Cornelia Welte24.11.2013

Die Herausforderungen einer Bootklinik (Teil 1)

4 Kommentare

Mein Tag beginnt meistens zwischen 4:20 und 5:20 Uhr morgens, je nachdem wie weit unser Klinikort weg ist. Meistens bin ich schon früher wach, weil ich entweder vom Regen aufwache, der auf unser Blechdach donnert; oder weil mir irgendwelche Dinge durch den Kopf schwirren... 

was ich noch zu organisieren oder welche Probleme ich noch zu lösen habe.

Wenn ich aus meinem Moskitonetz krieche, sprühe ich mich als aller erstes mit Moskitorepellent ein. Es schwärmt hier nur vor Mücken. Die Viecher sind eine Qual und egal mit wie viel Gift man sich auch einsprüht, man hat keine Chance einen Tag zu erleben, an dem man nicht gestochen wird.

Meine „drybag“ packe ich meistens schon am Abend davor. Jedes Bootmitglied hat eine wasserdichte Umhängetasche die essentiell ist, weil ohne die nichts trocken bleibt. Die ist vollgepackt mit Reservegewand, Regenmantel, Regen- bzw. Sonnenschirm, Schildkappe, Sonnenspray, Wasserflasche und ganz wichtig genügend zum Essen. In der Früh richte ich mir mein selbstgemachtes Joghurt mit Bananen und Äpfeln; zwei gekochte Eier mit zwei Scheiben Brot – von unserer Köchin täglich frisch gemacht! Nicht zu vergessen meinen Thermoskrug mit einem Päckchen Kakaopulver und eine Pomelo. Das Frühstück genieße ich dann in aller Ruhe und mit Traumkulisse auf dem Boot:


Conny Welte auf Einsatz als Leiterin einer Bootsklinik in Myanmar

Wenn mich mein Lieblingsfahrer frühmorgens abholt und mit einem „Good morning, Miss Conny“ begrüßt, fängt mein Tag schon einmal mit einem Lächeln an. Im Büro, ca. 10 Fahrminuten entfernt, warten die medizinischen Boxen auf uns. Wir sind eine mobile Klinik, die jeden Tag woanders hinfährt. Das heißt leider auch, dass wir jeden Tag alles, was wir dafür brauchen mitnehmen müssen. Das sind einige Boxen und Taschen, die das Team täglich ein paar Mal hin und her schleppt. Es gibt 3 Personen die täglich in der Pharmazie arbeiten um alle Medikamente zu zählen und die Boxen nachzufüllen. Ich hole die Boxen in der Früh im Büro ab und bringe sie zum Anlegesteg, wo das Team und Boot meistens schon auf mich warten.

Das Abenteuer beginnt da schon: Aus dem Auto raus und durch den Schlamm zum Holzsteg. Meistens sind zwei oder drei andere Boote an der Anlegestelle, das heißt dann dass man über die drüberklettern muss um zu unserem Boot zu gelangen. Um vom Holzsteg zum ersten Boot zu gelangen, muss man über ein wackeliges Holzbrett balancieren. Wenn man nicht schwindelfrei ist, ist das kein Spaß. Das Brett ist auch nicht immer horizontal, es kommt ganz auf den Wasserstand an. Manchmal muss man aufwärts oder im schlechtesten Fall sogar auch abwärts drüber gehen.

Wir machen das jeden Tag und sind das schon gewohnt, aber wenn es regnet und das Brett rutschig ist, muss man sich schon konzentrieren, damit man das andere Ende erreicht und nicht im Wasser oder Schlamm landet. Wenn man dann noch eine 10 kg schwere Box mitträgt, kann das zu einer Herausforderung werden. Da wird mir die Box dann schon einmal von einem meinem Teammitglied aus den Armen gerissen, das mir ja nichts passiert ;-)


Ein Balanceact: Mit dem “Drybag” und einer Kiste voller Medikamente über den Bootsteg zum Kliniktag.

Wenn wir eine dreistündige Bootsfahrt vor uns haben und daher früher als sonst losfahren ist es noch dunkel, wenn wir am Steg ankommen. Einer der Bootsmänner leuchtet uns dann mit der Taschenlampe, damit wir zumindest das Brett sehen.

In der Regenzeit regnet es fast ausnahmslos jeden Morgen. Manchmal schüttet es in Kübeln und es gibt Tage an denen man in der Früh schon nass wird, samt Regenmantel! Es gab so Momente, wo ich mich im Dunkeln, triefend nass bis zur Unterwäsche, im Schlamm stehend, gefragt habe, was ich da überhaupt mache. Aber zum Glück war die Antwort darauf bis jetzt noch immer ein kopfschüttelndes Lachen... und weiter geht’s!

Kommentare

Brigitte
Es ist schon beeindruckend was du da leistest!!Alles Gute für deinen Einsatz!
Leo Moor
Sehr geehrte Damen und Herren, ich hätte eine Frage: "wer in Deutschland, in einer sehr "spezielle" Lebenslage, seine Med.-Rechte nicht in Anspruch nehmen darf, kann oder darf bei Ihnen nach Hilfe suchen? Wie, wo? ... " Danke.
hanna.spegel
Sehr geehrter Herr Moor, Danke für Ihre Nachricht - wir bitten Sie allerdings um Verständnis, dass wir als humanitäre Nothilfeorganisation leider keine Einzelfallhilfe leisten können. Vielleicht kann in diesem Fall eines der MediBüros weiterhelfen (http://medibueros.m-bient.com/startseite.html) oder ein Standort der Diakonie (http://www.diakonisches-werk-wiesbaden.de/de/24000-Medizinische-Versorgung)? Alles Gute und mit freundlichen Grüßen, Hanna Spegel Ärzte ohne Grenzen Österreich
Dankl Adolf
Liebe Frau Conny Welt ! Ihr Bericht "Die Herausforderung einer Bootsklinik (Teil 1) hat mich derart berührt, daß mein monatlicher Beitrag von € 10,- sehr, sehr gering ist.Es ist schon beieindruckend was sie hier tagtäglich an Überwindung leisten. Wünsche Ihnen alles erdenklich Gute und weiterhin viel Kraft für die Zukunft. Schöne Grüße Adolf Dankl !

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