Barbara Trattnig20.07.2016

Gatsch, Gummistiefel und die Cholera-Challenge

1 Kommentar

Hallo!

Hier im Südsudan ist nun die Regenzeit eingekehrt: Dabei wechseln sich Regentage – manchmal den ganzen Tag oder die ganze Nacht – mit Tagen ohne Regen ab. Das Sprichwort „Regen bringt Segen“ hat sich bisher jedoch nicht bewahrheitet; eher: „Regen bringt Gatsch“. Mein Schuhwerk der Wahl sind derzeit Gummistiefel, und ich stapfe durch den Schlamm, um von A nach B zu kommen. Das betrifft natürlich auch die Qualität der Straßen: Es gibt zwar ein paar Kilometer Asphalt, aber der Rest ist bei Regen ein wirkliches Abenteuer. Da bleibt das Auto auch mal im Matsch stecken, und man freut sich, dass es Allrad gibt – und darf seine Geduld beweisen. Der Weg zum Flughafen zum Beispiel dauert dann nicht mehr 45 Minuten, sondern 90 Minuten oder auch mehr…

Wie ich schon im letzten Blog erzählt habe, hat sich unser Team und damit auch die Arbeitsaufteilung verändert. Ich wachse an meinen Aufgaben: Ende Mai hat die zweite Krankenschwester Sara uns verlassen – ich bin daher nun auch der Supervisor der Krankenschwestern und der Krankenhelfer im Krankenhaus, in der Tagesklinik und der Ambulanz. Das Krankenhaus hat einige Schwerpunkte, wir kümmern uns vor allem um mangelernährte Kinder sowie Betroffene von HIV, Tuberkulose und Kala Azar sowie um Notfälle. Das heißt, langweilig wird mir nicht so schnell!

Kürzlich haben wir hier auch eine Polio-Impfkampagne durchgeführt, und dabei konnte ich eine Menge für die bevorstehende Cholera-Aktion lernen. Wie versprochen hier nun die Details zu diesem Projekt, das wir erfolgreich hinter uns gebracht haben:

Cholera ist eine akute Magen-Darm-Infektion, die durch Bakterien verursacht wird und sich bei schlechten Lebensbedingungen sehr schnell verbreitet. Heftiger Durchfall und Erbrechen können schnell zu völliger Austrocknung und zum Tod der PatientInnen führen. Die Impfung ist neben der Versorgung mit sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen eine der wenigen präventiven Methoden, um einen Ausbruch von Cholera zu verhindern.

So eine Cholera-Impfaktion bedarf einiger wichtiger kleiner Schritte, die alle sehr wichtig sind und auf keinen Fall vergessen werden sollten. Nur so kann das Ganze ein Erfolg werden! Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, gab es auch einige Herausforderungen – wäre ja sonst langweilig...

Der erste Schritt ist nun, die Bevölkerung darüber zu informieren, was wir vorhaben. Alle Menschen im Alter im Alter von 1 bis 100+ waren inkludiert. Durchgeführt wurden die Impfungen in den beiden Vertriebenenlagern 1 und 2 sowie dem „Lager zum Schutz der Zivilbevölkerung“ in Melut; außerdem noch in einem Lager in Koradar, das bei trockener Straße eine Stunde Fahrzeit von Melut entfernt liegt.

Diese Cholera-Vorbeugung ist eine Schluckimpfung, die in zwei Runden stattfindet. Zwischen den beiden Runden müssen 14 Tage Abstand liegen – erst dann ist die komplette Impfung abgeschlossen.

Nachdem wir endlich die Impfdosen im Südsudan hatten, startet die so genannte Mobilisierung und Sensibilisierung der hier lebenden Bevölkerung: Wir informieren die Menschen, dass wir jetzt loslegen, wie wichtig diese Immunisierung ist, wo sie die Impfung bekommen können und wie das Procedere ist. Diesen sehr wichtigen Teil machen unsere Community Health Worker, von denen jeder mit einem Megaphon ausgestattet wurde. Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie laut es war!

Einen weiterer wichtiger Part ist die Logistik: Vom Aufbau der Zelte bis zur Frage, ob alle Materialien vorhanden sind? Wenn nicht, müssen diese noch beschafft  werden… und manchmal sind Dinge gar nicht so einfach, wie man annehmen möchte – zum Beispiel Trinkbecher zu organisieren, damit die Impfung nicht ausgespuckt wird. Auch Wasser, ausreichend Impfkarten & Co müssen bereit stehen. Die Schluckimpfung selbst wird in Kühlschränken gelagert; die Kühlkette muss bis zum Ende eingehalten werden – eine besondere „Challenge“ bei den hiesigen Temperaturen, die wir bewältigen konnten.

Nach vier Tagen war dann die erste Runde geschafft, und wir sind alle müde aber glücklich kurz zur Normalität zurückgekehrt. Währenddessen haben wir uns schon für die nächste Runde vorbereitet. Die vorhin erwähnte Mobilisierung ist für die zweite Runde sogar noch wichtiger als für die erste, weil die Menschen davon überzeugt werden müssen, auch zur zweiten Runde zu kommen. Der Geschmack der Impfung ist nämlich nicht besonders gut, daher musste von den Community Health Workers ordentlich Überzeugungsarbeit geleistet werden.

An jedem einzelnen Tag der Impfaktion bangten wir, ob es regnen würde. Doch wir hatten sehr viel Glück – kein einziger Tropfen, weder während der ersten noch der zweiten Runde! Wir konnten unser Glück gar nicht fassen und werkten drauf los.

Nach der gesamten Aktion brauchte das ganze Team mal wieder ein wenig Alltag und Routine – und die Zeit vergeht wie im Flug. Der monatliche Bericht ist zu verfassen, die Daten müssen elektronisch eingegeben werden, und so weiter und so fort.

Und während all dem ist auch schon das Ende meines sechsmonatigen Einsatzes in Reichweite, in vier Wochen geht es wieder nach Hause…

Bis dahin melde ich mich nochmals!

Eure Barbara

Kommentare

manu
hallo barbara, super gemacht!!!

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