Wednesday, 23. May 2012 | 15:18 CEST

Veröffentlicht am 25.11.2008
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Vermeidbare Krise: Die antiretrovirale Therapie ist in Myanmar noch immer nicht ausreichend verbreitet

Durch den Mangel an lebensnotwendiger HIV/Aids-Behandlung sterben in Myanmar jährlich Tausende Menschen unnötig, konstatiert die internationale humanitäre Organisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) in einem heute erschienenen Bericht. Ärzte ohne Grenzen drängt die Regierung von Myanmar sowie internationale Organisationen, die antiretrovirale Therapie (ART) in Myanmar in größerem Umfang anzubieten, da die Hilfsorganisation nicht weiterhin allein die Hauptverantwortung für die Behandlung in einer der schlimmsten HIV-Krisen Asiens tragen kann.

Geschätzte 240.000 Menschen in Myanmar leben mit HIV/Aids. 76.000 von ihnen benötigen dringend eine antiretrovirale Behandlung, aber nur weniger als 20 Prozent erhalten diese tatsächlich. "Vergangenes Jahr starben zirka 25.000 Menschen an Krankheiten im Zusammenhang mit Aids. Eine ähnliche Zahl müssen wir für 2008 erwarten, wenn es nicht schnell zu einer Verbesserung im Zugang zur Behandlung kommt", erklärt Joe Belliveau, Einsatzverantwortlicher von Ärzte ohne Grenzen.

Gegenwärtig wird der Großteil der in dem Land verfügbaren ART (für mehr als 11.000 Patienten) von Ärzte ohne Grenzen bereitgestellt, während die Regierung von Myanmar und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) abseits von Ärzte ohne Grenzen in dieser Hinsicht relativ wenig tun. "Es ist inakzeptabel, dass eine einzige NGO die große Mehrheit aller HIV-Patienten in einer Krise dieses Ausmaßes behandeln muss. Es ist inakzeptabel, weil es völlig unzureichend ist. Wir können dem Bedarf alleine nicht gerecht werden. Deswegen fordern wir jene, die das könnten, dazu auf, Verantwortung zu übernehmen", so Belliveau. An die Grenzen der eigenen Möglichkeiten gelangt, musste Ärzte ohne Grenzen kürzlich die Zahl der neuen Patienten drastisch zu reduzieren. Eine schmerzliche Entscheidung, denn da es in Myanmar kaum andere Akteure gibt, die ART bereitstellen, können die meisten neuen Patienten heute nicht woanders hin zur Behandlung überwiesen werden. Einsatzverantwortlicher Belliveau: "Angesichts des derart großen nicht gedeckten Bedarfs fordern wir alle Akteure, allen voran die Regierung, dringend dazu auf, die Bereitstellung von ART auszudehnen."

Die Notwendigkeit das Behandlungsangebot auszuweiten ist offensichtlich. Dennoch herrscht ein Mangel an Investitionen innerhalb wie außerhalb des Landes. Im Jahr 2007 gab die Regierung von Myanmar nur 0.7 US Dollar pro Einwohner für Gesundheitsversorgung aus, für 2008 wurden dürftige 200.000 US Dollar für den Kampf gegen HIV/Aids bereitgestellt. Diese Summe steht in scharfem Kontrast zum Bedarf. Die Regierung von Myanmar hat bewiesen, dass HIV/Aids-Patienten im öffentlichen Gesundheitssektor behandelt werden können. Nun muss sie auch die notwendigen Mittel bereitstellen, um das unzureichende Behandlungsangebot auszudehnen.

Auch die internationale humanitäre Hilfe ist mit 3 US Dollar pro Einwohner sehr gering und zählt zu den niedrigsten Raten weltweit. Sie liegt signifikant unter den Beträgen, die benachbarte Länder mit Aids-Epidemien in vergleichbarem Ausmaß erhalten. Aus Sorge über die angemessene und effiziente Verwendung der Hilfe stellen die großen internationalen Geber nur wenige Ressourcen für Myanmar bereit. An den Folgen dieses Zögerns leiden letztlich die Menschen im Land. Ein 29 jähriger Patient in Myanmar beschreibt eindrücklich, warum mehr getan werden muss: "Es ist die Verantwortung aller, gegen diese Krankheit zu kämpfen. Alle - egal welche Nation, Organisation oder Regierung - müssen HIV-Patienten im Geiste der Humanität helfen".

Wenn die Arbeit in Myanmar auch herausfordernd sein kann - die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen hat gezeigt, dass es möglich ist, die lebensrettende HIV/Aids-Behandlung an die Patienten direkt auszugeben. Größeres Engagement von Seiten der Regierung und anderer internationaler Organisationen, ART schnell und großflächig zugänglich zu machen, ist überfällig. Um das unnötige Leiden und Sterben Tausender Menschen zu vermeiden, muss jetzt gehandelt werden.

MSF leistet seit 1993 in Myanmar Gesundheitsversorgung und startete 2003 ein integriertes Programm zur Unterstützung von Menschen mit HIV/Aids. Seit damals haben Mitarbeiter der Organisation in 23 Kliniken in fünf Regionen des Landes Tausende HIV-Patienten unterstützt. Die Leistungen beinhalten Beratung, Testen, Behandlung opportunistischer Infektionen, Ernährungsunterstützung, Gesundheitserziehung und vor allem antiretrovirale Behandlung.

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