Antonia Zemp23.06.2016

Masern Ade!

2 Kommentare

Schon wieder ein Einsatz vorbei. Es geht alles so schnell.

Eigentlich gar nicht so schlecht: Ich hatte während des Einsatzes keine Zeit, um an einem neuen Blogeintrag zu schreiben – so hilft es mir nun, von zu Hause aus das Ganze nochmals von einem anderen Blickwinkel zu betrachten und zu verarbeiten. Nicht mitten im Strudel sein, einen Schritt zurück machen und einen Überblick gewinnen, das ist manchmal so schwierig, wenn du mitten im Einsatz steckst und manchmal nur noch Zeitlimits und Anforderungen siehst.

Aber jetzt mal von vorne…

Nach meinem Einsatz in Äthiopien habe ich erst mal Ferien gebraucht, um Seele und Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die verlorenen Kilos waren schnell wieder zurück und bald fühlte ich mich wieder „ready to go“. Als Mitarbeiterin im Notfall-„Pool“ ist es immer sehr spannend – und auch nervenaufreibend! – bis du endlich definitiv erfährst, wohin es als nächstes gehen soll, da Notfälle nun mal nicht geplant werden. So gab es Spekulationen über Angola und dem Jemen, bis ich schließlich in Sierra Leone gelandet bin, bereits zum zweiten Mal.

Wie auch in Äthiopien macht sich hier im Land eine Masernepidemie breit – in Sierra Leone eine extrem große Bedrohung, da das Gesundheitssystem des Landes nach der langen Ebolaepidemie sehr geschwächt ist. Ebola hat viele Leben von Menschen, die im Gesundheitswesen gearbeitet haben, gefordert. Wegen Ebola verringerte sich während der letzten 2 Jahre die routinemäßige Impfung von Kindern deutlcih, was natürlich enorme Folgen hat, wie wir an der Masernepidemie sehen.

Das Gesundheitsministerium hat eine nationale Impfkampagne organisiert und Ärzte ohne Grenzen soll die Kampagne in den Regionen unterstützen, die am schwierigsten zu erreichen sind – wo am meisten Logistik gebraucht wird. Ärzte ohne Grenzen sucht sich meistens die größten Herausforderung heraus… Mein Team und ich sind also ganz schön ins Schwitzen gekommen und das nicht nur wegen der heißen Außentemperaturen!

Eine der größten Herausforderungen ist die Gewährleistung der Kühlkette, da der Masern-Impfstoff stets zwischen 2-8˚C gelagert werden muss. In den Regionen, wo wir gearbeitet haben, ist Strom nicht selbstverständlich. Wir mussten also Tiefkühler und Kühlschränke mitsamt Stromgeneratoren quer durchs Land transportieren. Auch die bereits Wochen zuvor vorgefrorenen Icepacks für den Transport der Impfungen in kleinen Kühlboxen wurden von einem Ort zum nächsten verfrachtet und behandelt wie Gold, da sämtliche Impfungen davon abhängig sind.

Unsere Impfteams waren mit Autos, Motorrädern und zu Fuß unterwegs, da nicht selten die Wege zu den Dörfern durch Flüsse und über „einbrettrige“ nicht sehr vertrauensvolle Brücken ging.

Ärzte ohne Grenzen wird in Sierra Leone noch immer sehr stark mit Ebola in Verbindung gebracht. Die Menschen hatten daher teilweise Angst vor uns, da sie glaubten, wir brächten Ebola zurück. Dank unseren einheimischen Teams und der engen Zusammenarbeit mit den Dorfoberhäuptern konnten wir dem zum Glück gut entgegenwirken. Wenn der „Paramount Chief“ (das Oberhaupt) seinen Sohn unter Beobachtung der ganzen Dorfgemeinschaft von uns impfen ließ, war das Werbung par excellence und einer der wunderbaren, sehr berührenden Gänsehautmomente für mich.

Insgesamt waren 425 Mitarbeiter, 20 Autos, 80 Motorräder und ungefähr 100 Kühlboxen für 7 Tage im Einsatz. Und…

…WIR HABEN 65.000 KINDER GEIMPFT UND SOMIT LEBENSLÄNGLICH VOR EINER MASERNERKRANKUNG GESCHÜTZT!

Was für ein Gefühl. Unbeschreiblich. Und wie immer lässt das Resultat all den Stress, die durchgearbeiteten Nächte und auch einige harte Entscheidungsfindungen vergessen…

65.000 Kinder ohne Masern, kein Lohn könnte besser sein.

Kommentare

Reinhold
Antonia, Dein Engagement ist grossartig! Ich bewundere Dich. Die Arbeit von Msf verdient unsere Unterstützung.
Marga
Während man bei uns schon fast vergessen hat, wozu impfen eigentlich gut ist. Danke für euren Einsatz und die Einblicke per Blog!

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