Anna Deutsch10.09.2014

Welcome to Africa

0 Kommentare

„Welcome to Africa!“ hat mir meine Schwester, die seit drei Jahren in Ägypten lebt, letzte Woche geschrieben. Und was für ein Willkommen es war: mein Gepäck blieb beim Umsteigen natürlich in erstmal in Addis Ababa liegen

, das erste Wochenende wurde durchgearbeitet und meine Eindrücke von Juba beschränkten sich zunächst auf unsere Unterkunft, den Weg im Auto in die Arbeit und das Büro.


„Shopping“ am Markt: Bastelutensilien für Kinder und ihre Mütter © Anna Deutsch/MSF  

Nun, knapp über eine Woche nach meiner Ankunft hier im Südsudan, bekomme ich langsam das Gefühl, auch wirklich angekommen zu sein. Juba, mein Zuhause für die nächsten drei Monate, erscheint mir sehr zweigeteilt.

Zum einen die ständige Präsenz von Soldaten an den Straßenecken, der Plastikmüll am Straßenrand, die vielen nur halb fertiggestellten Gebäude, die halb verhungerten Hunde auf der Suche nach Essensresten und die Berichte von Auseinandersetzungen nur ein paar Bezirke nebenan.

Zum anderen die Hotels mit Frühstücksbuffet, Pool, Sauna, die Import-Supermärkte mit Nutella und französischem Wein und die Maniküre per Hausbesuch. Gutes Leben hat hier seinen Preis - einen, den sich allerdings meist nur ausländische MitarbeiterInnen leisten können, die hier für diverseste internationale Organisationen arbeiten.

Neben der Umgewöhnung von Wien nach Juba kämpfe ich in meiner Position als Administrator neben den typischen Herausforderungen eines neuen Jobs mit den südsudanesischen Eigenheiten – u.a. in Puncto Personal, Behörden und Arbeitsweisen. Jeden Tag wartet einen neue Überraschung schon gespannt auf mich. Bei unserem Projekt handelt es sich außerdem um einen Noteinsatz, daher verschwimmen Werktage, Feierabende und Wochenenden schon mal miteinander.


Mein erstes Barbecue hier, für das eine Ziege dran glauben musste… © Anna Deutsch/MSF

Doch dann sieht man wieder Fotos aus Malakal, Kodok oder Melut, wo der Boden wegen der Regenzeit eine riesige hellgraue Schlammdecke ist, wo Mütter täglich um ihre unterernährten Babies bangen, wo Menschen durch die Kämpfe zwischen Regierung und Opposition von ihrer Heimat vertrieben wurden und nun in Zeltstädten leben müssen und wo Cholera und Malaria ihre Tribute fordern.

Und zwischendrin die Bilder von lachenden, tanzenden, spielenden Kindern und dankbaren Eltern.

Dann weiß man wieder, warum man hier ist.


Weitere BloggerInnen im Südsudan:

Sonja Schleser, IEC-Verantwortliche in Malakal
Mario Thaler, Nothilfe-Koordinator in Bor

Kommentar verfassen

* Diese Angabe wird benötigt.

Teilen

Vervielfältigen

Mehr von Anna Deutsch