Ärzte ohne Grenzen fordert: GAVI-Allianz muss Preissenkungen ausdehnen

Dar es Salaam/Wien, 5. Dezember 2012. Die internationale humanitäre Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) hat heute beim GAVI-Partner-Forum in Tansania gefordert, dass die GAVI-Alliance ihre Preissenkungen bei Impfstoffen systematisch auch auf humanitäre Organisationen ausweitet. Derzeit haben Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen keinen Zugang zu den ausverhandelten Preisen und müssen den Zugang zu Impfstoffen Fall für Fall selbst ausverhandeln.

Offizielle Schätzungen gehen davon aus, dass 2011 22,4 Millionen Babies nicht vollständig geimpft waren, was jedem fünften pro Jahr geborenen Baby entspricht. Im Rahmen seiner Arbeit in instabilen Regionen mit schlechten Durchimpfungsraten ist Ärzte ohne Grenzen oft mit Kindern konfrontiert, die zu wenig oder gar keine Impfungen erhalten haben.

„Wir müssen schnell handeln und lebensrettende Impfstoffe für ungeschützte Kinder bereitstellen können, wenn es diese Möglichkeit gibt“ erklärt Florence Fermon, Leiterin der Impf-Arbeitsgruppe von Ärzte ohne Grenzen. „Wir können uns unnötige Verzögerungen durch lange Verhandlungen bei der Beschaffung von Impfstoffen nicht leisten.“

Hürde durch Verzögerungen

Ärzte ohne Grenzen hat mehrmals versucht, neuere Impfstoffe zur Verwendung in den verschiedenen Programmen zu beziehen. Ende 2010 und Anfang 2011 musste Ärzte ohne Grenzen mehr als vier Monate mit dem Gesundheitsministerium und dem pharmazeutischen Unternehmen GlaxoSmithKline verhandeln, um einen Pneumokokken-Impfstoff für Projekte in Kenia zu beziehen. Verzögerungen wie diese stellen für das Bestreben, ungeschützten Kindern einen verbesserten Zugang zu Impfungen zu geben, eine Hürde dar.

Ärzte ohne Grenzen hat vergeblich versucht, die Pneumokokken-Impfung zum GAVI-Preis von Pfizer zu beziehen.

Zugang zu Impfstoffen

Der Kern des Problems ist, dass GAVI-Unterhändler Deals mit pharmazeutischen Unternehmen abschließen, die verhindern, dass andere Akteure Zugang zu den Preisen haben. Diese Abkommen beinhalten häufig Impfstoff-Preise, die nach wie vor zu hoch und für viele Länder langfristig nicht leistbar sind.

„Wir müssen Zugang zu Impfstoffen haben – wenn wir sie brauchen, wo wir sie brauchen und zu einem leistbaren Preis“, sagt Dr. Manica Balasegaram, Leiter der Access Campaign, der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. „Es ist an der Zeit, dass die GAVI-Verantwortlichen aufwachen und begreifen, dass es auch andere Akteure gibt, die Impfungen durchführen. Und dass diese Akteure zu möglichst niedrigen Preisen einen raschen und regelmäßigen Zugang zu lebensrettenden Impfstoffen brauchen.“

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