Reinhard Lassner06.10.2014

Ende gut – alles gut.

1 Kommentar

„Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt“ (aus Afrika)

Mein halbes Jahr im Kongo geht zu Ende. Nach dem Urlaub im August war ich körperlich wieder besser beisammen und auch entspannter nach einer Auszeit vom Alltag im Projekt.

Gegen Ende des Einsatzes hatte ich das Gefühl, die Arbeit zu steuern und kein Getriebener zu sein. Arbeit mit Ärzte ohne Grenzen war im Rückblick eine sehr intensive Zeit mit unterschiedlichen Aktivitäten, mehr Vielfalt als in Pakistan. Von der Wasserleitung über Choleraintervention im Spital, plus 51.000 Personen gegen Cholera geimpft, Studien über die Effektivität der Impfung, Studien zu Malaria, Masern und Aids. Weiters Maßnahmen für sauberes Trinkwassers - Filter für den Haushalt, öffentliche Wasserstellen mit Sandfilter, Sensibilisierung der Bevölkerung im Umgang mit Trinkwasser und Reparatur von Brunnen.

Meine erste Bewährungsprobe mit Französisch als Arbeitssprache. Zu Beginn eine echte Herausforderung, so war ich am Ende des Tages geschlaucht von der Arbeit und der Konzentration auf die Sprache. Gegen Ende des Einsatzes habe ich versucht, die Grammatik umzusetzen und den Wortschatz auszubauen. Diesbezüglich habe ich mir nach 27 Jahren einen Jugendtraum erfüllt, im Ausland zu arbeiten und die gelernten Sprachen zu verwenden. Vor meinem ersten Job wollte ich noch ein halbes Jahr ins Ausland…

Mein erster Kontakt mit Afrika – ein anderes Leben, eine andere Mentalität, der Fokus liegt hier noch auf leben und überleben, den Elementen der Natur ausgesetzt. Viel Freude hatte ich immer bei Begegnungen mit Kindern, ein freudiges oder schüchternes Grüßen und Abklatschen mit den Händen. Für sie war ich ein „MZUNGU“ zum Anfassen.

Auch im Haus mit Kollegen aus Afrika zu wohnen und zu arbeiten war eine Erfahrung. Andere Lebenserfahrungen, andere Lebensgewohnheiten – wir haben uns arrangiert. Von mir haben sie die Konsequenz bewundert, privat habe ich sie zum Sport animiert und wir haben viele Morgenstunde mit Laufen verbracht.


Treffpunkt Strand - jeden Sonntag mit Monsieur „Rasta“ (c) Reinhard Lassner/MSF

Ende gut – alles gut. Ein schwieriger Start, gefolgt von intensiven Arbeitsmonaten und ein Abschluss in Ruhe und Gelassenheit. Nehme neue Erfahrungen und Eindrücke mit nach Hause, meine Grenzen haben sich wieder ein Stück verschoben….

In diesem Sinne freue ich mich auf die Begegnungen zu Hause, auf eure Geschichten seit meiner Abreise, und schließe mit einem Spruch aus Afrika:

„Träumen heißt, durch den Horizont blicken.“

Reinhard Lassner
Oktober 2014


Der Niederösterreicher Reinhard Lassner hat sowohl eine kaufmännische Ausbildung im Bereich Finanzen und Buchhaltung als auch Erfahrung in der Mitarbeiterführung. Er war im Finanz- und Versicherungssektor tätig und zuletzt Vertriebsleiter einer Bank. Die Suche nach einer sinnstiftenden Arbeit und ein „Blick über die Grenzen“ haben ihn in seiner Entscheidung bestärkt, auf Einsatz zu gehen: Nach seinem ersten Einsatz in Pakistan bloggt er nun mit monatlichen Rückblicken über seine Tätigkeit in der Demokratischen Republik Kongo.

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Kommentare

magguieme
Eindrücklich, von dem persönlichen Prozessbogen zu lesen, der sich im Laufe des Einsatzes ergibt. Danke.

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