Cornelia Welte03.09.2013

Endlich in Asien

4 Kommentare

Endlich habe ich es geschafft, ich bin zum ersten Mal in Asien. Nach all meinen Einsätzen in Afrika gibt es für mich eine neue Welt und Kultur zu entdecken. Die nächsten 6 Monate werde ich in Myanmar – auch Burma genannt – verbringen. Das ist mein siebter Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen.

Jeder Einsatz ist ein Aufbruch in ein neues unbekanntes Abenteuer, und keiner mit dem anderen zu vergleichen. Jedes Mal wieder neue Aufgaben, Herausforderungen, Grenzerfahrungen... Und jedes Mal stelle ich mir wieder dieselben Fragen: Was wird wieder alles an Neuem auf mich zukommen? Bin ich all dem überhaupt gewachsen? Das alles werde ich bald herausfinden!

Formalitäten und knitterfreie Dollarscheine

Meine Reise führt mich ca. 20 Stunden von Wien über Amsterdam und Bangkok nach Yangon, der früheren Hauptstadt von Myanmar. Die jetzige Hauptstadt heißt Naypyidaw. Am Flughafen angekommen bin ich schon einmal erstaunt wie organisiert und sauber hier alles erscheint. Das Visum hatte ich in 5 Minuten – ohne Diskussionen. Ich hab ein Formular ausgefüllt, 50 US-Dollar (neuwertig und knitterfrei!) bezahlt und ein Passfoto überreicht. Ich kann kaum glauben wie schnell und problemlos das hier ist. In meinem letzten Einsatz im Südsudan hat es eine Stunde in Anspruch genommen, meine Daten in den Computer zu tippen und den Drucker zu betätigen. Die Geduldsprobe fängt da schon am Flughafen an.

Ganz wichtig ist, dass die 50 US-Dollar mindestens vom Jahr 2006 (und nicht älter) sind, und sie dürfen keinen Knick oder Flecken haben, sonst werden die Scheine gar nicht angenommen. Ich wusste gar nicht, wie schwer es ist, so einen sauberen Geldschein zu bekommen. Am Tag vor meinem Abflug bin ich in Wien von einer Bank zur nächsten gerannt. In der fünften Bank war ich dann endlich erfolgreich.

Ankunft in Yangon – es geht los…

Beim Anblick der vielen Früchtestände am Straßenrand auf der Fahrt vom Flughafen in das Büro von Ärzte ohne Grenzen konnte ich mir das Grinsen nur schwer verkneifen. Die Vorfreude aufs asiatische Essen war schon daheim riesig ;-)

Die ersten zwei Tage wurde ich in Yangon vollgepumpt mit Informationen, ein Briefing nach dem anderen. Es geht um Landeskunde, Sicherheit, politische Problematiken, medizinische Probleme, Kultur, Kommunikation, und vieles mehr.

In welchem Projekt ich genau arbeiten werde, konnte mir zu diesem Zeitpunkt noch niemand so genau sagen. Man bekommt zwar meistens im Vorfeld schon ein Job Profil, da werden die Aufgaben und das Projekt erklärt. Oft ist es aber so, dass sich das noch ändert. Am besten ist, wenn man nicht zu viele Erwartungen hat und es auf sich zukommen lässt.

Zum Glück kenne ich das alles schon von den letzten Einsätzen, weil es doch sehr oft so abläuft – der Plan wird ständig verändert, das ist normal in Emergency Einsätzen. Man lernt schnell bei Ärzte ohne Grenzen, dass man flexibel sein muss.

Mittlerweile habe ich schon gelernt, das alles etwas gelassener zu sehen, es kommt meistens anders als man denkt. Man bekommt immer sehr viele Infos, aber erst wenn man dann wirklich im Feld ist, versteht man, für was man verantwortlich ist und was man dann wirklich zu tun hat... und das dauert dann auch meistens noch eine Zeit lang, bis man den ganzen Kontext versteht.

