Eleonore Bauer18.04.2016

Die hohe Kunst der Motivation

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Mittlerweile hat sich hier in Berbérati in der Zentralafrikanischen Republik die Regenzeit mit den ersten sehr heftigen, fast stürmischen Regenfällen angekündigt. Wenn es in circa einem Monat wirklich so weit sein wird, wird es jeden Tag mehrere Stunden regnen. Nach all dem, was schon die ersten Gewitter angerichtet haben – aufgeweichte Straßen, in sich zusammenfallende Hütten und andere Wohnkonstruktionen, fliegende Einzelteile, die schlussendlich irgendwo oder auf irgendwem landen und nicht zuletzt eine rasante Vermehrung der Malaria übertragenden Moskitos – bin ich gespannt, was sich während der „echten“ Regenzeit abspielen wird. Im Moment genieße ich persönlich die Regenfälle sehr, da sie Abkühlung bringen und es sehr gemütlich ist, wenn der Regen abends oder in der Nacht aufs Blechdach prasselt. Unter Tags ist es natürlich nicht so praktisch, da man selbst für den 5-minütigen Weg zum Spital immer ein Auto braucht.

Auch sonst gibt es immer wieder Abwechslung und Neuigkeiten im Projekt, seit einer Woche ist eine Kollegin aus der Personal-Abteilung da, die sich um individuelle Weiterbildung unseres Personals kümmert. Das bedeutet, dass wir gemeinsam überlegen, wem warum wann wo welche Fortbildung nützen könnte. Dabei geht es hauptsächlich um diejenigen einheimischen Mitarbeiter, die schon länger für Ärzte ohne Grenzen arbeiten und bereits gut sind, aber noch besser werden oder mehr Verantwortung im Projekt übernehmen könnten. Ärzte ohne Grenzen organisiert und bezahlt dann die entsprechenden Fortbildungen (Management, Informatik oder die jeweiligen Fachgebiete) vor Ort oder anderswo. Da das Ausbildungsniveau hier in der Zentralafrikanischen Republik generell sehr niedrig ist, ist es nicht leicht, qualifizierte Leute zu finden – und umso wichtiger, die gut ausgebildeten weiter zu fördern und zu motivieren.

Apropos Motivation: Nachdem ich von einer erfahrenen Kollegin letztens den Tipp bekam, durchaus auch nachts unangekündigte Besuche im Spital zu machen, tauchte ich letzte Woche um 23 Uhr dort auf. Positiv überrascht war ich davon, dass fast alle Moskitonetze heruntergelassen waren und benützt wurden. Auch ist es wichtig, sicherzustellen, dass die diensthabenden „Assistantes nutritionnels“ in der Krankengeschichte alle Milch- oder Plumpy-Nut-Mahlzeiten (die therapeutische Fertignahrung) korrekt eintragen. Die Nahrung wird 3-stündlich verteilt und jeweils danach dokumentiert, ob die Kinder sie problemlos und gänzlich zu sich genommen, oder verweigert oder erbrochen haben. Das ist bei dem oft sehr labilen Zustand der Kinder wichtig, um Unterzuckerung oder Deshydratation zu vermeiden oder zumindest rechtzeitig zu korrigieren. All das zählt hier zu meinen Aufgaben, um die bestmögliche Qualität der Pflege für unsere Patienten zu ermöglichen und auftretende Fehler oder Unklarheiten zu klären. In manchen Bereichen gibt es natürlich noch Luft nach oben – auch in meinem prinzipiell sehr motivierten und aufgeschlossenen Team. Zu diesem Team zählt auch meine Kollegin Tania, eine immer fröhliche und sehr verlässliche (!) Pflegehelferin, hier gerade bei der Vitalzeichenkontrolle:

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