Ursula Wagner18.12.2014

Drillinge in der Stadt der Zwillinge

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Am Timan heißt übersetzt „Mutter der Zwillinge“. Wie die Stadt zu diesem Namen kam, habe ich bisher nicht herausgefunden. Für mich ist sie nun die Stadt der Drillinge:


Sieben Tage alte Drillingsmädchen aus einem Nomadenstamm in der Intensivstation des Spitals in Am Timan © Ursula Wagner/MSF

Diese drei Nomadenmädchen wurden letzte Woche 45 Kilometer entfernt von Am Timan geboren und haben ihre Mutter bei der Geburt verloren. Ärzte ohne Grenzen schickte die Rettung, dennoch kam die Hilfe zu spät. Die Mädchen sind nun der Intensivstation des Krankenhauses von Ärzte ohne Grenzen in Am Timan unter Beobachtung und werden mit therapeutischer Milch gefüttert, während gleichzeitig ihre Tante, ihre neue Stiefmutter, versucht, sie zu stillen. Sie wird sich neben ihren sechs eigenen Kindern um sie kümmern. Die vier verwaisten Brüder übernimmt eine andere Schwester, somit sind die Kinder im Clan aufgehoben.

Wie es der Brauch vorsieht, geht am siebten Tag nach der Geburt die Schutzphase zu Ende, in der Neugeborene und deren Mütter von der Außenwelt abgeschirmt werden. Dann werden die Haare geschoren, wie auch bei den dreien ersichtlich. Die dazugehörige rituelle Namensgebung mitsamt Segenswünschen werden sie im Kreise ihrer Familie nachholen, wenn sie entlassen sind. Die Namen stehen schon fest - die Familie bat Elisa, unsere Psychologin, sie auszusuchen.

Das Team von Ärzte ohne Grenzen in Am Timan wünscht Samira, Layla und Elise ein gesundes, glückliches und beschütztes Leben!


Bisherige Beiträge von Ursula Wagner lesen:

Kulturelle Identität oder: Die Angst vorm weißen Haus
Dorfgeschichten

Bienvenue à Am Timan
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