Ärzte ohne Grenzen begrüßt neue WHO-Empfehlungen zur HIV-Behandlung

Wien/Kuala Lumpur, 30. Juni 2013. Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) begrüßt die neuen Behandlungsrichtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für HIV/Aids. Nun müssen die Verbesserungen rasch umgesetzt werden, fordert Unni Karunakara, internationaler Präsident der medizinischen Nothilfeorganisation. Dafür sei international mehr politische und finanzielle Unterstützung nötig. Auch Österreich muss einen Beitrag zum Kampf gegen HIV/Aids leisten.

Die neuen WHO-Richtlinien empfehlen, früher mit der antiretroviralen Therapie zu beginnen, die Übertragung des HI-Virus' von Müttern auf Kinder besser zu verhindern und die Viruslast der Patienten regelmäßiger und wirksamer zu prüfen, um sicherzustellen, dass die Behandlung wirkt. „Die frühe Behandlung von HIV/Aids macht einen großen Unterschied. Sie führt dazu, dass die Menschen gesünder bleiben, und verhindert, dass das Virus sich weiter verbreitet", so Karunakara. Auch die Überwachung der Viruslast ist ein deutlicher Fortschritt gegenüber den bisherigen Behandlungsrichtlinien. „Zu wissen, dass das Virus in ihrem Blut nicht mehr nachweisbar ist, ist für die Patienten die beste Motivation, sich behandeln zu lassen", sagt Gilles van Cutsem, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Südafrika. „Das Testen der Viruslast ist der beste Weg, um zu erkennen, welche Therapie die Patienten brauchen, wann sie noch Medikamente der ersten Behandlungslinie bekommen können und wann sie zur zweiten Behandlungslinie wechseln müssen. Es ist höchste Zeit, diese Tests in Ländern, in denen viele Menschen mit HIV/Aids leben, zur Verfügung zu stellen."

Österreichs Regierung hat seit 12 Jahren keinen Beitrag geleistet

Mit den neuen Richtlinien wird die Zahl der behandelten Menschen deutlich steigen. Internationale Unterstützung für die Länder, die die Richtlinien umsetzen wollen, ist deshalb wichtig. Ärzte ohne Grenzen fordert mehr Unterstützung von Geberländern und internationalen Organisationen wie dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria. „Auch Österreich ist dazu aufgefordert, einen Beitrag zu leisten", sagt Florian Breitenecker, HIV-Experte und Vorstandsmitglied von Ärzte ohne Grenzen Österreich. Eine gute Gelegenheit dafür sei die Konferenz zur Aufstockung des Globalen Fonds, die Ende 2013 stattfindet. „Österreich muss endlich wieder finanzielle Zusagen machen und Mittel für den Kampf gegen HIV/Aids zur Verfügung stellen", so Breitenecker. Die meisten europäischen Staaten tragen jährlich mehrstellige Millionenbeträge zum Globalen Fonds bei – Belgien hat bisher knapp 140 Millionen Euro eingezahlt, das kleine Luxemburg 26 Millionen. Österreich hat seit einer einmaligen Zahlung von 1 Million Euro vor 12 Jahren keinen Beitrag mehr geleistet.

Ärzte ohne Grenzen behandelt derzeit 285.000 HIV/Aids-Patienten in 21 Ländern. Immer wieder sind die Teams damit konfrontiert, dass Betroffene keinen Zugang zu Behandlung haben. „In Ländern wie der Zentralafrikanischen Republik, der Demokratischen Republik Kongo, Guinea und Myanmar ist es, als stünde die Zeit seit mehr als zehn Jahren still", sagt van Cutsem. „Es ist beschämend, wie viele Menschen sterben, weil sie nicht behandelt werden. Die internationale Gemeinschaft darf nicht zulassen, dass Menschen, die in instabilen Verhältnissen leben und eine HIV/Aids-Behandlung brauchen, weiterhin vernachlässigt werden."

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