dem Migranten-Auffanglager in der Stadt Patras aus bisher unbekannter Ursache ausgebrochen ist, hat über ein Drittel der Anlage zerstört. Der Teil des Lagers, den Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) für medizinische Behandlungen und psychologische Betreuung genutzt hat – bisher wurden hier über 6.000 Behandlungen durchgeführt – brannte ebenfalls nieder.
"Es ist ein Glück, dass wir keine menschlichen Opfer zu beklagen haben," erklärt Giorgos Karagiannis, Einsatzleiter des MSF-Programms für undokumentierte Migranten in Griechenland. "Aber ein großer Teil der Anlage wurde völlig zerstört, daher haben die Migranten nun weder einen Schlafplatz noch Schutz vor dem Wetter."
Als Reaktion auf diese Notsituation hat das MSF-Team in Patras letzte Nacht gemeinsam mit dem Roten Kreuz und anderen lokalen Organisationen und Freiwilligen 450 Schlafsäcke verteilt. Außerdem wurde das aus zwei Ärzten, einem Logistiker und einem Psychologen bestehende Team, das in dem Auffanglager arbeitet, durch einen weiteren Logistiker unterstützt. Ärzte ohne Grenzen hat weiters ein Zelt aufgebaut, in dem das Team weiterhin medizinische und psychologische Behandlungen anbieten kann.
Im Juni 2008 schafften es die Migranten, ein ähnliches Feuer in dem Auffanglager zu löschen, da das MSF-Team an zentralen Orten Feuerlöscher platziert und den Bewohnern gezeigt hatte, wie diese eingesetzt werden. Dieses Mal war es jedoch unmöglich, das verheerende Feuer zu stoppen.
"Wir sind zutiefst beunruhigt über die kritische Lage dieser Flüchtlinge. Diese Menschen sind von sehr weit her in dieses Land gekommen. Sie sind geflohen, um zu überleben. Das gestrige Feuer hat sie noch verwundbarer gemacht. Die griechische Gesellschaft hat einmal mehr ihre Solidarität mit jenen Menschen gezeigt, die unsere Hilfe benötigen. Die Behörden müssen nun die notwendigen Maßnahmen treffen, um annehmbare Lebensbedingungen für die Migranten wiederherzustellen und ihnen ihre menschliche Würde zurückzugeben", betont Giorgos Karagiannis.
Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit Mai 2008 in dem Auffanglager für Migranten in Patras. Die Organisation hat bisher mehr als 6000 Behandlungen vor allem von Patienten mit Atemwegs- und Hauterkrankungen durchgeführt. Über 200 Personen haben in diesem Zeitraum psychosoziale Unterstützung erhalten, während 400 Patienten an lokale Spitäler überwiesen wurden.

