Esther Asch22.06.2018

Das Krankenhaus auf dem Hügel

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Esther Asch war in einem Flüchtlingslager für Rohingya in Cox’s Bazar in Bangladesch und hat dort ein Labor aufgebaut  - in dem vielbeschriebenen „Krankenhaus am Hügel“.  Drei Monate lang war die Tirolerin dort für Ärzte ohne Grenzen im Einsatz und wird – nach einer kurzen Pause – ein weiteres Mal an ihrem Arbeitsplatz im Camp zurückkehren.

Die Zeit hier in Bangladesch vergeht wie im Flug. In etwas mehr als einer Woche werde ich bereits auf dem Weg zurück nach Wien sein. Heute ist Freitag, unser freier Tag, und ich nutze die Zeit, um gemütlich bei Kaffee und Mango-Früchten ein paar Dokumente abzuschließen, ein wenig zu tratschen und endlich wieder einmal einen kleinen Gruß nach Wien zu senden. Das neue Krankenhaus ist nun seit fast zwei Monaten in Betrieb und langsam werden die Abläufe stabiler und auch klarer für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen – die internationalen sowie nationalen.

Natürlich steht die nächste große Herausforderung bereits vor der Tür: Der Monsun. Momentan regnet es in der Region, in der sich das Flüchtlingslager befindet, nur von Zeit zu Zeit und richtig heftige Regengüsse sind bisher ausgeblieben. Aber bereits jetzt zeigt sich die immense, negative Auswirkung von Wasser und Wind auf die armseligen Behausungen der Menschen und auf die Mobilität innerhalb des Camps. Für das Krankenhaus werden Pläne erstellt, um sicher zu stellen, dass auch bei stark eingeschränkter Erreichbarkeit der Betrieb aufrechterhalten werden kann.

Das Labor ist leider noch immer nur sehr einfach ausgestattet, da das gesamte Equipment und die Reagenzien noch nicht aus Frankreich angekommen sind. Letzte Woche haben wir die erste Bluttransfusion durchgeführt - mit Erfolg. Der kleine Patient war ein nur sechs Monate altes Baby, mit massiver Unterernährung. Das Kind wog zwei Kilogramm und hatte Gerinnungsstörungen - 20ml Blut retteten sein Leben.

Und noch eine schöne Nachricht: Der Logistiker vom Krankenhausbau hat initiiert, das am Krankenhausgelände Bäume und Blumen gepflanzt werden. Er war bei einem Gärtner und hat Fotos von mehr als 50 verschiedenen Pflanzen gemacht und alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die wollten, konnte Pflanzen auswählen und kaufen. Mittlerweile sind all diese Pflanzen eingesetzt, gedeihen trotz Hitze und spärlichen Regens. Sie erfreuen das Auge mit saftigem Grün, dem einen oder anderen kräftigen Farbklecks und in ein bis zwei Jahren wird auch der eine oder andere Baum groß genug sein, um Schatten zu spenden.

Ärzte ohne Grenzen hat im Flüchtlingslager Kutupalong-Balukhali, in dem etwa 700.000 Rohingya Zuflucht gesucht haben, ein neues Krankenhaus eröffnet. Es steht auf einem der Hügel, die die Landschaft von Cox’s Bazar formen. Der Bau des „Krankenhauses auf dem Hügel“ begann Anfang Februar 2018 und dauerte zwei Monate. Das Krankenhaus mit einer Kapazität von 100 Betten wurde als Reaktion auf die massive Ankunft von Rohingya-Flüchtlingen seit dem 25. August 2017 errichtet.

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