Judith Mader19.11.2013

Unter Beobachtung

1 Kommentar

Nachdem wir den afrikanischen Winter eindeutig hinter uns gelassen haben und die Tage deutlich wärmer und ein klein wenig länger werden, nähert sich meine Mission bereits unaufhaltsam ihrer Halbzeit. In manchen Situationen und Begegnungen fühlt es sich immer noch an als wäre ich erst vor ein paar Tagen hier angekommen und manches läuft schon „wie am Schnürchen“. Wenn auch keineswegs von Routine die Rede sein kann, denn fast jeder Tag birgt die eine oder andere Überraschung. Heute Morgen tapse ich noch etwas schlaftrunken auf die Toilette, es ist schließlich Samstag und da schlafen wir alle ein bisschen länger als gewöhnlich, bevor es dann zum Einkaufen geht. Und siehe da, eine besondere Begegnung wartet auf mich. An der Wand sitzt eine Gottesanbeterin. Für die nicht zoologisch bewanderten Leser und Leserinnen meines Blogs, das ist jene berüchtigte Insektengattung, deren weibliche Tiere ihre Partner nach dem Geschlechtsakt verspeisen. Nicht gefährliches, nur ungewöhnlich und für europäische Maßstäbe ein riesiges Insekt. Gelassen schaue ich sie an. Sie dreht ihren Kopf zu mir um und in einer fast arroganten Art scheint sie mir zu sagen: „Aber nicht in meiner Gegenwart!“ Irgendwie fühle ich mich jetzt beobachtet. Trotzig verrichte ich mein Geschäft und betätige die Spülung. Ich muss schmunzeln…

"How to run a pharmacy"

Bevor es schließlich zum Einkaufen geht, ist ein Zwischenstopp in der Apotheke noch Pflicht am heutigen Tag. Ich mag den Samstagvormittag besonders, da lassen sich in Ruhe jene Dinge erledigen, die ungestörtes Arbeiten abseits vom Tagesgeschäft verlangen. Heute gilt es noch für die kommende Woche ein Training vorzubereiten. Denn schließlich gehört es auch zu unseren Aufgaben die lokalen Mitarbeiter in verschiedenster Weise durch Trainings zu unterstützen. Das Training für die kommende Woche richtet sich an die Krankenschwestern und Krankenpfleger in den einzelnen Gesundheitszentren. Sie sollen auf ihre zukünftige Aufgabe vorbereitet werden, gemeinsam mit dem Personal der örtlichen Gesundheitsbehörden die Gesundheitszentren ohne Unterstützung von Ärzte ohne Grenzen zu betreiben. Dabei bedarf es nicht nur medizinischer Schulungen, sondern auch Weiterbildung im organisatorischen Bereich. Das Betreiben einer kleinen Apotheke, oder besser gesagt, eines Arzneimitteldepots gehört in diesen Bereich. Also let's talk about: HOW to run a pharmacy! Lustiger weise muss ich feststellen, dass genau diese Aufgabe sowohl in Österreich als auch hier in Malawi vom Pflegepersonal nicht besonders hochgeschätzt wird. Tja, manche Dinge ändern sich wohl nie. Egal ob zu Hause oder in Afrika! Bis zum nächsten Mal! Liebe Grüße in die herbstliche Heimat.

Kommentare

Elisabeth Schrott
Hallo Judith, immer gerne lese ich deine Berichte, die mir Irmgard per Mail schickt. Ich freue mich schon, wenn du wieder zu Hause bist und hoffe, du hast dann irgendwann mal Zeit, um direkt zu erzählen. Bis dahin alles erdenklich Liebe aus dem Ländle. "Tante" Elisabeth

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