Michaela Posch24.12.2014

Weihnachten einmal anders

1 Kommentar

Hier in Yida im Südsudan geht auch Ende Dezember der Alltag weiter: Viele Menschen hier sind katholisch, aber man merkt nicht wirklich, dass der 25. Dezember ein besonderer Tag ist. Zum Schenken gibt es in einem Vertriebenenlager nicht viel, und überhaupt ist ausreichend Essen und Sicherheit für die ganze Familie mehr, als man sich wünschen kann.

So, was passiert bei unserem Team von Ärzte ohne Grenzen hier zu Weihnachten?

Wir müssen natürlich in erster Linie sicherstellen, dass unser “Krankenhaus” trotz der Feiertage weiter läuft. Manche Bereiche wie die Apotheke und das Labor sind auf Rufbereitschaft, doch die stationäre Betreuung muss wie auch sonst die Versorgung der Patienten garantieren. Für alle Patienten, die Weihnachten im Krankenbett verbringen, und für unsere Mitarbeiter, die an den Feiertagen arbeiten müssen, haben wir uns etwas Besonderes ausgedacht: Jede/r bekommt ein kleines Weihnachtsgeschenk mit Süßigkeiten, Luftballons und Keksen. Unsere Ärzte, die am 25. Dezember Bereitschaftsdienst haben, werden als Weihnachtsmann verkleidet die Geschenke verteilen.

Besonders schön ist, dass wir ein paar unserer Patienten, die seit Monaten hier sind, rechtzeitig zum Weihnachtsfest entlassen können. Zwar gehen sie nicht wirklich “nach Hause”, denn sie müssen im Vertriebenenlager bleiben, fern von ihrer Heimat. Doch sie sind endlich gesund genug, um von ihren Familien gepflegt zu werden und müssen nicht mehr im Krankenhaus sein.

Ein Beispiel ist die achtjährige Achol: Sie kam kurz vor mir hier im Projekt von Ärzte ohne Grenzen an. Seit den ersten Tagen meines Einsatzes Anfang November sehe ich sie täglich. Die ersten Wochen konnte sie nicht laufen, sie saß schwach auf der Bank vor der Krankenstation. Die Ärzte wussten nicht, was ihr fehlte, doch schließlich konnte man eine schwer zu diagonistizierende Art von Tuberkulose feststellen. Wir begannen die medikamentöse Therapie und nach einiger Zeit konnte sie mithilfe eines Stockes ein paar Schritte gehen. Sie blühte langsam auf, und freundete sich mit den anderen Mädchen im Tuberkulosezelt an – sie lernte sogar zusammen mit den anderen den Tanz zu YMCA. Jetzt darf sie am 24. Dezember das Krankenhaus verlassen und ihre Therapie zuhause fortsetzen.


Ich mit Achol (ganz rechts), Kawach (Mitte) und Achel (links) (c) Michi Posch/MSF

Privat werden wir gemeinsam kochen. Jeder gibt seine Kochkünste zum Besten: Meine Aufgabe ist, wie so, oft der Nachtisch. Ich habe schon begonnen, Weihnachtskekse zu backen, was wirklich nicht leicht ist mit einem selbst gebauten Backofen und Kohle! Wir haben mehr oder weniger weihnachtliche Dekoration gebastelt und werden uns gegenseitig mit Wichtelgeschenken überraschen.

Weihnachten ist für mich ein ganz besonderes Fest, das ich bisher jedes Jahr immer mit meiner Familie verbracht habe. Heuer bin ich zum ersten Mal nicht im Wohnzimmer meiner Eltern, ich finde heuer keine Geschenke unter dem Tannenbaum und ich höre tatsächlich kein einziges Mal “Last Christmas”. Trotzdem, oder gerade deswegen, genieße ich dieses Fest hier im Südsudan umso mehr. Hier zu sein, ist für mich der Sinn von Weihnachten: Ich kann mit meiner Arbeit täglich Menschen ein besseres Leben ermöglichen.

An dieser Stelle möchte ich mich bei meiner Familie und meinen Freunden bedanken: Danke, dass ihr m Idee, für Ärzte ohne Grenzen zu arbeiten, von Anfang an so toll unterstützt habt und dass ihr zu Weihnachten auf mich verzichtet, aber mich nicht vergesst! Und ich danke auch allen Spendern von Ärzte ohne Grenzen, denn nur dank euch können wir diese Arbeit leisten.


Das Team in Yida (von hinten rechts nach vorne links): Rhiannon, Rebecca, Gaelle, Clement, Ahmet, Amelie, Juneid, Tatiana, Anthony, Michaela, Marie (c) Michi Posch/MSF

Ich wünsche allen ein schönes Fest! Genießt die Zeit und denkt daran, wie gut es euch allen geht.

Und esst für mich dennoch das eine oder andere Keks mit :-)

Merry Christmas vom ganzen Team in Yida!
Eure Michaela

Kommentare

Andrea Kerimi
Hallo Michi, total spannend deine Einträge :-) ! Leider hab ich deine Mailadresse nicht (nur die alte von der Uni) deswegen auf diesem Wege alles gute fürs neues Jahr, viel Kraft und Freude noch bei deinem Einsatz! Freu mich wenn du wieder da bist und wir deine Berichte live zu hören bekommen. Alles gute, Andrea

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