Jordanien

Amman: Neue chirurgische Spezial-Klinik in Fertigstellung

Nach Monaten intensiver Arbeit ist das neue Krankenhaus im jordanischen Amman beinahe fertig, das spezielle rekonstruktive Chirurgie für Kriegsverletzte im arabischen Raum anbietet. Es wird mit einer Kapazität von 150 Betten auf acht Etagen das größte Spital der Region sein, das solche Behandlungen kostenlos anbietet.

Seit Juni 2014 wird am achtstöckigen Krankenhaus gebaut – die Fertigstellung ist für Anfang 2015 geplant. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen in den Bereichen Architektur und Planung, Logistik sowie Medizin haben hart gearbeitet, damit die Einrichtung den höchsten Standards gerecht wird. Die Räumlichkeiten sollen die bestmögliche Behandlung der Patientinnen und Patienten gewährleisten und auch eine passende Umgebung für die Genesung und Rehabilitation der Kranken sein.

Spezial-Klinik für komplizierte Verletzungen

Im Projekt für rekonstruktive Chirurgie in Amman behandeln die Teams von Ärzte ohne Grenzen Erwachsene und Kinder aus dem arabischen Raum, die bei Gefechten oder gewaltsamen Zusammenstößen verwundet wurden. Sie alle haben schwere, komplizierte Verletzungen, die in ihrem Heimatland nicht sofort oder nicht korrekt behandelt werden können. Im Projekt erhalten sie spezialisierte chirurgische Betreuung, Physiotherapie und psychologische Unterstützung. Seit der Eröffnung im Jahr 2006 wurden mehr als 3.700 Patientinnen und Patienten aus dem Irak, Syrien, Jemen, Gaza, Ägypten und Libyen behandelt. Die Kranken bleiben durchschnittlich sechs Monate im Projekt – manchmal sogar zwei bis drei Jahre, während sie ein Programm komplexer chirurgischer Eingriffe und entsprechender Rehabilitation durchlaufen.

Achitektin Melanie Playe von Ärzte ohne Grenzen hat den Umbau und die Renovierung des ehemaligen allgemeinen Krankenhauses konzipiert und begleitet: „Ich persönlich denke, dass ein wichtiger Teil der Behandlung darin besteht, dass es den Patienten so gut wie möglich geht. Sie alle haben traumatische Verletzungen erlebt, und der Prozess der physischen und psychischen Heilung ist sehr hart. Doch die kleinsten Details können den Heilungsprozess beschleunigen. In der Kinderstation haben wir zum Beispiel viele Farben verwendet, damit der Ort so angenehm wie möglich ist. Wir wollen, dass sich unsere Patienten so gut wie möglich zuhause fühlen – auch wenn sie weit weg von ihrer Heimat sind – und nicht, als ob sie in einem kalten und seelenlosen Krankenhaus sind.“

Mehr Kapazität und bessere Betreuung

Bereits seit Jahren wurde diskutiert, wie mit den wachsenden medizinischen Bedürfnissen aufgrund der anhaltenden Unruhen in der Region umgegangen werden kann. Daher entschloss sich Ärzte ohne Grenzen dazu, das Projekt für rekonstruktive Chirurgie in Amman zu erweitern und in ein neues Krankenhaus zu ziehen. Gleichzeitig ist diese Maßnahme ein weiterer Schritt zur Verbesserung der medizinischen und nichtmedizinischen Betreuung von Kriegsverletzten.

„Das Krankenhaus wird größer sein als das, in dem wir derzeit in Amman arbeiten. Wir werden definitiv mehr Betten zur Verfügung haben und unsere medizinische Kapazität ausbauen können“, so Marc Schakal, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen in Jordanien und im Irak. „Doch das eigentliche Ziel ist nicht so sehr die Vergrößerung des Projekts, sondern eine bessere Behandlung anbieten zu können und das Patientenaufkommen besser zu organisieren. Wir werden zukünftig auch Patienten bei uns behalten können, die eine längere stationäre Betreuung benötigen – statt sie aus Platzmangel entlassen zu müssen. Wir werden dank eines dritten Operationssaals auch die Organisation der Operationssäle verbessern können.“

Handicap auf ein Minimum reduzieren

Das Projekt wird sich weiterhin auf dieselben Bereiche spezialisieren, darunter orthopädische Eingriffe und plastische Chirurgie sowie Kiefer- und Gesichtschirurgie. Im neuen Krankenhaus werden sich jedoch die Arbeitsbedingungen, die Möglichkeiten der Sterilisation und die gesamte Umgebung verbessern. So besteht auch die Möglichkeit, in weiterer Folge neue chirurgische Ansprüche zu erfüllen und auch Patientinnen und Patienten mit Infektionen besser behandeln zu können.

Alle Aktivitäten des Projekts für rekonstruktive Chirurgie werden in diesem neuen und gutausgestatteten Gebäude zentral untergebracht – inklusive der stationären Betreuung von Kranken zwischen Operationen. Der Umzug in das renovierte Krankenhaus eröffnet Ärzte ohne Grenzen auch neue Optionen: Vom Aufbau der Expertise im Spitalsmanagement bis zu wissenschaftlicher Forschung.

„Wir tun hier mehr, als nur eine Wunde zu versorgen oder eine Verletzung zu behandeln“, so Schakal. „Wir helfen einem Kranken, wieder so weit wie möglich funktionsfähig zu werden und das Handicap durch seine Verletzung auf ein Minimum zu reduzieren. Dieses Projekt ist in vielerlei Hinsicht einzigartig – sowohl innerhalb der Organisation als auch sonst.“

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