Irene Breitschopf24.03.2017

Wer braucht wo welche Medikamente - und wie viele?

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Reiten, Reisen, Rennrad fahren: Die sportliche Pharmazeutin Irene Breitschopf aus Oberösterreich hat viele Hobbies. Wenig überraschend ist daher auch bei ihren Hilfseinsätzen mit Ärzte ohne Grenzen stets eine Yogamatte mit im Gepäck. Bei ihrem ersten Einsatz in der Zentralafrikanischen Republik hat sie den ersten Kulturschock bereits überwunden und lebt sich als Verantwortliche für die lokalen Apotheken in den Alltag ein:

Bonjour à tous!

Bin jetzt seit vier Wochen in der Zentralafrikanischen Republik und habe mich auch schon ganz gut eingelebt. Am ersten Tag hatte ich einen kleinen Kulturschock, das Land zählt wirklich zu den ärmsten der Welt…

Eigentlich bin ich in der Hauptstadt Bangui im Koordinationsbüro tätig, war aber gleich in meiner ersten Woche in Berbérati unser Spitalsprojekt besuchen und kennenlernen – und bin auch jetzt seit eineinhalb Wochen hier. Es macht für den Anfang einfach mehr Sinn, hier die Abläufe zu sehen und zu verstehen. Wir betreuen in diesem Krankenhaus die Pädiatrie, Neonatologie, eine Station für mangelernährte Kinder und eine Ambulanz. Außerdem arbeiten wir in drei ländlichen Gesundheitszentren. Der Fokus liegt auf Mutter-Kind-Gesundheit, inklusive reproduktiver Gesundheit, Geburtshilfe und kinderärztlicher Betreuung, deshalb sind hier vor allem Hebammen tätig. Es ist wirklich ein Erlebnis für mich, hier alles kennen zu lernen, und vor allem auch die kleinen Patienten zu sehen.

Berbérati ist die zweitgrößte "Stadt" des Landes, wirkt jedoch nur wie ein Dorf. Der Lebensstandard ist sehr, sehr niedrig, und auch das Niveau hinsichtlich Hygiene oder Ausbildung leider sehr gering. Alles ist voll mit roter Erde, Sand und Staub. Die einzige asphaltierte Straße ist die Landebahn des Flughafens, und der ist nur winzig. Aber ich fühle mich wohl und habe mich rasch an die Gegebenheiten gewöhnt, darunter auch Latrinen, „Eimerdusche“, keine Milchprodukte… dafür immer wieder Mal ein Feierabend-Bier :-) Auch mit den 38°C, der extrem hohen Luftfeuchtigkeit und gefühlten 1.000 Moskitos am Abend habe ich mich mittlerweile arrangiert.

Beide Teams, sowohl in Bangui als auch Berbérati, sind wirklich nett! Es sind viele verschiedene Nationen vertreten: Kongo, französische Schweiz, Frankreich, Australien, Elfenbeinküste, Kolumbien, Brasilien, Kanada, Niger, Madagaskar... Es ist für mich schon noch schwer, mich mit meinem Französisch mich aktiv einzubringen, aber sie sprechen mir alle Mut zu – das wird schon werden. Im Projekt sind wir ca. 15 internationale Einsatzkräfte, in Bangui rund zehn.

Ihr fragt euch jetzt sicher: Was genau macht sie denn?

Also, wir haben letzte Woche eine internationale Bestellung bei unserem Logistikzentrum in Bordeaux gemacht für unser Projekt. Insgesamt zwei Mal pro Jahr können wir etwas bestellen, und die nächste Lieferung wird in ca. fünf Monaten eintreffen. In Berbérati ist die größere Zentral-Apotheke mit zwei Mitarbeitern, die beliefert ein Mal pro Monat die Apotheke hier im Krankenhaus, wo ebenfalls zwei Mitarbeiter tätig sind. Von hier aus werden die einzelnen Stationen versorgt.

Meine Hauptaufgabe ist es, alle Apotheken zu kontrollieren: Dass keine Medikamente oder Materialien ausgehen, aber auch kein Überbestand entsteht, dass möglichst nichts abläuft, dass die Lagerungsbedingungen passen, etc. Ich soll auch vergleichen, was wie oft verschrieben wird (vor allem Antibiotika) und das mit den Bestellungen und der Patientenanzahl synchronisieren. Weiters ist es meine Aufgabe, das Personal zu schulen, und monatlich einen Bericht auszuarbeiten. Und dann kommen jeden Tag immer neue Sachen hinzu: In Bangui muss ich nämlich auch eine kleine Apotheke in einer Klinik betreuen…

Es ist hier also eine wirkliche Challenge für mich, aber ich glaube, ich werde viel lernen ;-)

Ich schicke euch viele liebe Grüße,
Irene

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