Monika Stumpf-Hulsrøj28.05.2018

Was ist Evaluierung? Und warum ist sie so wichtig für uns?

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Zum Stichwort „Evaluierung“ stellen sich zu Beginn natürlich Fragen wie „Was ist Evaluierung?“ und „Wozu braucht man sie innerhalb einer Hilfsorganisation wie Ärzte ohne Grenzen?“ Sollte nicht der Dienst an Patienten und Patientinnen das Maß aller Dinge sein? Und sprechen nicht Fakten wie mehr als 70 Einsatzländer, die Verleihung des Friedensnobelpreises, und innovative Ideen wie ein „Aufblasbares Krankenhaus“ eindeutig für Ärzte ohne Grenzen? Natürlich zählen diese Fakten. Dennoch gilt es, weiter zu denken. Deshalb fand im April bei uns im Haus ein Training zum Thema „Evaluierung humanitärer Programme“ statt.

Die Evaluation Unit in Wien wurde 2005 gegründet - geleitet von der Erkenntnis, dass Stärken wie z.B. ein humanitärer medizinischer Auftrag, schnelle Reaktionszeiten auf Krisen, hoch motiviertes Einsatzpersonal und eine rasch wachsende Organisation viele Chancen eröffnen. Der damit einhergehende Enthusiasmus birgt jedoch auch die Gefahr, Schwächen und Risiken zu übersehen bzw. zu vernachlässigen und damit  Möglichkeiten zu versäumen. Daher ist Evaluation wichtig, denn Evaluation beschreibt und bewertet systematisch und zielorientiert, basierend auf vorliegenden oder neu erhobenen Daten, die Komponenten der Programm-Wirklichkeit.

In den vergangenen dreizehn Jahren ist viel passiert: Die Evaluation Unit hat insgesamt 74 Evaluierungen und anthropologische Studien in rund 49 Einsatzländern durchgeführt (Eine Übersicht über die Studien auf Englisch finden Sie hier). Dabei wurden die verschiedensten Themen abgedeckt. Es wurden z.B. unser Ebola-Einsatz in Westafrika oder Richtlinien zu Gesundheitsversorgungssystemen evaluiert.

Kritiker halten Evaluation  entgegen, dass diese sich zu sehr auf die Identifizierung von Schwachstellen eines Programms oder einer Strategie konzentriert und damit zu einer Entfremdung von Mitarbeitenden und Projekten, eventuell von der Organisation Ärzte ohne Grenzen selbst, führen kann. Diese Kritik leitet über zu der wirklich spannenden Entwicklung, die das Managementtool Evaluierung in den letzten Jahren durchlebt hat. Natürlich geht es immer noch darum, Schwächen zu erkennen, sowie Effekte, Nutzen, Veränderungen medizinischer, wirtschaftlicher und qualitativer Art zu messen. Der Fokus liegt jedoch nicht mehr alleine auf der Erfassung von „Schwachstellen“. Viel reizvoller und effektiver ist es, mit Evaluierung die „Best-Practice-Beispiele“ von Ärzte ohne Grenzen (oder auch anderen Organisationen) systematisch zu erkennen und diese dann organisationsweit zu replizieren.

Im April trafen sich 25 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus dem weltweiten Netzwerk von Ärzte ohne Grenzen zu dem erwähnten Training  „Evaluierung humanitärer Programme“. Nach einer Woche mit theoretischem Grundlagenwissen, Praxisbeispielen, Gruppenarbeiten und Wiener Schnitzel, denke ich folgendes festhalten zu können: Zunächst sind alle zur Erkenntnis gelangt, dass Evaluation vieles, jedoch nicht alles kann. Darüber hinaus wurde erfahrbar, dass Evaluation kein einseitiger Nabelschauprozess ist. Vielmehr ermöglicht sie es, alle Beteiligten bewusst auf Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken hinzuweisen. Damit wird eine Grundlage dafür gelegt, ideenreich Wege zu gehen, um unsere Ziele auch zukünftig effektiv zu erreichen und letztlich die Patienten und Patientinnen bestmöglich zu versorgen und zu betreuen.

Eine Gefahr ist immer das Stehenbleiben in Selbstzufriedenheit. Die Evaluierung unserer Hilfsprogramme bietet  Ärzte ohne Grenzen  hingegen die Möglichkeit, sich nachhaltig mit der eigenen Arbeit auseinanderzusetzen: Wir wollen mobil bleiben, und unsere Arbeit wach und sorgfältig reflektieren. Evaluation ist eines der Werkzeuge, das dazu beiträgt, dass dies weiterhin so bleibt und wir uns weiterentwickeln.

Nach einer sorgfältigen Evaluierung des diesjährigen Trainings, freut sich die Vienna Evaluation Unit auf einen erneut lebhaften Kursus  im Jahr 2019!

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