Michaela Posch02.02.2015

Die Apotheke wird endlich aufgefüllt!

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Mit ein paar Wochen Verzögerung war es nun endlich so weit: Meine große Lieferung mit Medikamenten und sonstigem medizinischem Material ist hier in Yida angekommen.

In den letzten Tagen und Wochen sind uns immer mehr Sachen ausgegangen, zum Beispiel mussten leider alle Krankenpfleger sich in kleine Handschuhe zwängen, weil es einfach keine mehr in den Größen „Medium“ oder „Large“ gab. Da ist es meine Aufgabe als Pharmazeutin, nach Möglichkeiten zu suchen, woher wir die benötigten Mittel herbekommen, und das ist stets eine Herausforderung.

Doch diese Probleme sind seit dem Wochenende vorbei: Am Sonntagmorgen landete ein Flugzeug mit 9 Tonnen Material für die Apotheke. Unsere Logistiker Isaac aus Uganda und Gaelle aus Frankreich koordinierten die 10 Helfer, die wir engagiert hatten, um möglichst rasch alles vom Flugzeug auf unsere LKWs zu laden.


Ausladen von 9 Tonnen medizinischer Hilfsgüter am Flughafen in Yida © Michi Posch/MSF

Bei der Apotheke angekommen wurden alle Pakete nach Packlisten aufgeteilt: Insgesamt 660 Schachteln wurden getrennt nach Nummern in die Apotheke und das dazugehörige klimatisierte Zelt geschleppt. Auch unsere Ärzte haben an ihrem freien Tag sehr motiviert mitgeholfen und ein richtiges Wettrennen veranstaltet. Alle Pakete wurden auf der Checkliste abgehakt und zu Mittag waren alle verladen - und keine einzige Schachtel hat gefehlt!


Doktor Clement und ich nach getaner Arbeit © Michi Posch/MSF

Am Montagmorgen ging es dann für meine Apothekenmitarbeiter erst richtig los: Alle 660 Schachteln wollen geöffnet, kontrolliert und verstaut werden. Da ist Kraft und Konzentration gefragt, denn die Dimensionen sind viel größer als in unseren Apotheken zuhause: Wir haben zum Beispiel 339.000 Tabletten Paracetamol bekommen und 220.000 Wundauflagen.

Wenn alles am richtigen Ort ist, beginnt die Computerarbeit. Gott sei Dank ist Francis, der Apothekenmanager, sehr genau und präzise, da passiert kaum einmal ein Fehler. Das ist sehr wichtig, denn anhand der eingegebenen Daten wird die ganze weitere Statistik berechnet: Was brauchen wir noch, wo ist der Lagerstand zu niedrig? Haben wir etwas bekommen, das wir gar nicht mehr benötigen, sollen wir es weitergeben? Das ist Teil unserer täglichen Arbeit, und besonders wichtig nach einer großen Lieferung oder nach einer Inventur.


Francis, der Apothekenmanager, am Computer bei der Eingabe der Daten © Michi Posch/MSF

Woher kommen all diese Hilfsgüter?

Der Weg der Medikamente ist bemerkenswert und eine der Stärken von Ärzte ohne Grenzen: Bestellt wird (hier im Südsudan) vier Monate, bevor man die Lieferung erwarten kann. Als Pharmazeutin muss ich also im Dezember vorausberechnen, was ich zwischen Mai und September brauchen werde. Dann muss man grünes Licht von der Organisation abwarten, denn immerhin machen diese Bestellungen einen Großteil des Budgets jedes Projektes aus. Wenn der Auftrag abgesegnet ist, wird er nach Frankreich gesendet: In Bordeaux steht ein großes Logistikzentrum von Ärzte ohne Grenzen, von wo die Hilfsmittel dann in die ganze Welt gesendet werden, vorzugsweise mittels Schifffracht, oder, wenn es schnell gehen muss, per Flugzeug. Die Abwicklung der Bestellung braucht meist nicht mehr als ein paar Wochen, doch der weite Weg und die Zollvorschriften der unterschiedlichen Länder verzögern die Lieferung, und schon sind die vier Monate um.

Dieses System hat sich bewährt, denn nur so kann man gewährleisten, dass unsere Patienten in aller Welt Medikamente in gleich guter und kontrollierter Qualität bekommen. Und: Im Falle einer Katastrophensituation kann Ärzte ohne Grenzen innerhalb von 48 Stunden ein vollständiges Krankenhaus an jeden Ort der Welt beliefern!


Die Apotheke VOR der Lieferung – im Bild ist Doktor Zeshan © Michi Posch/MSF


Die Apotheke NACH der Lieferung – mit unserem Apotheken-Assistenten Agjagwo © Michi Posch/MSF

Wir sind auf jeden Fall froh, dass die Apotheke endlich wieder gut gefüllt ist. Diese Lieferung war besonders spaßig, weil sie an einem Sonntag ankam und alle anderen internationalen Mitarbeiter mit viel Begeisterung mitgeholfen haben. Die große Arbeit ist getan und ich kann mich zurücklehnen: Es ist bereits Halbzeit für meinen Einsatz hier in Yida, das heißt für mich eine Woche Erholung am Viktoriasee in Uganda.

Kommentare

Klaus
Hut ab vor Euren Leistungen und weiterhin alles Gute!

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