Burkina Faso

Ärzte ohne Grenzen hilft Flutopfern in Burkina Faso und Niger

In Westafrika sind während der jüngsten Überflutungen nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) etwa 160 Menschen ums Leben gekommen und 600.000 vertrieben worden. Ärzte ohne Grenzen hat zusätzlich Mitarbeiter nach Burkina Faso und Niger geschickt, um der betroffenen Bevölkerung in Zusammenarbeit mit den lokalen Gesundheitsministerien zu helfen.

Der 1. September war kein normaler Tag. In Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, sind innerhalb von zwölf Stunden 26,3 cm Regen gefallen - das ist ein Viertel der jährlichen Niederschläge. Mehr als 24.000 Häuser wurden zerstört und 150.000 Menschen – einer von zehn Bewohnern – vertrieben. In der Stadt Agadez in Niger wurden am gleichen Tag 3.500 Häuser zerstört. 28.000 Menschen waren von den Fluten betroffen. Teams von Ärzte ohne Grenzen haben in Niger und Burkina Faso sofort die Bedürfnisse ermessen, um in Zusammenarbeit mit den lokalen Gesundheitsministerien sicherzustellen, dass die Opfer medizinische Hilfe bekommen und die Krankenhäuser funktionsfähig sind.

Mobile Teams im Einsatz

„Die Bewohner von Ouagadougou haben schnell und massiv reagiert“, sagt Mohamed Morchid, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Burkina Faso. „Das waren besonders heftige Fluten. Niemand erinnert sich an ein so starkes Hochwasser in den vergangenen Jahrzehnten, aber es gab kein Chaos. Viele Vertriebe haben bei Verwandten Zuflucht gefunden, Zehntausende Menschen kamen in Schulen und manchmal auch in Gesundheitszentren unter. Sie bekommen Nahrung und die nötigen Gebrauchsgegenstände. Das Gesundheitsministerium hat in den Orten, in denen die Vertriebenen sich gesammelt haben, Kliniken eingerichtet, in denen sie kostenlos behandelt werden. Es sind aber nicht alle Orte abgedeckt, und es fehlen Medikamente. Ärzte ohne Grenzen hat den Vorteil, schnell auf gezielte medizinische Bedürfnisse reagieren zu können, während größere Einrichtungen aufgebaut werden.“

Fünf mobile Teams behandeln die Vertriebenen in zwei Distrikten der Hauptstadt Ouagadougou, in Bogodogo und Boulmiougou. „Wir sehen Patienten mit infizierten Wunden und Verletzungen, die sie bei dem Versuch erlitten haben, ihren Besitz aus dem steigenden Wasser zu retten“, erklärt Morchid. „Viele leiden auch an Durchfall, da sich die Hygienesituation durch die Fluten verschlechtert hat. Dann gibt es noch die gewohnten Krankheiten, wie Malaria und Atemwegs- und Hautinfektionen. Wir behandeln die Patienten vor Ort, da sie nicht zu den herkömmlichen Gesundheitszentren gehen können.“

Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen verteilen darüber hinaus Seife an die Flutopfer, untersuchen den Zugang zu Trinkwasser und die Hygienebedingungen. Sie bauen an einigen Stellen, an denen sich die Menschen sammeln, Latrinen und behelfsmäßige Duschen.

Yalgado, das größte Krankenhaus der Hauptstadt, wurde beschädigt und einige Abteilungen, wie die Dialysestation und die Notaufnahme, funktionieren nicht mehr. In der pädiatrischen Notaufnahme im Distriktkrankenhaus in Bogodogo hat Ärzte ohne Grenzen zwei Zelte mit je zwölf Betten aufgebaut, um mehr Patienten aufnehmen zu können. Die Organisation hat Medikamente an die Kliniken des Gesundheitsministeriums gespendet, die Flutopfer behandeln.

In Agadez, in Niger, arbeitet Ärzte ohne Grenzen mit mobilen Kliniken, verteilte Hygieneboxen an 2.000 Familien und baut Latrinen in den Schulen, die Betroffene beherbergen.

In der Regenzeit von Juni bis September gibt es in mehreren Ländern in Westafrika regelmäßig Überflutungen. Vor zwei Jahren kamen durch die Überschwemmungen in der Region 300 Menschen ums Leben, 800.000 waren betroffen.

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