Barbara Trattnig26.04.2016

Ein Kärntner Reindling im Südsudan

1 Kommentar

Es ist wieder mal Sonntag – und Sonntage sind ein wenig relaxter. Manchmal schafft man es, ein wenig zur Ruhe zu kommen oder länger zu schlafen und die vergangene Woche während meines Einsatzes hier in Melut Revue passieren zu lassen.

Zum Beispiel mein diesjähriges „Ostern der anderen Dimension“: Zu diesem Anlass habe ich ein wenig Kärntner Tradition in den Südsudan gebracht und einen Reindling gebacken! Zwar nicht mit allen Zutaten, aber ich habe mein Bestes gegeben. Zusätzlich haben wir ein Lamm über dem Feuer gegrillt und gemeinsam gegessen. Solche Tage sind für alle hier im Team ein wenig sentimental, weil jeder an seine Familie denkt, und man wird wehmütig, dass man nicht die Feiertage Zuhause verbringen kann. Aber man braucht sich nur den Grund, warum man hier ist, vor Augen zu führen – und  dann ist alles wieder gut!

Doch zurück an den Anfang: An Sonntagen merkt man, wie die Zeit vergeht. Auf der einen Seite denke ich mir: Wahnsinn, was ich alles in der Woche erlebt habe! Auf der anderen Seite wird mir aber auch manchmal bewusst, was ich nicht geschafft habe, und die To-do Liste ändert sich auch permanent. Die Prioritäten verschieben sich und Flexibilität ist gefordert.  Pläne sind gut, aber nicht immer so umsetzbar, wie ich oder das Team es will. So muss auch hin und wieder improvisiert werden – um Lösungen zu finden, muss man hier eben auch mit einfachen Mitteln Innovationen schaffen, aber wir machen aus dem, was wir haben, das Beste. Im Fokus stehen immer die Patientinnen und Patienten, damit sie die Behandlung erhalten, die sie benötigen.

Damit sie diese Behandlung erhalten können, müssen neben dem Personal auch die Medikamente zur Verfügung stehen – und da komme ich ins Spiel. Jeden Monat wird in der Apotheke eine Inventur gemacht, und alle drei Monate müssen alle Medikamente und in der Apotheke verfügbaren Materialien gezählt werden. Auf Grund dessen wird die Bestellung für die nächsten vier Monate gemacht. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass dies nicht so einfach ist, weil sehr viele Dinge berücksichtigt werden müssen: Wann laufen Produkte ab, wann ist die Malariazeit, sind genügend Medikamente für den Notfallplan da, sind die Medikamente für Tuberkulose und die HIV-Behandlung zur Verfügung, welche Medikamente wurden vermehrt benötigt in der letzten Zeit, ist medizinisches Material zum Austauschen vorrätig, und so weiter und so fort.

Die Inventur wird immer an den letzten Tagen des Monats gemacht. Ende März hatten mein Mitarbeiter und ich die Ehre, die komplette Inventur zu machen. Danach machte ich mich an die Kalkulation der Bestellung. Mit Hilfe eines Computerprogrammes wurde der durchschnittliche Verbrauch kalkuliert und ich musste begründen, wenn ich mehr von den Medikamente oder medizinischen Materialien benötigte. Dann ist die Bestellung fertig und sie wird nach Juba, die Hauptstadt des Südsudans, geschickt. Dann bleibt zu hoffen, dass auch alle Medikamente zur Verfügung stehen – wenn nicht, dann steht man vor einem Problem, das manchmal unlösbar scheint, aber vom Einsatz-Apotheker auch irgendwie gelöst wird. Doch handelt es sich auch um lebensnotwendige Medikamente, die aufgrund der komplizierten Regulierungen manchmal nur mit Verzögerungen geliefert werden können, bringt uns das in eine sehr hilflose Situation, die einem auch mal die Tränen in die Augen treibt. Denn man weiß, mit dem Medikament würde dem Menschen geholfen werden.

Doch neben der intensiven Arbeit sind auch Erholungspausen wichtig: Ungefähr alle sechs Wochen fliegen wir für vier Tage zur Erholung in die Hauptstadt Juba, um mal wirklich zur Ruhe zu kommen und auszuschlafen. Dies geschieht mit einem Flugzeug von Ärzte ohne Grenzen, mit dem auch die Medikamente und andere Dinge transportiert werden. Der Blick aus dem Flugzeug ist atemberaubend, weil man sich der Weite des Landes bewusst wird.

Diese Auszeit ist auch für das ganze Team ganz gut, weil diejenige Person in der Hauptstadt meist die Wunschliste im Supermarkt besorgt. Es sind die Kleinigkeiten, die uns glücklich machen: Müsli oder Joghurt, etc. Die Person ist dann der kleine „Nikolaus“ mit einem Sack voll guter Sachen, die uns ein Lächeln in die Gesichter zaubert :-)

Ich werde euch wieder auf dem Laufenden halten,
und bis bald aus dem heißen Südsudan!

Barbara

Kommentare

Ana
Liebe Barbara, ich finde es toll das ich einen Einblick in deinem Einsatz bekommen habe. Wie tapfer du bist. Gott segne dich und all jene die im Einsatz sind. LG

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