Ca. 1,5 Flugstunden nordwestlich von Yangon werde ich die nächsten Monate als Boot Teamleader in Sittwe im Bezirk Rakhine verbringen. Was ich da genau zu tun habe, werde ich bei meinem nächsten Blog berichten!

Kommentare

Conny Welte
Liebe Almut, danke für die schoenen Grüße und netten Worte. Wenn du von Alter sprichst, muss ich grad an meinen Cholera Einsatz in Kamerun denken. Dort habe ich mit einer 67 jährigen Ärztin aus Australien zusammen gearbeitet. Eine unglaubliche Persoenlichkeit und Powerfrau. Sie hatte so viel Energie das ich mich manchmal alt gefühlt habe. Bei uns ist es nicht wichtig wie alt jemand ist, viel wichtiger ist die Einstellung und Persoenlichkeit. Fürs Medizinstudium ist es vielleicht ein bisschen zu spät, aber ein Einsatz würde sich noch leicht ausgehen... und MSF braucht nicht nur Mediziner. Danke das du für Ärzte ohne Grenzen spendest und es mir ermoeglichst den besten Job der Welt zu haben. DANKE! Liebe Grüße aus Myanmar. Conny
Conny Welte
Liebe Christine, danke für den ersten Kommentar auf meinem Blog. Es ist schoen von dir zu hoeren. Ich hatte meinen depremierendsten Tag seit ich hier bin (eine traurige Geschichte mit einer Patientin), dann habe ich zufällig am Abend deine Nachricht gelesen und hatte zumindest wieder ein Grinsen im Gesicht. Es tut immer gut nette Grüße von zu Hause zu bekommen. Aber vor allem wenn man einmal einen nicht so guten Tag hat. Dann freut man sich um so mehr, wenn man weiß, dass es irgendwo ganz weit weg jemanden gibt, der an einen denkt. DANKE. ... guter Tipp mit dem Bügeleisen, werd ich sicher mal ausprobieren. lg Conny
Christine Schmi...
Liebe Conny, deinen Blog habe ich gerade eher zufällig entdeckt… Es wird wohl nur nicht mir so gehen: Wenn man liest, wie Andere einen Einsatz mit allem Drum und Dran vorbereiten und erleben und man selber gerade nicht auf Einsatz gehen kann, wird man wehmütig (um nicht zu sagen etwas neidisch). Man ist aber auch ehrlich erfreut, dass liebe Kolleginnen all das, was sie einmal begonnen haben, mit echter Konsequenz durchziehen. Und man ist neugierig! Ich wünsch dir eine erfüllte, interessante Zeit ohne Gefahren in Myanmar! Sicher wirst du auch dort viel bewegen. Ja, deinen ersten Blog habe ich zufällig entdeckt. Auf deinen nächsten aber warte ich bereits jetzt mit Spannung! Lass dir nicht allzu viel Zeit damit! Sehr liebe Grüße aus dem Burgenland! Christine Ahja! Solltest du wieder einmal glatte Geldscheine brauchen, versuche es mit einem Bügeleisen... falls irgendwo eines aufzutreiben ist... ;-)
Almut Etz
Liebe Conny! Wenn ich solche Berichte lese, dann weiß ich es wieder einmal sicher: ich bin zu früh geboren! (Ich gehe gerade auf den 70er zu). Und dann habe ich auch noch das Falsche studiert. Also, wenn ich jetzt 18 wäre, dann würde ich 1. Medizin studieren und 2. mit Ärzte ohne Grenzen in vielen Ländern unterwegs sein. Weil das aber nicht mehr möglich ist, tue ich eben, was ich in meiner Situatuin noch tun kann: Ärzte ohe Grenzen finanziell regelmäßig unterstützen. Ist ja auch schon was. Aber danke, dass ihr Vielen stellvertretend das tut, was wir Alten nicht mehr tun können! Alles, alles Gute aus dem schönen Salzkammergut!

Kommentar verfassen

* Diese Angabe wird benötigt.

Teilen

Vervielfältigen

Mehr von Cornelia Welte