Cornelia Welte24.09.2013

Mit dem Boot am Golf von Bengalen

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Seit den ethnischen Ausschreitungen zwischen Rohinga (Moslems) und Rakhine (Buddhisten) im letzten Jahr gibt es tausende Menschen die geflüchtet sind und keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben. In manchen Camps ist Ärzte ohne Grenzen die einzige Organisation, die medizinische Hilfe anbietet. 

Mobile Kliniken in den Dörfern und Camps

Sittwe liegt im Nordwesten von Myanmar, am Golf von Bengalen. Ärzte ohne Grenzen hat drei Projekte hier: Es gibt einerseits das Sittwe Projekt mit einer fixen Klinik. Weiters gibt es das "Car Team", also mobile Kliniken, die mit Autos unterwegs sind. Andererseits sind viele Dörfer und Camps nur mit dem Boot erreichbar, daher gibt es auch ein "Boot Team", in dem ich arbeite. Mein Posten nennt sich "Boot Teamleader".

Mein Team besteht aus mehreren Personen: Ärzten, Krankenpflegern, Hebammen, psychologischen Betreuern, Pharmazeuten sowie Trainern für lokales Gesundheitspersonal. Alle in meinem Team sind so genannte „Inpats“, das heißt, sie sind keine lokalen Angestellten, sondern kommen aufgrund des Konfliktes aus anderen Regionen des Landes.

Zurzeit haben wir eine  Handvoll verschiedener Orte, die wir wöchentlich bzw. alle zwei Wochen besuchen. Alle Camps sind unterschiedlich groß, das kleinste hat ca. 1.000 BewohnerInnen, das größte über 14.000. Die Gegenden sind alle sehr unterschiedlich, was jeden Kliniktag für mich sehr speziell macht.

Medizinische Hilfe mit dem Motorboot

Wir haben einige Boote gemietet. Das größere Boot wird vom medizinischen Team verwendet und ist so fast täglich im Golf von Bengalen unterwegs:


Mit dem Boot am Golf von Bengalen (c) Conny Welte / MSF

Es gibt dann noch weitere Boote mit kleinerer, die hauptsächlich von unserem Logistiker und Watsan (kurz für "Water und Sanitation") Team verwendet werden. An manchen Tagen teilen wir das medizinische Team und verwenden dann auch eines der anderen Boote. Fast immer haben wir bei unseren Trips auch noch ein oder zwei kleine Motorboote im Schlepptau. Wenn der Wasserstand das große Boot zu niedrig ist, steigen wir ins kleine Motorboot um, das uns dann an Land bringt.

Ich bin für die Planung zuständig, an welchem Tag wir wohin fahren. Jede Woche gibt es ein Treffen mit dem gesamten Boot Team, wo dann auch die Wettervorhersage für die kommende Woche und auch Ebbe und Flut in bestimmten Regionen besprochen werden; ob es überhaupt möglich, ist am geplanten Tag dort hinzukommen. Während der Woche gibt es aber auch laufend Planänderungen. Da wir uns gerade in der Regenzeit befinden, werden auch einmal Kliniktage abgesagt, weil es aufgrund von Wind- und Wetterverhältnissen einfach zu gefährlich wäre mit dem Boot raus zufahren. In solchen Fällen muss man dann in letzter Minute alles abblasen. Dieser Tag wird dann irgendwie versucht nachzuholen, indem man zum Beispiel an einem anderen Tag zwei kleinere Teams wegschickt und zwei Kliniken macht. Das heißt dann aber natürlich auch, dass wir nicht so viele PatientInnen sehen können, wenn man dann nur das halbe Team hat. Es ist manchmal nicht so einfach zu entscheiden, welches Camp Priorität haben soll. Logistisch ist das Ganze aber auch immer mit viel Organisation verbunden, weil einige Leute in den ganzen Prozess involviert sind. Das heißt dann auch, sehr viel zu telefonieren und SMS zu schreiben.

... kein Tag ähnelt dem anderen

Dieser Einsatz ist so ganz anders als alle meine vorherigen. Was mir in diesem speziell so gut gefällt, ist, dass kein Tag dem anderen ähnelt. Ich hatte schon Projekte, wo ich mich wie in einer Luftblase gefühlt habe; wochenlang nur zwischen Krankenhaus und Schlafplatz gependelt bin und nichts um mich herum mitbekommen habe. Hier ist das anders. Ich komme viel herum mit dem Boot und vor allem landschaftlich ist dieses Land ein Traum. Ich erlebe ein Abenteuer nach dem anderen und langweilig wird mir hier ganz bestimmt nicht.

Kommentare

Conny Welte
Liebe Gerda, danke für die Nachfrage nach meiner Gesundheit. Mir gehts meistens sehr gut, abgesehen von nem Husten oder Schnupfen hin und wieder, was aber nicht zu vermeiden ist, wenn man täglich auf dem Boot ist und man an manchen Tagen Stunden durchnässt verbringt. Aber das sind nur Kleinigkeiten, wenn man sieht, unter welchen Umständen die Menschen hier zum Teil leben. Liebe Grüße in die Heimat. Conny
Gerda Stark
Liebe Conny, ich habe deine Berichte gelesen und: Ich ziehe meinen Hut vor dir - meine Hochachtung. Ich bin auch sehr sozial eingestellt....aber ich kann in medizinischer Hinsicht keine Hilfestellung leisten, da ich nicht die Ausbildung habe. Eine Frage hätte ich an dich: Wie geht es dir denn gesundheitlich? Bist du nie krank? Du bist ja in diesen tropischen Ländern unterwegs.....weiterhin VIEL STÄRKE und ENERGIE. Danke, dass du dich so einsetzt. Liebe Grüsse Gerda

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