Michaela Posch09.03.2015

Jedes geimpfte Kind zählt - eine Impfkampagne gegen Masern in Yida

1 Kommentar

Vor wenigen Wochen wurde von unserem Team in Yida eine Impfkampagne gegen Masern durchgeführt. Deshalb möchte ich euch hier meine Erlebnisse schildern und ein paar Infos zu Masern geben.

Seit Anfang Dezember 2014 stellten wir fest, dass immer häufiger Kinder mit Masern in unserem Krankenhaus auftauchten. Insgesamt mussten 93 Kinder in nur zwei Monaten eingewiesen und stationär behandelt werden. Zwei davon starben. Masern kann man nur schwer heilen – aber man kann vorbeugen. Mit einer Impfung wird ein Kind für Jahre gegen die Erkrankung geschützt. Deswegen ist die einzige Antwort auf einen Masernausbruch eine Impfkampagne.

Masern sind eine virale Erkrankung und es gibt kein Medikament, das man gegen das Virus selbst anwenden kann. Man kann nur die Symptome behandeln, und da der Masernvirus sehr aggressiv ist, sind diese umfangreich. Der typischen Hautausschläge sind dabei das geringste Übel. Die betroffenen Kinder sind allgemein sehr schwach, können kaum essen und trinken, Fieber über 41 Grad ist der Dauerzustand, begleitet von starkem Husten und Augenentzündungen. In unserem Krankenhaus werden die Kinder in erster Linie an Sauerstoff angeschlossen, wir behandeln den Husten und die Augenentzündung und geben ihnen medizinische Nahrung (das berühmte „Plumpynut“, therapeutische Fertignahrung auf Erdnuss-Basis), um akute Mangelernährung zu vermeiden. Ein erkranktes Kind ist hoch ansteckend, der Virus wird durch Husten und Sprechen übertragen, deswegen müssen die Patienten isoliert werden.

Das Ziel von Ärzte ohne Grenzen war es also einerseits, alle Erkrankten zu isolieren und zu behandeln. Andererseits versuchten wir, 100% aller Kinder im Alter von neun Monaten bis zu 15 Jahren in den Lagern und den benachbarten Gemeinden – das sind rund 32.500 Kinder – innerhalb von fünf Tagen zu impfen. Diese Maßnahme würde sowohl die Durchimpfungsrate in dieser Gegend deutlich erhöhen als auch die Menschen zukünftig vor Ausbrüchen schützen.

Um diese rund 32.500 Kinder in Yida zu impfen braucht es viel Organisation, viele helfende Hände und viele Hilfsgüter. Als Apothekerin war es meine Aufgabe, die Kühlkette mit zu betreuen, und Materialien wie Spritzen, Handschuhe und so weiter zur Verfügung zu stellen. Zum Glück übernahm ein Kollege aus der südsudanesischen Hauptstadt Juba einen Großteil der Organisation der Kühlkette, denn sonst hätten wir unseren normalen Betrieb nicht weiter führen können. Jeden Abend wurden für den nächsten Tag in der Apotheke Kühlboxen vorbereitet: je eine große Box für die Lagerung der Impfstoffe vor Ort, und zwei kleine handliche Boxen für den aktiven Gebrauch. Insgesamt hatten wir in der Apotheke 4 große Kühltruhen voll mit Impfstoffen.

Am Morgen zogen dann unsere zehn Teams los, aufgeteilt auf die verschiedenen Bezirke in Yida. Fünf Tage lang wurde geimpft, und am Ende konnten wir 96% der Kinder innerhalb unserer Zielgruppe immunisieren.

Warum ist es so wichtig, möglichst alle Kinder (weltweit, nicht nur in Yida) zu impfen, und nicht nur die Geschwister der Erkrankten?

Besonders bei Masern kommt die sogenannte Herdenimmunität stark zum Tragen: nur wenn möglichst viele Menschen geimpft sind, können auch jene geschützt werden, die (noch) nicht geimpft werden können. Leider ist der momentane Trend zuhause, sich und die eigenen Kinder nicht mehr impfen zu lassen. Ein großes Risiko für andere, vor allem für Babies unter einem Jahr oder Personen mit Immunschwäche: Sie sind am anfälligsten für Infektionskrankheiten, und können nur geschützt werden, indem wir nicht die Überträger sind. Das gilt nicht nur für Masern, sondern auch für viele andere tödliche Krankheiten. Es wird allgemein befürchtet, sollte die Impfmüdigkeit und unberechtigte Angst weiterhin zunehmen, dass viele dieser verschwundenen tödlichen Krankheiten bald ihr Comeback haben könnten.

Die Impfkampagne in Yida war ein Erfolg, denn in vergangenen Wochen nach der Impfkampagne wurden keine weiteren Kranken mehr ins Krankenhaus gebracht. Nun bleibt es weiteren mehr als 30.000 Kindern auf dieser Welt erspart, an Masern zu leiden oder sogar daran zu sterben.

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Kommentare

Elfriede Posch
Gute Aktion! Eine wertvolle Arbeit für die Kinder und die Familien! Alles Gute weiterhin, Michaela!

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