Cornelia Welte08.10.2013

Regenzeit heißt Schimmelzeit

2 Kommentare

Seit Juli 2013 ist die Vorarlbergerin Conny Welte auf ihrem bereits 7. Einsatz: Sie arbeitet derzeit für Ärzte ohne Grenzen in Myanmar (Burma) im Bundesstaat Rakhine. Dort betreut sie als Leiterin eines mobilen Einsatzteams Menschen in den Slums außerhalb der Stadt Sittwe, die nur mit dem Boot zu erreichen sind. Sittwe soll anscheinend die zweit-nasseste Region der Erde sein, und was das bedeutet erlebe ich im Augenblick gerade hautnah. Seit ich hier bin regnet es und regnet und regnet... und es hört einfach nicht mehr auf.

Ich habe schon ein paar Regenzeiten in Afrika miterlebt wo ich mir gedacht habe, wow, es regnet ordentlich. Aber seit ich in Asien bin, weiß ich, was eine richtige Regenzeit ist. Wenn es mal so richtig losgeht, hört es einfach nicht mehr auf. Es kann Tage und Nächte durchregnen – dann wird es kurz ein bisschen weniger und weckt damit die Hoffnung, dass es vielleicht aufhört. Aber meistens geht es dann schnell wieder Vollgas weiter. Manchmal schaue ich zum Himmel und frage mich, wo das ganze Wasser denn überhaupt herkommt. Es muss doch irgendwann einmal aufhören.

Mein Zimmer bzw. Dach ist leider nicht ganz frei von Löchern. Wenn es ordentlich regnet, ist mein Bett nass und ich habe eine Wasserlache im Zimmer. Damit ich wenigstens nicht bei jedem Regen (also jede Nacht!) nass werde, habe ich eine Decke über mein Bett gespannt. Jetzt tropft es nur noch manchmal auf mein Bett. In der Nacht wache ich meistens auf, wenn es losgeht, weil der Regen, der aufs Blechdach donnert so unglaublich laut ist.

Regen heißt aber leider auch Schimmelalarm. ALLES fängt an zu schimmeln. Angefangen von meinem Kissen, Geldtasche, Kameratasche, Ladegerät, Rucksack, Waldviertler Schuhe... nichts bleibt verschont. Das ganze Zimmer muffelt. Vom Gewand ganz zu schweigen. Es braucht mindestens 2 bis 3 Tage um zu trocknen, aber während es trocknet fängt es schon wieder an zu schimmeln. Es ist ein ewiger Teufelskreis. Ganz trocken wird eigentlich nichts so richtig. Den Sonntagmorgen verbringe ich damit, meine Sachen von Schimmel zu säubern – ich will manchmal gar nicht in die Plastikschachteln schauen, in denen ich meine Sachen habe. Die Devise lautet Trockenputzen, also mit einer Bürste den Schimmel abzuschrubben. Die Sachen mit Wasser und Seife zu waschen wäre absolut verkehrt, jeder Tropfen Wasser heißt nur noch schnellerer und noch mehr Schimmel. Die Hälfte meines kleinen Hab und Guts, das ich dabei habe, ist schon der Schimmelattacke zum Opfer gefallen. Hoffentlich fange ich nicht bald an zu schimmeln.

Ich freue mich schon auf die Trockenzeit, aber dann werde ich ganz bestimmt auch wieder jammern, weil es zu heiß ist ;-)

Kommentare

Christine Schmi...
Na, liebe Conny, kannst du inzwischen bereits über die große Hitze jammern? Oder ist es noch immer der Schimmel, der dich auf Trab hält? Aber Scherz beiseite! Du hast es NICHT einfach! Und trotzdem schaffst du es, all diese Schwierigkeiten auf eine Art zu erzählen, die einem fast ein Lächeln entlocken. Das ist wohl die beste Art, mit den unabänderlichen Gegebenheiten umzugehen. Trotzdem: Pass auf dich auf! Schimmelpilzbefall in Wohnungen ist „hierzuande“ nicht selten ein Fall für den Volksanwalt. Ich weiß, dass das bei „dirzulande“ lachhaft klingen muss. Wir leben halt in einer anderen Welt… in einer, in der wir nur allzu gerne unzufrieden sind… Ein weiters Problem für dich kann ich mir auch vorstellen (ich hoffe, dass es nicht so ist): Wo viel Wasser ist, gibt es auch viele Gelsen. Sicher schützt du dich ausreichend. Eine Malaria kannst du jetzt wohl sicher nicht brauchen. Bitte sei vorsichtig und schlucke brav deine kleinen Tabletten! Liebe Conny! Behalte weiter deine Zuversicht, erfreu dich an den Schönheiten dieses fernen Landes – und vor allem: Fang nicht an zu schimmeln!!! ;-) Sehr liebe Grüße von daheim! Christine
Christine Schmi...
Liebe Conny, wo bist du??? Muss man sich langsam Sorgen um dich machen? Oder ist es (hoffentlich!) nur die mangelnde Gelegenheit, die dich am Schreiben hindert? Pass auf dich auf und schicke vielleicht wieder einmal ein kleines Zeichen! Liebe Grüße vom nebeligen Daheim! Christine

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