Reinhard Lassner21.07.2014

Karibu au Congo!

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Wieder ist Sonntag in Kalémie und ich werde meine Berichte weiterführen. Sitze auf der Terrasse und höre im Hintergrund die fröhlichen Gesänge in den umliegenden Kirchen. Letzten Sonntag war ich vormittags im Buero, denn vergangene Woche war ich erstmals alleine und alles Administrative war bei mir konzentriert.

Ende April sind gut 10% der Wasserleitung verlegt, die Arbeit geht gut voran; Pannen sind immer einzuplanen. “DIE Story der Woche” – 26 Container voll mit Rohren und Spezialteilen für die Wasserleitung wurden in Frankreich verschifft und vor 1 Monat hier via Tansania im Hafen angelandet und am Bahnhof ausgeladen. Dort stehen sie unter 24/7-Bewachung bis sie an der Baustelle verarbeitet werden. Diese Woche wurden spezielle Bauteile in einem Container gesucht und festgestellt, es fehlen 2 Container. Nachdem hier schwere Kranwagen nicht existent sind, war ein Diebstahl auszuschließen. Recherche bei der Bahn: Die Container stehen in Kabalo, einige 100 km im Landesinneren => Karibu au Congo! Willkommen im Kongo!

Neben dem Projekt hier in Kalémie (Trinkwasser und Evaluierung Malaria/Masern) gibt es in der Provinz Katanga noch 2 Projekte von Ärzte ohne Grenzen. Kabalo und Kongolo, 2 Städte direkt am Fluss Kongo im Landesinneren. Schwerpunkt ist „palu“, also Malaria, das hier endemisch ist. Die Projekte sind saisonal bedingt, heuer laufen sie viel länger als geplant, weil die Zahl der Kranken hoch bleibt.

Mich betreffen die beiden Projekte insofern, als dass alles Personal via Lumbumbashi also von Paris/Bordeaux bei uns aufgrund der Flugrouten durchkommt, viel Transit und Organisation punkto Transport und Unterkunft in Kalémie. Das meiste wird geflogen, nur Material geht mit den Jeeps auf Reise in den Busch. Materialverschleiß bei den Autos ist hoch, wir haben eigene Mechaniker, die ständig am Reparieren sind und den Fuhrpark in Schuss halten.

Noch bin ich nur sporadisch am Morgen unterwegs, die Arbeit schlaucht gehörig und viel Zeit bleibt ja nicht unter der Woche. Es gibt hier ein “Fußballstadion”, bei uns würde das gerade als Lagerplatz einer Baufirma durchgehen (Sandplatz, eine Tribüne, 2 Tore ohne Netz und eine mikrige Anzeigetafel, kein wirklicher Eingang nur offene Stellen in einer kargen und halbfertigen Ziegelmauer rundum), Bausteine liegen rund um das Feld und ein Rinnsal zwischen Tribüne und Feld. ABER das “Stadion” liegt gleich am Lac Tanganyika und als ich um 6 Uhr Morgens bei Sonnenaufgang (im Osten über dem See) ein paar einsame Stadienrunden gedreht habe, war das ein geniales Erlebnis, das ich im Kopf behalte.


Sonnenaufgang am Lac Tanganyika © Reinhard Lassner 2014

Und das hat mich an folgende Zeilen erinnert, die ich vor mittlerweile 12 Jahren als Motivation bei einem Seminar verinnerlicht habe und immer noch in mir habe:

Gedanken aus Afrika
In Afrika erwacht jeden Morgen eine Gazelle und weiß, sie muss schneller laufen als jeder Löwe um zu überleben; In Afrika erwacht jeden Morgen ein Löwe und weiß, er muss schneller laufen als die langsamste Gazelle um zu überleben; Jeden Morgen, wenn die Sonne aufgeht egal ob Gazelle oder Löwe - dann LAUF LOS!

Gestern Nachmittag war ich erstmals am richtigen Badestrand außerhalb der Stadt beim Flughafen: Feiner, weißer Sand, vereinzelt Baume, Schilf und das Brechen der Wellen am Ufer. Mit Blick auf die weite Wasserfläche bis zum Horizont, den Wind und der Sonne auf der Haut hatte ich erstmals das Gefühl, hier in Kalémie wirklich „angekommen“ zu sein.

Karibu à Kalémie!

Reinhard Lassner
Mai 2014


Der Niederösterreicher Reinhard Lassner hat sowohl eine kaufmännische Ausbildung im Bereich Finanzen und Buchhaltung als auch Erfahrung in der Mitarbeiterführung. Er war im Finanz- und Versicherungssektor tätig und zuletzt Vertriebsleiter einer Bank. Die Suche nach einer sinnstiftenden Arbeit und ein „Blick über die Grenzen“ haben ihn in seiner Entscheidung bestärkt, auf Einsatz zu gehen: Nach seinem ersten Einsatz in Pakistan bloggt er nun mit monatlichen Rückblicken über seine Tätigkeit in der Demokratischen Republik Kongo.

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