Judith Mader30.12.2013

World Aids Day

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Etwas verspätet möchte ich euch noch von einem ganz besonderen Tag hier in Malawi berichten: Dem World Aids Day! Begangen wird er für gewöhnlich am 1. Dezember, mit mehr oder weniger großem Echo bei uns in Europa. Für gewöhnlich liest man davon, oder besucht die eine oder andere Veranstaltung.

Hier in Chiradzulu ist das ein besonderer Tag. Nein, nicht gerade ein Feiertag, aber doch was besonderes, und heute Samstag ist eben WAD (World Aids Day). Für mich und meine Kollegin beginnt er etwas später, da wir zuvor noch eine dringende Lieferung von Medikamenten erwarten. Eigentlich hätte der Truck gestern schon eintreffen sollen, aber wir haben bis 8 Uhr abends vergeblich gewartet. Heute ist es dafür so weit. Es ist 7:15 Uhr und ich sperre die Apotheke auf. Ich hoffe der Truck kommt bald, ansonsten kommen wir wohl zu spät zum Feiern. Eine gute halbe Stunde später biegt der Truck endlich um die Ecke. So, jetzt hoffe ich, dass das ganze schnell geht. Tatsächlich, wider Erwarten ist in 40 min. alles erledigt und die Ware verstaut.

Jetzt besteigen wir den Shuttle-Car, der uns zum ca. 30 min. entfernten Veranstaltungsort führt. Über holprige und staubige Straßen brausen wir dahin. Der Veranstaltungsort ist eine Schule mit einem großen Vorplatz, der von ein paar riesigen Bäumen beschattet wird. Zuvor aber werden wir zu einer Straßenkreuzung gefahren, von dort beginnt der Marsch und somit die Veranstaltung. Viele Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sind gekommen, Wachmänner, Fahrer, Krankenschwestern… und natürlich die internationalen Mitarbeiter. Alle tragen T-Shirts, mit den drei großen Zielen:


"Zero Infection" - eines der drei großen Ziele im Kampf gegen HIV/AIDS: Keine Diskriminierung, keine Infektionen und keine Toten (c) Judith Mader / World Aids Day 2013

Bei der Schule angekommen gehe ich auf die Suche nach einem schattigen Plätzchen. Es ist mittlerweile fast 10 Uhr und schon sehr heiß. Es folgen Gebete und Reden (meist in der Landessprache), dazwischen Vorführungen und Tänze von Schulklassen. Es ist Zeit, mit meiner Kamera ein paar Momente hier einzufangen. Ich streife umher, auf der Suche nach guten Motiven. Mein Blick bleibt an ein paar jungen Mädchen haften. Sie tragen ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Ask me why I choose to wait“. Auch ein Weg zu den drei großen Zielen im Kampf gegen HIV/AIDS. Dazwischen ein ausgedehnter Plausch mit dem einen oder anderen unserer Fahrer und meinen beiden Storekeepern. Es ist heiß, mein Wasservorrat neigt sich dem Ende zu und immer noch werden Reden gehalten. Manchmal gibt es keinen Unterschied zwischen Malawi und Österreich! ;-) Und auch hier scheinen die meisten Redner die Gemeinsamkeit einer guten Rede mit einem Bikini nicht zu kennen. Kennst du sie? Ein Bikini und eine Rede sind kurz und knapp und decken dabei das Nötigste ab! :-) :-)

Nach weiteren 3 Stunden neigt sich die Veranstaltung dem Ende. Der Sprecher hat jetzt ins Englische gewechselt. Er spricht über die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen hier in Chiradzulu und fordert alle Mitarbeiter auf, die freie Fläche zu betreten, auf der zuvor alle Vorführungen und Reden stattgefunden haben. Langsam sind sie alle da, die Krankenschwestern, die Fahrer, die Teamleiter der HC Teams, die Leute von der psychologischen Beratung, die Wachmänner, die Storekeeper der Apotheke, die internationalen Mitarbeiter, unsere Projektkoordinatorin… Alle die, wie man auf Österreichisch sagt: Den Laden schupfen! Musik wird gespielt und es wird getanzt.

Ich stehe am Rand und schaue zu, froh und ein bisschen stolz, meinen Beitrag zu leisten. Eine ältere Frau steht neben mir, sie scheint meine Gefühle irgendwie lesen zu können. Sie umarmt mich und drückt sich an mich. Danke, danke, sagt sie immer wieder und lächelt mich an – und dieses „Danke“ kommt von Herzen. Auch ich werde diesen World Aids Day wohl nie vergessen! Danke Chiradzulu!!!


Hinweis: Ärzte ohne Grenzen behandelt derzeit rund 280.000 HIV/Aids-Patienten in 21 Ländern mit antiretroviralen Medikamenten. Anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember hat die medizinische Nothilfeorganisation die künftige österreichische Bundesregierung dazu aufgerufen, sich im Kampf gegen HIV/Aids zu engagieren - unter anderem durch die Unterstützung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria.

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